Zukunft der Landwirtschaft

Ackerbau: Landwirtschaftsministerium schlägt neue Strategie bis 2035 vor

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die neue "Ackerbaustrategie 2035" vorgestellt. Es ist kein Handbuch von oben, sondern will Grundlage für eine Diskussion sein. Das Papier bietet jede Menge Stoff zur Debatte.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am heutigen Donnerstag in Berlin eine neue „Ackerbaustrategie 2035“ vorgestellt. Das 68 Seiten umfassende Dokument beschreibe „den Rahmen für einen zukunftsfähigen Ackerbau in Deutschland“, teilte das Ministerium mit. Es sei aber „kein Handbuch“. Vielmehr solle das Papier als Grundlage dienen "für einen breiten öffentlichen Diskussionsprozess mit allen relevanten Stakeholdern", wie es am Schluss des Schriftstücks wörtlich heißt.

Sechs Leitlinien, zwölf Handlungsfelder

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Ministeriums und einiger Bundesländer haben die "Ackerbaustrategie 2035" erarbeitet. Dabei wurden sie von einem nicht näher beschriebenen Expertengremium begleitet. Die Namen der Beteiligten werden im Papier nicht genannt.

Als gliedernde Grundprinzipien orientiert sich die Ackerbaustrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums an den folgenden sechs „Leitlinien“:

  1. die Sicherstellung der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Futtermitteln und „biogenen Rohstoffen",
  2. die Sicherung der Einkommen aus der Landwirtschaft,
  3. die Stärkung des Umwelt- und Ressourcenschutzes,
  4. die Wahrung der Biodiversität in der Agrarlandschaft
  5. die Förderung des Klimaschutzes und gleichzeitig die Anpassung des Ackerbaus an den Klimawandel, sowie
  6. die Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz des Ackerbaus.

Angesichts der Komplexität des Ackerbaues seien „einfache Lösungsansätze nicht zielführend“, heißt es in dem Papier. Es enthält eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, etwa zum Humusaufbau und CO2-Speichernung, zur Förderung von Absatzmärkten oder zu Senkung von Nährstoffüberschüssen. Vorgesehen ist unter anderem auch ein bundesweites Monitoring der Biodiversität in der Agrarlandschaft.

Ein Plädoyer für CRISP/Cas

Überdies sprechen sich die Autorinnen und Autoren für die Anpassung der europäischen Vorschriften zu „neuen molekulargenetischen Züchtungstechnologien“ aus, um Methoden wie CRISPR/Cas, die derzeit unter das EU-Gentechnikrecht fallen, anwenden zu können. Als weitere Maßnahme wird auch die Einrichtung eines bundesweiten Netzwerkes von "Leitbetrieben Pflanzenbau" vorgeschlagen. Damit solle die Wertschätzung der Landwirtschaft verbessert werden.

Das Papier sieht für den Ackerbau 2035 die folgenden zwölf Handlungsfelder als besonders vordringlich an:
1. Bodenschutz weiter stärken und Bodenfruchtbarkeit erhöhen,
2. Kulturpflanzenvielfalt erhöhen und Fruchtfolgen erweitern,
3. Düngeeffizienz erhöhen und Nährstoffüberschüsse verringern,
4. Integrierten Pflanzenschutz stärken und unerwünschte Umweltwirkungen reduzieren,
5. Widerstandsfähige und standortangepasste Arten und Sorten entwickeln,
6. Ackerbauliche Potentiale mithilfe der Digitalisierung optimal nutzen,
7. Biodiversität in der Agrarlandschaft verstärken,
8. Klimaangepasste Anbaukonzepte entwickeln,
9. Klimaschutz im Ackerbau ausbauen und Synergien nutzen,
10. Bildung und Beratung stärken,
11. Mehr Wertschätzung für Landwirtinnen und Landwirte,
12. Umsetzung der Ackerbaustrategie politisch und finanziell begleiten.

Antwort auf das Umweltministerium

Bereits vor einer Woche hatte das Bundesumweltministerium eigene Eckpunkte für eine Ackerbaustrategie vorgelegt. Es war von Experten des Umweltressorts, einer Hochschule sowie des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL) erarbeitet worden. Das Papier fordert unter anderem eine Weiterentwicklung der Bodenbearbeitung mit besonderen Augenmerk auf konservierenden Verfahren, die Gestaltung einer vielfältigen Fruchtfolge, ein verbessertes Nährstoffmanagement, insbesondere die Schließung von Nähstoffkreisläufen, sowie eine Abkehr vom Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel.

Eine ausführlichere Berichterstattung rund um die neue Ackerbaustrategie 2035 finden Sie in den kommenden Tagen hier auf der Internetseite sowie im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, Folge 1/2020, vom 3. Januar 2020.

Ein Klick auf diesen Link lädt direkt die "Ackerbaustrategie 2035" des Bundeslandwirtschaftsministeriums (PDF, 4,4 MB)


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