Kontrovers: Vier Stellungnahmen

Wie geht’s weiter mit dem Handel?

Bahnt sich eine Entspannung zwischen Landwirtschaft und Handel an, nachdem sich die „Koordinationszentrale“ gegründet hat – oder zeigen die Proteste von Landwirten bei Aldi in Mülheim das Gegenteil?

Die neue „Koordinationszentrale“ soll dazu beitragen, dass sich das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Handel entspannt. Aber ist das so? Oder weisen die Proteste von Landwirten bei Aldi in Mülheim in eine andere Richtung? Wir haben vier Personen befragt, die aus sehr unterschiedlicher Perspektive auf die aktuelle Lage blicken.

HUBERTUS BERINGMEIER
Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV)

Die Proteste der Bauern vor den Unternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels (LEH) zeigen vor allem, wie ernst die ­Lage auf vielen Bauernhöfen ist, während der LEH Corona-­bedingt Rekordumsätze feiert. Wir Bauern brauchen dringend deutlich höhere Erlöse für unsere Produkte. Von Entspannung zwischen Land­wirtschaft und den Großen des LEH kann keine Rede sein.

Dennoch ist die Einrichtung der Koordinationszentrale ein Durchbruch und ein Meilenstein auf dem Weg zu einem besseren Miteinander in der Lebensmittelkette. Die neue Struktur orientiert sich klugerweise an bewährten wirtschaftsgetragenen Systemen wie dem QS-Prüfsystem und der Initiative Tierwohl. Sie bietet die Chance, die Vielzahl der anstehenden Themen intensiv zu diskutieren, Branchenvertreter breit einzubinden und auch die Ergebnisse der vielen derzeit laufenden Gesprächsrunden zu berücksichtigen. Ich setze darauf, dass alle Beteiligten den Willen mitbringen, spürbare Verbesserungen für unsere heimischen Betriebe zu erarbeiten. Packen wir es also an!

ANSGAR TUBES
Sprecher von „Land sichert Versorgung“ (LsV NRW)

Bei mir überwiegt eher Skepsis! Und das nicht nur, weil die LEH-­Manager...