Wintergetreide: Unkraut und Ungras richtig bekämpfen Plus

Ein strategischer Fruchtwechsel und eine passende Bestandesdichte führen zusammen mit Herbiziden im Herbst zu sauberen Wintergetreidebeständen.

Nur das Spritzen von Herbiziden reicht nicht aus, um Unkraut oder Ungras aus Wintergetreide fernzuhalten. Zusätzlich zum richtig abgepassten Anwendungs-Zeitpunkt kommt es ebenso auf eine sichere Saatstärke, eine gute Bestandesentwicklung und eine möglichst abwechslungsreiche Gestaltung der Fruchtfolge an.

Ungrasbekämpfung im Herbst

Im Herbst geht es in erster Linie um die Ungrasbekämpfung. Diese basiert im Wesentlichen auf dem Wirkstoff Flufenacet. In der vergangenen Saison waren die Wirkungsgrade der Flufenacetprodukte insgesamt gut. Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus. Denn das Absterben der Ungräser erstreckte sich über einen langen Zeitraum – bis zum Beginn des neuen Jahres. Dabei ist die gute Wirkung neben dem feuchten Winter auch auf die außergewöhnlich intensive Sommergare des Jahres 2019 zurückzuführen. Diese war aber nicht nur von Vorteil. Durch den Zerfall des Bodens in kleinste Strukturen war die Wasseradsorption enorm. Besonders deutlich wurde dies bei gepflügten oder tief gelockerten Böden. So fehlte es im Oberboden an Regenwurmgängen, um einen Teil des Regenwassers zügig in den Unterboden abzuleiten. Bodengare in Kombination mit Bodenbearbeitung ergaben oft einen Zustand, der an die Verhältnisse nach dem Roden von Kartoffeln erinnert: Schluff- und tonreiche Böden trockneten oftmals nicht mehr ausreichend ab. Entsprechend häufig kam es bei der Saat zu Bodenverdichtungen. Hier lief das Getreide schlecht auf und konnte den Fahrspurnachteil bis zur Ernte nicht wieder ausgleichen.

Erschwerend kam hinzu, dass die Bodenherbizide in der Puderzuckerstruktur besonders wirksam waren. So gut, dass oftmals auch die Kulturpflanzen stark und lange darunter zu leiden hatten. Besonders stark trifft es dann immer den Roggen. Zum einen ist er besonders empfindlich gegenüber dem Wirkstoff Flufenacet, zum anderen wird er teils noch so gesät, „dass er den Himmel sehen kann“. Viele dieser Faktoren sind nicht zu beeinflussen. Aber: Das Schadrisiko lässt sich deutlich reduzieren, wenn es gelingt, die neue Saat durch eine ausreichende Bodenauflage zu schützen, ohne sie dabei zu vergraben.

Je nach Bodenart sollte die Bodenauflage ausgangs Winter 2 bis 3 cm betragen. Bei abgesetzten Lössböden oder in Systemen mit langjähriger Direktsaat entspricht das fast der Saattiefe. Liegen die Böden grob, muss 1 bis 2 cm tiefer gedrillt werden. Auf wechselnden Böden gilt es, einen Kompromiss zwischen zu flacher Ablage an den tonigen und einer zu tiefen Ablage an den Sandstellen zu finden.

Auch in diesem Jahr fallen die Böden bei der Bodenbearbeitung sehr fein. Also, nicht zu viel ackern. Muss tief gelockert werden, ist es sicherer, dies erst kurz vor der Saat zu tun. Um zu lockern, ohne zu wühlen, haben sich Paragrubber bewährt.

Was ist neu?

Für den Herbizideinsatz im Herbst haben sich folgende Neuerungen bzw. Änderungen ergeben:

  • Änderung der HRAC-Klassen: Die Einteilung der Wirkstoffe nach Wirkmechanismen wurde überarbeitet. So hat etwa der Wirkstoff Prosulfocarb seine Alleinstellung verloren und gehört nun, wie auch Flufenacet, zu den Mitosehemmern. Zudem wurde die Art der Kennzeichnung geändert. Anstelle von Buchstaben gibt es nun Zahlen. So gehören die ALS-Hemmer wie etwa Pointer SX nun zur HRAC-Klasse 2 anstelle von Klasse B. Die alte wie neue Nomenklatur findet sich in den Übersichten.
  • Veränderungen bei Produkten:

