True Cost Accounting

Die wahren Kosten von Lebensmitteln

Was würde ein Kilo Rindfleisch kosten, wenn Stickstoff- und Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette mit eingerechnet würden? Das und mehr will das „True Cost Accounting“ herausfinden.

Dieser Beitrag ist zuerst in "f3. farm. food. future" erschienen.

4% Preisaufschlag auf konventionelle Äpfel, 30% auf Bio-Mozzarella und 173% auf konventionell produziertes Fleisch. Diese Preise haben die Universitäten Augsburg und Greifswald im Auftrag des Discounters Penny im Rahmen eines Experimentes berechnet. Das Ziel: Herausfinden, wie viel Lebensmittel wirklich kosten müssten, wenn man auch die Umwelt-Folgekosten mit einbezieht, die während der Produktion und der gesamten Lieferkette entstehen. Solche Überlegungen werden derzeit vielerorts angestellt. Die Fragestellungen bündeln sich unter dem Begriff „True Cost Accounting“ (z. dt.: Berechnung der wahren Kosten).

Beispiel Rindfleisch

Das Thema ist komplex. Ein Beispiel soll es verständlicher machen: Nehmen wir ein konventionell produziertes Kilo Rindfleisch zu Hand. Mehrere Treiber werden in den aktuellen Marktpreis nicht einberechnet: Unter anderem Stickstoffaustragungen bei der Düngung der angebauten Futtermittel, Treibhausgasemissionen durch Methanausstoß und die verwendete Energie. In der Berechnung der „wahren Kosten“ werden diese Treiber über die Wertschöpfungskette bis zum Verkauf des Fleisches mit einbezogen. Da es sich um klimatisch relevante Stoffe handelt, könnten sie die Basis für gerecht verteilte CO2-Steuern sein und die Preisverzerrung wieder geraderücken.

Beziehen Ladenpreise auch Folgekosten mit ein?

Das hofft jedenfalls Dr. Tobias Gaugler von der Universität Augsburg. Seine Studie „How much is the dish?“ ist das Fundament des Penny-Experiments. Die Studie befasst sich mit der Frage, ob Ladenpreise auch die Folgekosten einbeziehen. Um den Umfang der Studie einzugrenzen, werden die drei Treiber Stickstoff, Treibhausgase sowie Energie betrachtet.

„Wir sind im Grunde für eine objektive Datensammlung und -aufbereitung zuständig“, sagt Tobias Gaugler. „Ich sehe allerdings die Verantwortung zuvorderst bei der Politik und denke, dass die Preisverzerrung in Form von gerecht verteilten CO2-Steuern wieder geradegerückt werden kann.“ Die Forscher an den Universitäten Augsburg und Greifswald betonen, kein „Bauernbashing“ betreiben zu wollen. Es geht ihnen nicht darum aufzuzeigen, wie schlecht der Landwirt wirtschaftet, sondern dass sich der ganze Agrarsektor bzw. die ganze Wirtschaft systemisch verändern muss.

Denn: Derzeit werden diese „unsichtbaren“ Kosten von Produzenten und Händlern jeglicher Branchen verursacht, aber von der Gesellschaft und von künftigen Generationen getragen – beispielsweise in Form von Steuern. Darunter fällt etwa auch die Aufbereitung von verunreinigtem Grundwasser. Man spricht hier von externen Kosten bzw. externen Effekten, die bisher nicht in den Marktpreis für Lebensmittel inkludiert wurden und zu Preisverzerrungen führen. Würden von Anfang an die wahren Kosten transparent auf dem Preisschild stehen, könnte das die Kaufentscheidung der Verbraucher dahingehend beeinflussen, als dass eben nicht mehr jeden Tag Fleisch auf dem Einkaufszettel steht, so die Theorie der Forscher.

Die Berechnung

Für die Berechnung werden die externen Kosten ins Verhältnis zu den entsprechenden Erzeugerpreisen gesetzt. So ergibt sich der Preisaufschlag. „Wir haben die Durchschnittswerte der Preisaufschläge berechnet und dabei pflanzliche und tierische sowie konventionell und biologisch produzierte Produkte verglichen“, sagt Dr. Gaugler. Den größten Preisaufschlag gibt es bei konventionell produziertem Hackfleisch mit 173%. Pflanzlich produzierte Lebensmittel verzeichnen den geringsten Preisaufschlag von 13% im konventionellen und 6% im...


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