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Amazonas: Brennende Denkanstöße

Patrick Liste, Stellvertretender Chefredakteur.

Die Regenwaldbrände in Brasilien zerstören die grüne Lunge unseres Planeten. Unstrittig ist, dass Deutschland weder Klima noch Regenwald alleine retten kann. Dennoch sind die verheerenden Brände ein Denkanstoß, auch das eigene Handeln zu hinterfragen.

Die Dimensionen sind unvorstellbar: In Russland brennt seit Monaten nahezu unbemerkt eine Waldfläche von der Größe Nordrhein-Westfalens ab. Und in Brasilien vernichten seit Jahresbeginn rund 80.000 Feuer Teile des Amazonas-Regenwaldes – das sind gut 80% mehr Brände als sonst. Gleichzeitig verdreifacht sich dort noch die illegale Abholzung.

Bolsonaro als Brandbeschleuniger?

Der Regenwald ist die grüne Lunge unseres Planeten. Er bindet Kohlenstoffdioxid und produziert Sauerstoff. Waldbrände setzen riesige Mengen klimaschädliches Treibhausgas frei. Mit dem brasilianischen Staatschef Jair Bolsonaro haben einige Industriestaaten schnell den maßgeblichen Brandbeschleuniger ausgemacht. Der „Tropen-Trump“ ist bekennender Klimawandel-Leugner und kündigte beim Amtsantritt im Januar an, den Regenwald für die Landwirtschaft zu erschließen.

Die Rolle der EU

Allerdings sollten sich die EU und Deutschland fragen, ob sie nicht auch zu den Regenwaldbränden beitragen. Brasilien ist der weltweit größte Sojaanbauer, die EU einer der bedeutendsten Importeure. Zudem erlaubt das frisch ausgehandelte Mercosur-Abkommen Brasilien künftig unter anderem mehr Fleisch zu vergünstigten Zollen in die EU zu liefern. Die Reaktion einiger brasilianischen Farmer: Sie fackeln den Regenwald ab, um mehr Ackerfläche für den Sojaanbau und mehr Weidefläche für die Rindermast zu schaffen.

Unstrittig ist, dass Deutschland weder Klima noch Regenwald alleine retten kann. Allerdings bietet es sich an, das eigene Handeln zu überdenken:

  • Die Tierhalter sollten sich fragen, ob sie den Einsatz von Importfutter weiter reduzieren können. Viele Milcherzeuger zeigen, dass es ganz ohne Sojaschrot geht. In der Schweinefütterung ist das ungleich schwerer. Aber auch hier können neue Futterkonzepte den Sojaanteil reduzieren. Ziel sollte sein, dass mehr heimisches Eiweißfutter im Trog landet.
  • Dabei muss die Politik die Landwirte unterstützen. Mit der angekündigten Ackerbaustrategie kann sie praxistaugliche Konzepte für Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen liefern. Und wenn es die deutsche Regierung mit dem Klimaschutz ernst meint, muss sie Frankreich sowie Irland folgen und das Mercosur-Abkommen noch einmal blockieren. Wer die Pariser Klimaabkommen so offensichtlich missachtet, kann kein verlässlicher Geschäftspartner für ein Land sein, das Dieselautos und Ölheizungen verbieten will. Diesen Druck fürchtet der brasilianische Staatschef: Kaum hatten die G7-Staaten über wirtschaftliche Sanktionen diskutiert, schlug er moderatere Töne an und bekämpfte die Brände.
  • Auch die deutschen Verbraucher können beweisen, dass ihnen Klimaschutz wichtig ist. Beim Einkauf oder Restaurantbesuch muss es kein südamerikanisches Rindfleisch sein!

Vielleicht braucht Deutschland diese brennenden Denkanstöße. Die Klimadiskussion im eigenen Land hat auch erst zugelegt, seitdem Teile des Waldes nach zwei Trockenjahren in Folge sterben.