Landwirte in der Krise: Raus aus dem Dauer-Alarm

Der Strukturwandel beschleunigt sich, besonders bei Betrieben mit Tierhaltung. Auf zahlreichen Höfen herrscht derzeit Dauer-Alarm. Wie können Familien und Betriebsleiter handlungsfähig bleiben?

Wenn ständig irgendwo ein Warnsignal ertönt, sorgt das für Unruhe und zerrt an den Nerven. Besonders, wenn der Aus-Knopf nicht zu finden oder das Problem partout nicht zu beheben ist. So geht es zurzeit vielen Landwirtinnen und Landwirten.

Auf zahlreichen Höfen herrscht Dauer-Alarm. Die Afrikanische Schweinepest und die Corona-Folgen, der Klimawandel und die schlechten Preise haben handfeste Konsequenzen. Viele Familien arbeiten selbst noch mehr, um keine Aushilfen oder Auszubildenden bezahlen zu müssen. Gleichzeitig kreist im Kopf die Frage nach Perspektiven für die eigene Zukunft oder die der nächsten Generation. Kegelabend oder Weihnachtsfeier, die sonst helfen, einfach mal auf andere Gedanken zu kommen, sind nicht in Sicht.

Beratungen stark nachgefagt

Ganz massiv merken diese Krisen-Folgen die Beraterinnen und Berater der Kammer, der Ländlichen Familienberatungen und am Landfrauentelefon NRW. Sie arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Wut und Zorn registrieren sie bei den wenigsten Ratsuchenden. Die Stimmungslage bewege sich eher zwischen Resignation und Schockstarre, berichten sie. Viele, die sich jetzt Hilfe holen, fragen sich: Sind wir eigentlich noch gewollt?

Das Landfrauentelefon NRW und die ländlichen Familienberatungen bilden mit Unterstützung des Landes zurzeit zusätzliche Beraterinnen und Berater aus. Das ist ein klares Indiz dafür, dass mit schneller Entspannung nicht zu rechnen ist. Die Fachleute der Landwirtschaftskammer warnen aber davor, jetzt kopflos auszusteigen und empfehlen zunächst mit Ruhe und Bedacht nach gangbaren Wegen zu suchen.

Handlungsfähig bleiben

Ziel ist dabei immer, trotz Krisenstimmung handlungsfähig zu bleiben. Das beginnt schon bei den scheinbar kleinen Dingen: Neue Vereinbarungen für das Familienleben zum Beispiel können Verschnaufpausen schaffen. Die betrieblichen Sorgen müssen nicht jedes Mal mit am Kaffeetisch sitzen. Sonst macht der Dauer-Alarm krank.

Auch sind Familien und Betriebsleiter gut beraten, auf die Dinge zu schauen, die sie selbst ändern können. Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gehören kaum dazu. Wohl aber die Suche nach Nischen für den eigenen Betrieb oder beruflichen Perspektiven – wenn es sein muss, auch außerhalb des eigenen Hofes. Dafür muss sich niemand schämen. Angesichts der Mehrfachkrise wäre das kein persönliches Versagen und auch keine „Schande“.

Denn eines scheint klar: Der Strukturwandel beschleunigt sich, besonders bei den Betrieben mit Tierhaltung. Der Ausstieg aus der Produktion schmerzt, kann aber auch die langfristige Sicherung des Familienerbes bedeuten.

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