    > Agolin Forte- und Cadou Pro Pack: Die Packs sind nicht ganz neu, sind aber im vergangenen Jahr kaum bekannt geworden. Es sind die Nachfolgeprodukte für Bacara forte und Cadou forte Pack. Der Agolin Forte Pack mit 1,5 l/ha Agolin und 0,24 l/ha Cadou SC ist für Windhalm-, der Cadou forte Pack mit 1,5 l/ha Agolin + 0,5 l/ha Cadou SC für Fuchsschwanzstandorte konzipiert. Agolin enthält die Wirkstoffe Diflufenican und Pendimethalin. Es ist nur für den Nachauflauf zugelassen. Auf Ackerfuchsschwanzstandorten ist der optimale Anwendungstermin der Vorauflauf. Auf Windhalmstandorten ist auch im frühen Nachauflauf noch eine sichere Bekämpfung möglich. Hier kann der Agolin Forte Pack, vergleichbar zu 0,35 l/ha Herold SC, eingesetzt werden.
    >Mit Sunfire und Vulcanus stehen weitere Solo-Flufenacetprodukte zur Verfügung. Nach Kammer-Ergebnissen lassen sie sich vergleichbar zu Cadou SC einsetzen.
    > Trinity hat eine Zulassungserweiterung für den Einsatz im Vorauflauf bekommen. Dies erleichtert den praktischen Einsatz.
    > Carpatus, vergleichbar mit Herold SC, hatte bislang einen einzuhaltenden Mindestabstand zum Gewässer von 15 m. Dieser kann nun auf 5 m reduziert werden, wenn Carpatus mit halber Aufwandmenge (0,3 l/ha) im Vorauflauf eingesetzt wird.
    > Broadcast Duo ist ein Pack aus Broad­cast und Pointer WG. Broadcast entspricht dem Carpatus. Auf Fuchsschwanzstandorten passen die Einsatztermine der Mittel nicht überein. Also: Am besten an anderer Stelle, zum Beispiel im Frühjahr, eine Verwendung für Pointer WG haben.
  • Es gibt folgende neue Packs:

    > Franzi Pack (Franzi + Carmina 640). Die Kombination lässt biologisch wenig Wünsche offen, ist aber nur auf undränierten Flächen und nur in Wintergerste und -weizen einsetzbar.
    > Herold SC Boxer Pack. Über Boxer soll die Wirkung von Herold gegen Fuchsschwanz verbessert werden. Die Zusatzleistung liegt aber zumeist nur im einstelligen Bereich. Einen größeren Nutzen hat der Zusatz auf Flächen mit Weidelgras.
    > Vulcanus Pro Pack (Vulcanus + Roxy 800 SC) ist vergleichbar mit dem Boxer Cadou SC Pack. Roxy 800 SC entspricht Boxer.
    > Der Viper Compact Sunfire Pack ist konzipiert für Windhalmstandorte. Die empfohlene Aufwandmenge beträgt 0,8 l/ha Viper Compact + 0,25 l/ha Sunfire. Aus ­Gesichtspunkten der Resistenzvermeidung sollte der Flufenacet­anteil, sprich die Sunfire-Menge, so gewählt werden, dass die Gräser komplett über diesen Wirkstoff zu kontrollieren sind. Auf Standorten mit stärkerem Windhalmdruck entspricht dies einer Aufwandmenge von 0,33 l/ha Sunfire (165 g/ha Flufenacet). Die fehlende Sunfire-Menge (je Pack 1,2 l) lässt sich zukaufen.

In gleicher Weise mit dem Falkon Sunfire Pack verfahren. Diesen vertreibt Agravis exklusiv. Die Kombination ist breit zugelassen und darf am Gewässer bis an den Rand des länderspezifischen Mindestabstandes eingesetzt werden.

Gegen Windhalm und Rispe

Gegen Windhalm und Rispe wirken die Herbstprodukte ausgesprochen sicher. Dies ist von den Frühjahrsprodukten nicht zu behaupten. Unzureichende Wirkungsgrade sind im Frühjahr oft auf resistente Biotypen zurückzuführen. Frühjahrsbehandlungen sollten sich also auf Ausnahmen beschränken. So ist etwa eine Herbstbehandlung auf durchgesiebten Boden, nach Kartoffeln, mit einem erhöhten Verträglichkeitsrisiko oder auch Abschwemmungsrisiko verbunden. In diesen Situationen ist es gut, wenn man noch auf Frühjahrsprodukte bauen kann.

Auch bei pflugloser Saat nach der Ernte von Körnermais/CCM kommt einem oft die Frage, ob der Einsatz von Bodenherbiziden sinnvoll sein kann. Hier ist, auch in Abhängigkeit von der Saatgut­ablage, im Einzelfall zu entscheiden. Die Wirkungsgrade sind aber in der Regel, trotz der Auflage von Maisstroh, sehr gut.

Behandlungszeitpunkt im Herbst: Es lässt sich vom Vorauflauf bis etwa zum 2-Blatt-Stadium des Windhalms behandeln. Optimal für Wirkung...


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