Eine Baustelle ohne Werkzeug?

Ackerfuchsschwanz ohne Glyphosat

Varianten, Zwischenfrüchte zu bearbeiten, gibt es auch ohne Glyphosat viele, doch vor allem auf schweren Böden sind sie teuer und setzen CO2 frei. Das zeigte das erste Wochenblatt-Feldrandgespräch.

Es ist Ende März, Theo Strake steht zusammen mit seinem Berater und Berufskollegen auf dem Acker. Auf diesem befinden sich braune, abgestorbene Pflanzenreste – vor allem aus Rauhafer und Phacelia. In den kleinen Lücken des insgesamt sehr dichten Bestandes wachsen über die gesamte Fläche verteilt Gräser. Neben Ausfallgetreide handelt es sich dabei vor allem um ein Gras: Ackerfuchsschwanz. „Normalerweise warte ich jetzt auf trockenes Wetter, spritze den Bestand mit Glyphosat ab, arbeite mit der Kreisel­egge auf Saattiefe und lege Mais“, erzählt Strake.

Theo Strake, Berater Burkhard Linneweber und Landwirt Michael Schulze Frielinghaus sehen kaum Möglichkeiten, diesen Acker ohne Glyphosat umweltschonend zu bewirtschaften. (Bildquelle: Osthues)

Normalerweise? Mit dem nahenden Ende von Glyphosat scheint dieser Weg schon bald nicht mehr normal, sondern sogar verboten zu sein. Aber was kommt dann?

Knete lässt sich nicht ackern

„Die Politik lehnt Glyphosat ab, bietet uns aber keine Alternativen an“, meint Strake. Auf leichten ­Böden ohne hartnäckige Ungräser wie Ackerfuchsschwanz ist es in der Regel möglich, Zwischenfruchtbestände früh im Jahr mechanisch zu regulieren, um auch folgenden Unkrautaufwuchs noch vor der Saat mit geringer Bear­beitungsintensität in den Griff zu bekommen.

"Glyphosat ist eins der wichtigsten Werkzeuge, die wir haben." - Michael Schulze Frielinghaus

Nicht so bei Theo Strake. Der Landwirt aus Oelde wirtschaftet mitunter auf extrem schweren, ­tonigen Standorten. Der Landwirt sticht mit dem Spaten in die Erde und wirft den Boden auf den Acker. Die Bodenkrümel fallen sofort auseinander, gleich mehrere Regenwürmer sind zu sehen. „Die Bodenstruktur ist absolut in Schuss“, sind sich Burkhard Linneweber, Pflanzenbauberater der Landwirtschaftskammer NRW, und Landwirt Michael Schulze Frielinghaus einig. Doch trotz der wochenlangen Trockenheit im März ist der Boden immer noch sehr feucht – die Erde lässt sich leicht zu Kugeln kneten.

Trotz wochenlanger Trockenheit im März ist der Boden noch sehr feucht. Strake demonstriert, wie schnell Überfahrten die Struktur zerstören würden. (Bildquelle: Osthues)

Bei diesen Verhältnissen hat jede Überfahrt den gleichen Effekt: Die wichtigen Bodenporen werden von Reifen und Anbaugeräten geknetet, die sehr gute Bodenstruktur geht verloren und mit ihr das Wasserhaltevermögen, der Sauerstoffgehalt und letztlich der Ertrag.

"Jede Bearbeitung unter Saattiefe macht diese Bodenstruktur nur kaputt." - Burkhard Linneweber

„Wir brauchen hier eine einzige Bearbeitung auf Saat­tiefe, mit allem an­deren machen wir den Boden nur kaputt“, fasst Linneweber zusammen, warum mehrmaliges Ackern im zeitigen Frühjahr auf diesem Standort nicht infrage kommt. Zudem lassen sich so eta­blierte Ackerfuchsschwanz-Pflanzen wie auf dieser Fläche rein mechanisch wohl kaum in den Griff bekommen, sind sich alle Beteiligten einig.

Durch jahrelang reduzierte Bodenbearbeitung und viel organische Masse finden sich auf Strakes Flächen viele Regenwürmer und eine sehr gute Bodenstruktur. (Bildquelle: Osthues)

Schatten allein reicht nicht

Dennoch wird auch Strake seine Vorbereitung zur Maissaat umstrukturieren müssen, wenn Glyphosat keine Option mehr ist. Beim ersten Feldrandgespräch des Wochenblattes für Landwirtschaft und Landleben ging es also darum, Lösungsansätze für Standorte zu diskutieren, auf denen die Befahrbarkeit der Böden sowie Ackerfuchsschwanz große Schwierigkeiten hervorrufen können.

