Blick in die Zukunft

Leistungen der Bauern fair entlohnen

Die Landwirte in Ostwestfalen machen sich Gedanken um die Zukunft und fordern angemessene Preise sowie mehr Wertschätzung ihrer Arbeit und Anstrengungen.

"Wenn der Großteil der Lebensmittel künftig nicht aus dem Ausland kommen soll, müssen die Preise für Fleisch, Milch, Kartoffeln, Getreide und andere Erzeugnisse zum Aufwand passen, den die heimischen Landwirte bei der Produktion betreiben. Und der wird durch ständig neue Gesetze, Verordnungen und Auflagen immer größer", beschrieb Antonius Tillmann die Situation der Betriebe. Der gesellschaftspolitische Ruf beispielsweise nach mehr Tierwohl sowie weitgehendem Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und reduzierter Düngung sei in den vergangenen Monaten immer lauter geworden. Im Zuge der Coronafälle im Schlachtunternehmen Tönnies haben viele in der Bevölkerung sogar die „Systemfrage“ gestellt. Aber die muss differenziert beantwortet werden, mahnte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-­Lippe (OWL) in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz in Bielefeld: Einseitige Produktionsauflagen für die deutschen Landwirte helfen jedenfalls nicht weiter. Der Lebensmittelhandel kauft weltweit ein und die Kunden schauen nach wie vor hauptsächlich auf den Preis.

Erforderlich seien deshalb tragfähige Zukunftskonzepte mit langfristiger Planungs- und Rechtssicherheit, die den jetzigen Betriebsleitern, vor allem aber der nächsten Generation Mut machen. „Wir müssen einen Weg finden, der die Ernährung sichert, den Wunsch nach mehr Tier- und Umweltschutz berücksichtigt und unseren Bauernfamilien hilft, ihre Höfe zu erhalten und weiter zu entwickeln“, so Tillmann.

Viele Bauern seien zu Veränderungen bereit und interessiert an konstruktiven Lösungen. Die Leistungen der Landwirte müssten aber fair entlohnt werden, so Tillmann. Wie das funktionieren soll, darüber gehen die Meinungen bislang weit auseinander. Die sogenannte Borchert-Kommission hat zwar vielversprechende Lösungsansätze formuliert. Wenn es ans Bezahlen der zusätzlichen Leistungen geht, werden jedoch viele Entscheidungsträger schweigsam oder rudern zurück.

„Letztlich brauchen wir aber grundsätzlich mehr Wertschätzung für unsere heimischen Lebensmittel“, ergänzte Bezirksverbandsvize Rainer Meyer und schlug vor, den Kindern in den Schulen zum Beispiel durch Landfrauen und andere „Botschafter“ früh genug ein Grundwissen rund um die Lebensmittelerzeugung, -verarbeitung und -zubereitung zu vermitteln. Das würde auf Dauer für mehr gegenseitiges Verständnis sorgen. Schließlich sind viele Mitmenschen mittlerweile sehr weit weg von der realen Landwirtschaft.


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