Branchengespräch Zukunftsbauer: Neue Bilder für die Landwirtschaft

Die Grenzen zwischen Landwirten und Verbrauchern sind verhärtet und durch Schuldzuweisungen geprägt. Was tun?

„Naturzerstörer“, „seelenlose Massentierhalter“ oder „Tierquäler“ – dass es um das Verhältnis zwischen Landwirten und Verbrauchern schon besser bestellt war, zeigen nicht zuletzt gängige mediale Zuschreibungen. Für Jens Lönneker, Marktforscher und Geschäftsführer von „Lönneker & Imdahl rheingold salon“, sind die verhärteten Fronten ein Resultat fehlender Berührungspunkte beider Parteien. Wo persönliche Kontakte fehlen, so Lönneker beim Wochenblatt-Branchengespräch am Donnerstag vergangener Woche, sprießen Vor­urteile. Sein Vorschlag: Die Landwirtschaft braucht neue Bilder und Erzählungen, sogenannte Narrative.

Landwirte als Zukunftsgestalter

Eine von Lönneker für den Deutschen Bauernverband und den Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) durchgeführte Studie legt nahe, stärker die Rolle der Landwirte als Zukunftsgestalter zu kommunizieren. Die Bedeutung der Landwirtschaft als Ernährer zu betonen, funktioniere dagegen nicht. Der Marktforscher empfiehlt den Landwirten, sich selbstbewusst als Zukunfts-Bauer zu präsentieren: „Sie müssen mehr Rummel machen. Sie müssen Ihre Geschichte erzählen!“ Und: „Sie brauchen Köpfe hinter den Zukunfts-Bauern, um medial präsent zu sein.“

Realistisches Bild vermitteln

Auch WLV-Vizepräsident Henner Braach sieht eine intensivere und andere Kommunikation als Weg aus der Filterblase. Selbstkritisch räumt Braach Defizite in der verbandsseitigen Kommunikation ein: „Wenn wir über Landwirtschaft gesprochen haben, haben wir eine heile Welt gezeigt. Wir haben so dazu beigetragen, dass heute kein realistisches Bild der Landwirtschaft präsent ist.“

Für Dirk Nienhaus, Schweinehalter und Beiratsvorsitzender von „Landwirt schafft Leben“, muss es dabei auch im Kopf der Landwirte ‘Klick’ machen „Wir kommen aus einer Situation, in der wir wenig für die Selbstvermarktung tun mussten. Das hat uns ein Stück weit passiv gemacht. Wir müssen offensiv nach vorne gehen und Geld für Werbung in die Hand nehmen.“ Cornelia Langreck, Landwir­tin aus Rheda-Wiedenbrück, wies auf die Bedeutung der Sprache hin. Viele landwirtschaftliche Begriffe wären den Verbrauchern nicht geläufig und würden so Fronten weiter verhärten.

Handel und Verarbeiter mitnehmen

Dass bei allen schönen Bildern und Narrativen letztlich eine wirtschaftliche Perspektive nicht fehlen darf, machten zahlreiche Anmerkungen der Zuschauer im Live-Chat deutlich. Der Handel muss den regionalen Mehrwert der Produzenten vor Ort erkennen und fördern. Für Nienhaus spielen dabei auch die Verarbeiter eine entscheidende Rolle. Als Brücke zwischen Landwirten und Handel müssen sie, so der Schweinehalter, regionale Produkte durch Markenbildung und Marketing stützen.

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