Krieg in der Ukraine

Drohen Turbulenzen an den Agrarmärkten?

Die Folgen des russischen Einmarsches in die Ukraine wirbeln auch die Agrarmärkte auf. Was erwarten Bundeslandwirtschaftsministerium und der Deutsche Bauernverband?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) rechnet nicht mit Versorgungsengpässen in der EU durch den russischen Angriff auf die Ukraine. „Für die Versorgung der Getreide- und Ölsaatenmärkte in Deutschland sind keine direkten Auswirkungen zu erwarten“, so das BMEL. Auch weitere Agrarmärkte oder Agrarprodukte dürften wegen eines geringen Handelsvolumens nicht betroffen sein. Die Ukraine und Russland seien zwar bedeutende Exporteure auf dem internationalen Weizenmarkt. Die EU habe hier aber einen hohen Eigenversorgungsanteil. „Die Krise kann deshalb gerade Länder außerhalb Europas treffen, die Schwierigkeiten haben werden, dies anderweitig auszugleichen“, heißt es aus dem BMEL.

Lebensmittel: Preisanstieg möglich

In Deutschland werde sich der Kriegsausbruch vor allem auf die Preise und weniger auf die Versorgungssicherheit auswirken. „Insgesamt ist die Ernährungsindustrie durch Preissteigerungen auch bei Vorleistungen (wie Düngemitteln und Energie) betroffen. In diesem Zuge ist eine weitere Verteuerung von Lebensmitteln sowie eine Steigerung der Inflationsrate nicht auszuschließen“, schätzt das BMEL.

DBV: Fehlender Dünger könnte Erntemengen drücken

Der Deutsche Bauernverband (DBV) geht davon aus, dass der Krieg auch zu Turbulenzen an den Agrarmärkten führen wird. „Wir befinden uns derzeit in einem Blindflug, da keiner weiß, wie sich die Preise für Betriebsmittel und Getreide entwickeln werden“, so DBV-Präsident Joachim Rukwied. Schon jetzt sei Stickstoffdünger exorbitant teuer und knapp verfügbar, diese Situation könne sich noch deutlich verschärfen. Die Gefahr, dass mangels Verfügbarkeit von Dünger Erntemengen zurückgehen sei groß. „Wir gehen davon aus, dass weniger gedüngt wird, was negative Auswirkungen auf die Erntemenge und in Teilen auch auf die Qualität der Erzeugnisse haben wird“, vermutet der Präsident.

Die Getreideversorgung in der EU sieht der Verband dennoch durch eine hohe Eigenversorgung gesichert, vorausgesetzt es stehen im Frühjahr genug Düngemittel zur Verfügung. Für die Landwirte in Deutschland sei die Versorgung mit Erdgas wichtig, weil daraus Stickstoffdünger hergestellt werde. Der Preis für Erdgas sei schon vor der Eskalation sehr hoch gewesen.

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