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Unterwegs mit der Erklärbäuerin

Annika Ahlers fordert als „Erklärbäuerin“ von ihren Berufskollegen mehr Initiative in den sozialen Medien und weniger Angst vor negativen Kommen­taren. Sie sieht sich als Brücke zwischen Landwirten und Verbrauchern.

Bevor es auf den Schlepper geht, wird noch schnell ein Selfie gemacht. Annika Ahlers hält Momente im Arbeitsalltag für die sozialen Medien fest.

Das Wetter spielt mit und der Trecker steht bereit. Doch bevor es losgehen kann und die Gülle auf die Felder kommt, wird schnell noch ein Foto samt Erklärung dazu gepostet.

Annika Ahlers ist selbst ernannte „Erklärbäuerin“. Sie ist 23 Jahre alt, kommt aus Münster und ist Landwirtin. Sie sagt über sich selbst, dass eine landwirtschaftliche Ausbildung zu machen, die beste Entscheidung ihres Lebens war. Neben ihrer Arbeit im Nährstoffteam beim Maschinenring in Warendorf hilft sie gerne auf ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb aus, auf dem Milchviehhaltung betrieben wird. Früher war sie „lediglich Verbraucherin“ wie sie heute sagt. Die Idee, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, kam ihr in der Ausbildung. Sie bekam zunehmend ein Verständnis dafür, was es heißt, heutzutage Landwirtin zu sein. Die wachsende Kritik und die schrumpfende Anerkennung für den Beruf empfindet sie als alarmierend. Einst unwissend, jetzt selbst Landwirtin – beschloss sie das Bild der Gesellschaft von der Landwirtschaft wieder geradezurücken. Sie interpretiert ihre Rolle als eine Art Brücke zwischen Landwirten und Verbrauchern. Denn sie kennt beide Seiten.

Kleine Erfolge motivieren

Was und wie oft sie in den sozialen Medien postet, entscheidet sie aus dem Bauch heraus. „Wenn ich anfange zu planen, wann ich worüber schreibe, steckt keine Leidenschaft mehr dahinter“, sagt sie. Auf Facebook handelte ihr bislang erfolgreichster Post von der Ziehung einer Bodenprobe (80 .000 erreichte Personen). Auf Instagram zeigt sie sich gern im Milchviehstall. Noch vor Kurzem erreichten ihre Posts vorwiegend Gleichgesinnte. Nun reagieren nicht mehr nur Personen mit landwirtschaftlichem Bezug, sondern auch Menschen außerhalb der „internen Blase“ auf ihre Beiträge.

Bemerkbar macht sich dies unter anderem durch IT-Spezialisten, die auf ihren Post über den Hacker-Angriff auf Christina Schulze Föcking antworteten und die ihr ein positives Feedback gaben. Am deutlichsten wird der Erfolg ihrer Arbeit jedoch in ihrem nahen Umfeld. Einige Freunde kaufen ihre Milch jetzt beim nächsten Bauern und nehmen ihre Kinder mit. Einkaufen werde dadurch sowohl eine lehrreiche Erfahrung als auch ein Erlebnis für Kinder, findet Ahlers. Sie hofft durch positive Assoziationen mit der Landwirtschaft eine Veränderung im Denken und Handeln der Verbraucher zu bewirken.

Auf kritische Kommentare reagiert Annika Ahlers entspannt. „Genau diesen Menschen biete ich E-Mail-Kontakt an. Wenn sich negative Kommentare aneinanderreihen, habe ich auch etwas erreicht. In dem Moment haben die landwirtschaftskritischen Personen gelesen was ich geschrieben habe. Hinzu kommt, dass Freunde von ihnen auch darauf aufmerksam werden.“

Oft in ihren Beiträgen zu sehen: Annika Ahlers mit Hündin Ella

Zweierlei Zielsetzung

Annika Ahlers möchte auch andere Landwirte erreichen. Mit privaten Posts aus ihrem Urlaub fordert sie ihre Kollegen dazu auf, auch an sich und ihre Familien zu denken. „Gerade Landwirte haben aufgrund der harten Arbeit ein Anrecht auf Familienleben und Entspannung.“ Das soll auch der Verbraucher erkennen und respektieren.

Die „Erklärbäuerin“ freut sich über jeden Berufskollegen, der bereit ist, etwas zu posten. Viele scheuen sich aus Angst vor Überforderung davor, anzufangen. Es reiche jedoch oft aus, kleine Einblicke in den Berufsalltag zu geben. Entscheidend ist aus ihrer Sicht, dass möglichst viele aktiv werden. „Es ist wichtig, im Dialog miteinander zu stehen und Informationen zu geben, statt nur mit dem Finger auf den Verbraucher zu zeigen“, sagt Annika Ahlers. Ihr Motto lautet „Nur keine falsche Scheu!“.

Auf die Frage, was sie jeden Tag antreibt, sagt sie: „Ganz klar die Leidenschaft! Jeden Morgen, wenn ich aufstehe kribbelt es und so muss es sein!“

Wünsche für die Zukunft hat sie dann aber doch: „Die Landwirtschaft soll wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken. Und dazu müssen wir Landwirte an einem Strang ziehen!“

Annika Ahlers "StadtLandDialog" ist auf folgenden Kanälen zu finden:
E-Mail: info@erklärbauer.de
Facebook/Instagramm: erklaer_bauer
Blog: erklaerbauer.jimdo.com/