Kommentar

Auf den Hund gekommen

Künftig soll es Regeln zum Auslauf für Hunde geben. Das erregt die Gemüter – und zeigt Parallelen zur Nutztierhaltung.

Bekanntes Szenario: Das Bundeslandwirtschaftsministerium will eine Verordnung ändern, Tierhalter kritisieren die strengeren Vorgaben, Tierschützer fordern noch härtere Auflagen. Vergangene Woche spielte sich das erneut ab – mit einem Unterschied: Diesmal sind die Politiker auf den Hund gekommen, es ging nicht um Schwein, Rind sowie Geflügel. Diese Parallele sollte Verbraucher zum Nachdenken anregen und bei ihrer zum Teil reflexartigen ­Zustimmung für striktere Kontrollen in der Landwirtschaft zügeln.

Worum geht es? Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will die Tierschutz-Hundeverordnung verschärfen. Zum Beispiel will sie das Anbinden von Hunden an der Kette („Kettenhund“) verbieten und die Geschäfte sogenannter Massen-Vermehrer unterbinden. Das begrüßen selbst Hundeliebhaber. Für einen regelrechten Aufschrei sorgt aber Klöckners Vorstoß, dass Halter ihrem Vierbeiner künftig mindestens zweimal täglich für insgesamt eine Stunde Auslauf im Freien bieten müssen.

Ob das überhaupt jemand kontrollieren kann und will, ist fraglich. In Kommentaren sowie Leserbriefen vieler Zeitungen hagelte es trotzdem zum Teil polemische Kritik. Einige Schreiber stempeln das „Gassi-Gesetz“ als „Skandal“ ab, bieten der Ministerin an „vorbeizukommen und mit dem Hund zu gehen“ und empfehlen ihr den Verordnungsentwurf „schleunigst zu entsorgen, wie es Hundehalter beim Gassigehen gewohnt sind: ins Tütchen und ab in den Mülleimer.“

Das zeigt: Etliche Hundehalter fühlen sich unter Generalverdacht und beschuldigt, sich nicht ­anständig um ihre Tiere zu kümmern. Von den Verschärfungen fühlen sie sich gegängelt.

Das kennen Schweine-, Rinder- sowie Geflügelhalter nur zu gut. Hämische Freude oder der augenzwinkernde Hinweis, Hundehalter sollten die Zeiten des Gassigehens schriftlich dokumentieren und die Unterlagen jahrelang aufbewahren, sind jedoch fehl am Platz. Vielmehr könnte die Parallele ein Anknüpfungspunkt sein, in ­Gesprächen mit Verbrauchern für Verständnis zu werben. Nach dem Motto: „Ja, wir verstehen ­euren Unmut. Auch wir kennen praxisfremde Vorschläge, die irgendjemand am Schreibtisch erstellt hat.“ Vielleicht eröffnet das sogar die Chance, dass einige Verbraucher künftig Forderungen an Landwirte anders einordnen – weil sie es jetzt am eigenen Leib erfahren haben.

Bei allen Ähnlichkeiten gibt es noch einen Unterschied: Hunde sind Haustiere. Schwein, Rind sowie Geflügel sind dagegen Nutztiere, mit denen Landwirte Lebensmittel produzieren und den Lebensunterhalt ihrer Familien erwirtschaften. Deshalb sollten Politiker hier klug abwägen, was wirklich nötig und sinnvoll ist.


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