Öffentlichkeitsarbeit

Online aus dem Hofalltag

Präsent bei Instagram und Facebook, eine Rede vor knapp 6000 Bauern und aktiv im Ehrenamt – Bettina Hueske macht sich für die Landwirtschaft stark. Wir sprachen mit der Junglandwirtin über ihr öffentliches Auftreten.

Für dein ehrenamtliches Engagement hast du gerade den Gerd-Sonnleitner-Preis erhalten. Am 4. April hast du vor knapp 6000 Landwirten in Münster geredet und damit vielen Bauern aus der Seele gesprochen. Du führst gemeinsam mit deinen Eltern einen Betrieb mit 140 Milchkühen in Südlohn im Kreis Borken. Gibt es Momente, in denen du zweifelst, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, Landwirtin zu werden?

Nein. Ich wollte schon immer Landwirtin werden und etwas mit Tieren machen. Natürlich habe ich auch schon während der Ausbildung und der Zeit in der Fachschule den öffentlichen Gegenwind gespürt. Gezweifelt habe ich aber nie. Ich bin überzeugt, dass in Deutschland immer Lebensmittel produziert werden und die Menschen es auch wieder mehr schätzen werden, wie wichtig eine einheimische Landwirtschaft ist. Außerdem baue ich darauf, dass ich eine gute Ausbildung mit einem großen Anteil Praxis genießen durfte.

Ein authentisches Bild vom Leben auf dem Hof und dem Land

Auf eurem Hof bietet ihr Führungen für Kindergarten- und Erwachsenengruppen. Wie reagieren die Besucher vor Ort?

Wenn ich mit unseren Gästen auf unserem Hof über Landwirtschaft spreche, haben viele regelrechte Aha-Momente. Zum Beispiel wissen manche nicht, dass es bestimmte Vorgaben bei der Ausbringen von Gülle gibt. Wenn man vor Ort die Leute aufklärt, dann erhält man meist ein positives Feedback.

Dein eigentliches Steckenpferd sind mittlerweile die sozialen Kanäle im Internet. Du „fütterst“ einen Facebook- und einen Instagram-Kanal. Wie genau sieht deine Strategie aus?

Ich möchte zeigen, was ich täglich mache. Meine Zielgruppe sind andere Landwirte, aber vor allem auch Verbraucher, die nicht auf dem Land leben. Das ist eine Gratwanderung, wie fachlich ein Beitrag sein darf. Auf Facebook habe ich für unseren Betrieb eine Seite eingerichtet – eine Art Homepage für den Hof. Mit Fotos und Kurzvideos erkläre ich die moderne Landwirtschaft.

Bei Instagram steht mehr meine Person im Mittelpunkt. Der Account heißt auch „Bäuerin Bettina“. Dort geht’s nicht nur darum, niedliche Knuddelfotos zu zeigen, sondern um ein authentisches Bild vom Leben auf dem Hof und dem Land zu geben.

"Öffentlichkeitsarbeit kann jeder Betrieb leisten."

Wie viel Zeit nimmt das für dich in Anspruch? Wie bindest du die Öffentlichkeitsarbeit im Alltag auf dem Betrieb mit ein?

Auf Facebook poste ich alle zwei bis drei Tage etwas. Bei Instagram bin ich schon täglich aktiv. Hinzu kommt die tägliche Reaktion auf Kommentare und Nachrichten. Keine Frage, das kostet Zeit. Das kann schon mal eine bis zwei Stunden am Tag in Anspruch nehmen. Mein Vater stutzt manchmal, wenn ich bei der Arbeit mal wieder das Smartphone herausnehme und ein Foto schieße. Ich versuche es aber, in die Pausen zu verlegen. Meine Auszubildende Lena muss gelegentlich schmunzeln. Aber sie weiß, wofür ich das tue. Das gehört für sie mittlerweile zum Hofalltag. Außerdem hole ich mir bei ihr manchmal einen letzten Rat, wenn es um die Bilder geht.

Du bist beim WLV als Öffentlichkeitsreferentin aktiv. Was rätst du anderen Landwirten zum öffentlichen Auftreten?

Die Betriebe müssen nicht alle in den sozialen Medien aktiv sein. Es reicht, wenn einige das gezielt und regelmäßig machen. Denn es ist nicht für jeden etwas. Öffentlichkeitsarbeit kann hingegen jeder Betrieb leisten. Das fängt schon damit an, nicht ohne Rücksicht mit dem Schlepper über Feldwege zu heizen. Man kann seine Tore für Besucher öffnen oder Blühstreifen anlegen. Wichtig ist, dass die Landwirte vor Ort ansprechbar sind und Gegebenheiten der modernen Landwirtschaft erklären können.


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