Landwirtschaftlicher Ortsverband

Ortslandwirt und jünger als 30 Jahre

Heiner Born ist noch keine 30 Jahre alt, steht aber dem landwirtschaftlichen Ortsverband in Breckerfeld vor – und das seit mehreren Jahren. Für ihn spielt Engagement eine wichtige Rolle, auch bei „Land schafft Verbindung“.

Heiner Born ist in Eile. Am Morgen stand der Milchviehhalter noch mit dem Zuchtberater im Stall, am Nachmittag hat die Presse sich angekündigt. Er soll ein Statement aus der landwirtschaftlichen Praxis zum Handelsgipfel im Kanzleramt geben. Am Abend muss er noch nach Havixbeck im Kreis Coesfeld zum Treffen von „Land schafft Verbindung NRW“ (LsV) – gute zwei Stunden von seinem Hof in Breckerfeld im Ennepe-Ruhr-Kreis entfernt.

Schlecht „Nein“ sagen

„Ich kann schlecht Nein sagen“, betont der 29-Jährige mit einem Lachen und nimmt sich dazwischen Zeit für das Wochenblatt. Zu Beginn des Gespräches reicht er einen Zettel. Auf dem hat er aufgelistet, wo und wie er sich für die Landwirtschaft engagiert:

  • Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes des WLV in Breckerfeld,
  • stellvertretender Ortslandwirt bei der Landwirtschaftskammer,
  • Vorsitzender der Flurbereinigungsteilnehmergemeinschaft,
  • im Vorstand der Jagdgenossenschaft,
  • im Orga-Team von LsV NRW,
  • im Team des Jung-landwirte­forums Ennepe-Ruhr-Hagen.

Hinter diesen zum Teil umständlichen Bezeichnungen verbergen sich zahlreiche Stunden abseits des eigenen Hofes. Die meisten bekommt er kaum oder gar nicht entlohnt. „Es kann schon mal sein, dass ich an vier Tagen in der Woche abends unterwegs bin“, sagt er. So viel Ehrenamt geht nur, weil Heiner zurzeit ledig ist und keine Kinder hat. Außerdem hält ihm sein jüngerer Bruder Lukas den Rücken frei.

Heiner selbst hat den Berghof am Rande von Breckerfeld 2016 von seinem Vater übernommen. Dort hält der Agrarbetriebswirt 85 Milchkühe und bewirtschaftet 90 ha, davon 22 ha als Acker, auf denen er Kleegras, Luzerne und Mais anbaut. Sein Betrieb ist typisch für die Hügellage am Südrand des Ruhrgebietes. In Breckerfeld selbst gibt es 13 Höfe im Vollerwerb, die meisten sind Milchviehbetriebe.

2018 haben die knapp 70 Mitglieder des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Heiner zum Vorsitzenden gewählt. Zum Vorstand gehört er schon seit fast zehn Jahren. Damals stieg er als Schriftführer ein. Wo man in anderen Ortsverbänden im Vorstand eher eine Altherrenrunde findet, ist der Vorstand in Breckerfeld jung. Noch weitere Vorstandsmitglieder sind zwischen 20 und 30 Jahren. „Der Generationswechsel ist uns gelungen. Bei uns klebt keiner am Amt“, sagt Heiner.

Als Ortsverbandsvorsitzender hat er zum einen die Aufgabe, die Inte­ressen der Landwirte seines Heimatortes auf Kreisebene des WLV zu vertreten. Zum anderen ist er das Gesicht der Landwirtschaft in Breckerfeld mit seinen knapp 9000 Einwohnern. Er hält Kontakt zur lokalen Presse, organisiert Führungen für Schulklassen und steht der Kommunalpolitik Rede und Antwort. Außerdem ist er der Ansprechpartner für die Bürger zum Thema Landwirtschaft. Es kann vorkommen, dass er auf der Straße wegen der Gülleausbringung seiner Kollegen angesprochen wird.

Klöckner in den Ort geholt

Ein kleine Sensation ist Heiner und den Breckerfelder Bauern im vergangenen Sommer gelungen. Da kam Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf einen Betrieb in den Ort, um mit ihnen und WLV-Präsident Johannes Röring zu diskutieren. Gemeinsam mit dem örtlichen Bundestagsabgeordneten hatte Heiner einige Monate vorher die Anfrage im Ministerium gestartet. Mit einer großen Portion Hartnäckigkeit konnten die beiden die Ministerin nach Breckerfeld lotsen.

Das war damals kurz vor der Veröffentlichung des Agrarpaketes. Die Stimmung war noch relativ entspannt. Das hat sich mittlerweile geändert, auch für Heiner. Er hat sich vom Schwung der LsV-Bewegung anstecken lassen. Mit ein paar Berufskollegen fuhr er im Oktober zur Demo nach Bonn. Kurz darauf hat er einen Ableger für den Ennepe-Ruhr-Kreis gegründet und engagiert sich auch auf Landesebene.

Denn LsV hat bei ihm einen Nerv getroffen: Wie können Landwirte, die gerade eingestiegen sind, den Beruf auch noch in Zukunft und vielleicht bis zur Rente weiter ausüben? Heiner sieht sich selbst mit immer mehr Auflagen konfrontiert und spürt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft schwindet. „Da mache ich mir Sorgen um die Zukunft“, sagt er.

Deswegen engagiert er sich bei LsV, aber auch beim WLV. Denn nur meckern war noch nie seins. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass beim Verband ganz viel Detailarbeit passiert und Entscheidungen per Kompromiss gefunden werden müssen. Das sei zwar nicht so publikumswirksam wie eine Trecker-Demo, aber wichtig.

Eines von zwölf Kindern

Der Teamgedanke und der Einsatz für andere sind ihm mit in die Wiege gelegt worden, denn er ist eines von zwölf Kindern. „Da gab es nur das Wir“, sagt er und weist sämtliche Unterstellungen, im Mittelpunkt stehen zu wollen, von sich. Ihm selbst gibt das Ehrenamt das Gefühl, gebraucht zu werden, und die Möglichkeit, viele verschie­dene Menschen kennenzulernen. Außerdem lernt man, mit Frustration umzugehen und Kompromisse zu schließen.

Diese Eigenschaft wird auch bei seinem nächsten Ziel wichtig sein: Heiner kandidiert im September für den Stadtrat in Breckerfeld, damit dort weiterhin landwirtschaftliche Expertise mit einfließt. Das ist aber eine andere Geschichte.


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