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Alleingelassen: Privatwaldbesitzer und die Folgen des Borkenkäfers

Wochenblatt-Redakteur Kevin Schlotmann.

Winterzeit ist Holzerntezeit. Doch statt der Ernte von Eichen- und Buchenholz steht für die meisten Betriebe in NRW weiter das Käferholz auf dem Arbeitsplan. Eine "Arbeitsgruppe Käfer" soll nun der Borkenkäferkatastrophe Herr werden. Eine Frage bleibt jedoch weiter offen: Wohin nur mit dem Holz?

Der Sturm Friederike und die Käferschäden haben den Holzmarkt kräftig durchgewirbelt. Dabei ist bei Käferholzpreisen von 50 €/fm und weniger das gesamte Schadausmaß noch längst nicht absehbar. Die Waldschutzexperten von Wald und Holz NRW rechnen auch im kommenden Frühjahr mit weiteren Schäden durch den Käfer.

Arbeitsgruppe "Käfer"

Auch Forstministerin Ursula Heinen-Esser hat die Borkenkäferkatastrophe bemerkt und vor wenigen Monaten eine spezielle Arbeitsgruppe „Käfer“ ins Leben gerufen. Mitglieder sind neben der Landesforstverwaltung auch Vertreter der Waldbesitzer, der Holzindustrie und des Naturschutzes. Auf Nachfrage teilte das Ministerium jetzt erste Ergebnisse der „Task Force Käfer“ mit: Das Umweltministerium plant, einen Fördertopf für Waldschutzmaßnahmen bereitzustellen. Die Fördersumme soll insgesamt magere 1,5 Mio. € betragen. Der Maßnahmenkatalog beinhaltet durchaus sinnvolle Maßnahmen, beispielsweise erproben Experten die Polterbehandlung mit Wasserdampf, um den Käfer auch ohne Insektizideinsatz abzutöten.

Weniger sinnvoll und ein Beleg für die Hilf­losigkeit der Forstbediensteten im Ministerium sind hingegen Pläne, Schlagabraum zu verbrennen, Borkenkäferbefall-Apps zu entwickeln oder E-Learning-Tools zur Wiedererlangung der Pflanzenschutz-Sachkunde anzubieten. Diese Maßnahmen helfen in der aktuellen Situation gar nicht.

Wohin mit dem Holz?

Das Käferholz muss aus dem Wald! Angesichts randvoller Sägewerke stellt sich aber die Frage: „Wohin mit dem Holz?“ Nachdem der Privatwaldbesitzer monatelang mit seinem Holz alleingelassen wurde, zog die Landesforstverwaltung im vergangenen Herbst die Notbremse, verschob die gesetzten Fristen, um aus der Holzvermarktung auszusteigen und verkauft vorerst weiter Holz aus dem Privatwald zur Unterstützung der Waldbesitzer. Zu spät jedoch. Denn angesichts der Sturm- und Käferschäden in anderen Bundesländern haben die Sägebetriebe ihre Lieferkontrakte längst abgeschlossen.

Lächerlich wird es, wenn die Forstverwaltung vorgibt, mit einer verlängerten Holzvermarktung den Privatwaldbesitzern unter die Arme greifen zu wollen, die Waldbauern aber mit anschauen müssen, wie laufend Holz aus dem benachbarten Staatsrevier abtransportiert wird und ihr Holz im Wald liegen bleibt. Hierzu wollte sich das Ministerium nicht äußern. Gilt hier vielleicht der Wahlspruch: „Jeder ist sich selbst der Nächste“?

Im kommenden Frühjahr werden Tausende Festmeter neues Käferholz anfallen. Holz, das bislang nicht vermarktet werden konnte, wird dann schlichtweg im Wald verrotten – in einer unvorstellbaren Größenordnung. Privatwaldunterstützung sieht anders aus.

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