Pressestimmen zu den Bauern-Blockaden bei Lidl & Co.

„Rechtlich fragwürdig, menschlich verständlich“

Einige Medienbeobachter haben die Aktionen von Bauern vor den Auslieferungslagern des Lebensmittelhandels kommentiert.

Die Aktionen von Bauern vor den Auslieferungslagern des Lebensmittelhandels haben viele Medien kommentiert. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) beispielsweise erklärt mit einem Vergleich, worum geht es den Bauern geht, wenn sie die Lager der großen Discount-Ketten blockieren:

„Stellen Sie sich vor, Sie wollten ihr Auto verkaufen. Sie finden einen Käufer und einigen sich auf den Preis. Dann aber weigert sich der Käufer, einen schriftlichen Vertrag zu schließen, will das Auto gleich mitnehmen, aber frühestens in einem Monat bezahlen und über den gerade vereinbarten Preis will er auch noch mal nachverhandeln. Würden sie mit so jemanden Geschäfte machen? Viele Bauern haben keine Wahl. Der Lebensmittel-Einzelhandel verhält sich viel zu oft so wie der fiktive Autokäufer im Beispiel. Die vier großen der Branche – Aldi, Lidl, Rewe und Edeka – beherrschen 85 % des Lebensmittelmarktes in Deutschland. Und diese Marktmacht nutzen sie, soweit sie können. Fast immer zu Lasten der Landwirte. Die fühlen sich ausgeliefert, sind schon lange wütend.“

Alles Bitten ändert nichts

Die Blockaden der Bauern seien „rechtlich fragwürdig, menschlich aber verständlich“, urteilt der NDR und fährt fort:

„Alles Bitten und Appellieren, auch die Hinterzimmer-Gespräche der Bauernfunktionäre mit den Handelsriesen haben nichts geändert. Und für viele bäuerliche Familienbetriebe geht es um die wirtschaftliche Existenz.“

Das Gesetz gegen unfaire Lieferbedingungen, das derzeit im Bundeslandwirtschaftsministeriumvorbereitet werde, betrachtet der NDR skeptisch: „Die Handelsriesen dürften jetzt schon ihre Lobbyisten losschicken, damit das Gesetz möglichst stark verwässert wird. Sie wollen ihre Markmacht behalten und ihre Milliardengewinne sichern – mit allen Mitteln. Blockierende Bauern und faire Handelsbeziehungen stören da nur.“

Die Süddeutsche Zeitung aus München sieht eine Ursache im Überangebot: „Deutsche Bauern haben ihre Ställe perfektioniert und ringen ihren Kühen die höchsten Leistungen ab, sie haben ihre Betriebe vergrößert und sind mittlerweile wettbewerbsfähiger als viele ihrer Kollegen in Europa. Und niemand leidet so sehr darunter wie die Bauern selbst. Sie können ihre Schulden nur abtragen, wenn sie leisten, leisten, leisten.“

Discounter, Molkereien und Schlachthöfe seien mit den Verbrauchern die lachenden Dritten, meint die Süddeutsche Zeitung: „Am Ende steht eine Landwirtschaft, die mit Bauern nicht mehr viel zu tun hat. Noch ist es nicht zu spät.“

Der Verband ist zu leise

Der Weser-Kurier aus Bremen zieht eine Verbindung der Protestaktionen zur Wahl des neuen niedersächsischen Landvolk-Präsidenten Holger Hennies:

„Es ist nicht leicht, Landwirt zu sein in diesen Zeiten. Klimawandel, Düngeverordnung, Corona-Krise. Die Preise im Keller, dazu die Diskussionen um das Tierwohl und die ständige Kritik von Umweltverbänden und aus Teilen der Politik. Die Bauern im Land fühlen sich unfair behandelt und als Buhmann missbraucht für alles, was schiefläuft. Da ist es umso wichtiger, eine starke Interessenvertretung zu haben. Das ist in Niedersachsen das Landvolk, das jetzt einen neuen Präsidenten hat. Man sagt Holger Hennies nach, dem neuen Mann, dass er Klartext spricht, dass er Konflikten nicht aus dem Weg geht. Das ist gut so. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die öffentlichkeitswirksamen und wichtigen Aktionen zuletzt andere auf die Beine gestellt haben. ,Land schafft Verbindung’ oder die Freien Bauern sind der Motor der Bauernproteste und der Treckerdemos. Vom Landvolk ist oft nur leise etwas zu hören. Das sollte sich ändern.“

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