"Diesen Boden langfristig kaputt zu machen, ist gar kein Problem." - Theo Strake

Das erste Werkzeug hierfür können Landwirte schon nach der Vorfruchternte aktivieren, berichtet Schulze Frielinghaus. Er drillt seine Zwischenfrüchte, wenn möglich, noch am Tag der Getreideernte mit einer Direktsaatmaschine, um den Boden schnellstmöglich wieder zu beschatten und Ackerfuchsschwanz- sowie Getreide­samen an der Oberfläche verrotten zu lassen.

Dieser Weg ist allerdings nur dann erfolgreich, wenn das Wetter nach der Ernte mitspielt, sodass sich schnell ein dichter Bestand bildet und dieser auch lange dicht bleibt. „Und selbst dann ist unwahrscheinlich, dass gar kein Ackerfuchsschwanz aufläuft“, sind sich alle einig, als sie auf der zweiten Fläche von Strake ankommen.

Die Zwischenfrucht von Theo Strake stand sehr dicht. Kleine Lücken reichten dem Ackerfuchsschwanz aber, um sich zu etablieren. (Bildquelle: Osthues)

„Hier waren die Mäuse fleißig“, kommentiert Strake, was er auf dieser sehr hetero­genen Fläche sieht. Die artenreiche Zwischenfrucht hat er auch hier nach zweimaliger Bodenbearbeitung eingebracht. Viele große Mausgänge haben an zahlreichen Stellen jedoch eine aus­reichende Bestandesdichte verhindert – das bietet wiederum Platz für Ungräser und Unkräuter.

Massiver Humusabbau

Während es auf den sandigeren Stellen dieser Ackerfläche möglich wäre, den Boden früh und flach zu bearbeiten – auch weil Ackerfuchsschwanz dort keine Rolle spielt – ist das Problem auf großen Teilen der Fläche das selbe.

Teilweise haben Mäuse das Etablieren der Zwischenfrüchte verhindert. Das schafft Platz für Ausfallgetreide und auch Ackerfuchsschwanz. (Bildquelle: Ostues)

Je nach Resistenz- und Entwicklungsstatus des Ackerfuchsschwanzes „könnten wir den Bestand auch wie gehabt einmal flach ackern und die Gräser später im Maisbestand ausschalten“, denkt Linneweber nach. Eine weiterer Vorschlag war, Graminizide in der Zwischenfrucht einzusetzen und nur verbleibende Kräuter im folgenden Mais zu erfassen. „Aber mit dem Einsatz von Gräser-Herbiziden können sich schnell neue Resistenzen entwickeln“, verwirft der erfahrene Berater beide Lösungsansätze sofort wieder.

Bis in die späten Abendstunden diskutierten die Teilnehmer. Viele ackerbauliche Zielkonflikte führten jedoch zu der Einsicht, dass auf diesem Boden keine zufriedenstellende Lösung ohne Glyphosat in Sicht ist. (Bildquelle: Osthues)

Je öfter die Ackerbauexperten Lösungsansätze entwickeln und immer wieder entscheidende Dinge finden, die dagegen sprechen, desto mehr nähern sie sich der Lösung, die niemandem wirklich gefallen kann: „Ich stehe jetzt ­dafür, Glyphosat so ­lange zu nutzen, wie es geht, um das Samenpotenzial zu drücken. Sobald das nicht mehr möglich ist, werde ich wieder mehr Ackern müssen“, sagt Schulze Frielinghaus. Nach einem nachdenklichen Blick in die langsam untergehende Sonne schiebt er hinterher: „Das bedeutet dann, dass wir mehr Diesel brauchen, mehr Stunden auf dem Acker verbringen, die Bodenstruktur riskieren und massiv CO2 freisetzen.“

Wochenblatt-Feldrandgespräche
Haben Sie auch einen Acker, den wir genauer unter die Lupe nehmen sollten? Die neuen Feldrandgespräche sollen Acker- und Grünlandflächen unserer Region zeigen, wie sie sind. In unregel­mäßigen Abständen wollen wir uns am Feldrand treffen, um acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen mit Landwirten und ihren Beratern zu diskutieren, bevor wir den Abend mit von uns mit­gebrachten Kaltgetränken am Grill ausklingen lassen. Von diesem fachlichen Austausch profitieren auch unsere Leser.

Keine gute Lösung in Sicht

Die Diskussion der Experten zeigt, was in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle spielt: Mit Glyphosat nimmt man der Landwirtschaft keinen Wirkstoff, der den Ackerbau nur erleichtert. Man nimmt der Landwirtschaft auch ein wichtiges Werkzeug auf der Großbaustelle aus den Zielen ‚Ernährung sichern‘, ‚CO2 binden‘ und ‚Gewässer schützen‘.

Denn auch wenn der Einsatz von Glyphosat dank der anderen Lösungsansätze nicht in jedem Jahr notwendig wäre, hält Strake fest: „Die Flexibilität ist dann weg. Man wird in seinen Entscheidungen immer mehr eingeengt.“

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