Rübenernte: Expertenbefragung

Deutsche Zuckerrübenanbauer im Nachteil

Obwohl die Zuckerrübenerträge im fünfjährigen Durchschnitt liegen, stellen viele Landwirte den Rübenanbau in Frage. Denn Wettbewerbsverzerrungen in der EU sowie die Corona-Krise rufen Sorgenfalten hervor.

Die angespannte Preissituation auf dem Weltzuckermarkt, die Zunahme von virösen Vergilbungen auf dem Acker und die zum Teil viel zu trockenen Sommermonate verlangen den Rübenbauern einiges ab. Das Wochenblatt hat Zuckerrübenexperten zu ihren Einschätzungen hinsichtlich Preisentwicklung, Ertrag und Zukunft der Rübe befragt.

Zuckersektor in der Krise?

In den vergangenen Jahren haben Landwirte mit dem Rübenanbau ertragsabhängig wenig Geld verdient. Und auch die jetzige Situation sieht nicht rosig aus. Grund dafür sind aber nicht nur die wetterbedingten Schwierigkeiten. „Dadurch, dass einige EU-Mitgliedsstaaten ihren Landwirten gekoppelte Flächenprämien zahlen und Notfallzulassungen von neonikotinoidhaltigen Beizen fördern, leiden unsere deutschen Rübenanbauer unter den Wettbewerbsnachteilen“, kritisiert Südzucker-Rohstoffkoordinator Moritz Vorholzer. Auch Dr. Stefan Brinker, Regionalleiter Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen, stimmt dem zu und fordert: „Wir brauchen zeitnah eine Notfallzulassung für Neonikotinoide als Rübenbeize. Deutschland darf hier nicht warten, bis unsere Landwirte große Ertragseinbußen hinnehmen müssen.“ Mit Weitblick handeln und eine Initiative wie in Frankreich mit dem Ziel der Notfallzulassung starten – so lautet seine Devise. Diese Mittel müssen seiner Meinung nach so lange zugelassen bleiben, bis ein anderes Verfahren oder ein anderer Wirkstoff zur Verfügung steht. Denn Beprobungen aus Vergilbungs-Nestern zeigen, dass der Ertrag um 20 % im Vergleich zum Normalbestand reduziert ist und der Zuckergehalt um 10 bis 15 % sinkt.

Auch die Experten der Zuckerfabrik Appeldorn (Pfeifer & Langen), Heinz Leipertz, Leiter Region Rheinland und Tim Wischmann, Werksbeauftragter und Anbauberater, können die unfairen Produktions- und Wettbewerbsbedingungen in Europa nicht weiter dulden: „Globaler Wettbewerb im Regal und regionale Auflagen sind eine tödliche Mischung für unsere landwirtschaftlichen Betriebe.“ Trotzdem bleibe Pfeifer & Langen bei der Unternehmensstrategie: Zuckerproduktion aus heimischen Rüben zur Versorgung der Kunden im regionalen EU-Markt. „Neue Düngeauflagen, der Verlust weiterer Wirkstoffe beim Pflanzenschutz und der zunehmend fehlende Rückhalt in der...


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