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Jägerprüfung mit 15 Jahren

Obwohl Jugendliche erst ab 16 Jahren einen Jagdschein lösen können, kann die Prüfung schon mit 15 1/2 Jahren abgelegt werden. Was auf einen zukommt, erzählt unsere Schülerpraktikantin Claire Wickensack.

Der Jagdschein bedeutet, viel Neues zu lernen. Nicht umsonst wird die Jägerprüfung auch "grünes Abitur" genannt. Foto: Kofoth



Mit Natur und Jagd bin ich aufgewachsen. Mein Opa war begeisterter Jäger und auch mein Vater und mein Bruder sind es. Für mich stand schon lange fest, dass ich die Jägerprüfung so früh wie möglich ablege. Denn durch den landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern war ich schon immer an den Zusammenhängen in der Natur interessiert.

Kurz nach meinem 15. Geburtstag haben meine Eltern und ich uns erkundigt, welche Möglichkeiten es gibt, den Jagdschein zu machen. Und es wurde klar, dass nur ein Intensivkurs infrage kam. Ein viermonatiger Abendkurs, wie ihn die Kreisjägerschaft anbietet, wäre mit der Schule und weiteren Hobbys nicht machbar gewesen. Meine Eltern hätten mich drei- bis viermal in der Woche von Ostbevern ins 20 km entfernte Warendorf zum Unterricht und für das Schießtraining zum Schießstand fahren müssen.

Da eine gute Bekannte sich ebenfalls für einen zweiwöchigen Intensivkurs entschieden hatte, fiel auch mir die Entscheidung hierfür leicht. Im Dezember meldete ich mich gemeinsam mit ihr an einer Jagdschule im Emsland für einen Frühjahrskurs an. Dieser dauert nur 14 Tage, jedoch muss man sich vorher eigenständig darauf vorbereiten. Die Jagdschule schickt das benötigte Material. Zu beginn des Unterrichts wird der Lernstand mit einem kleinen Test, der auch zur Selbsteinschätzung dient, überprüft.

Jagdscheinkurs

Zur Vorbereitung auf die Jägerprüfung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Kreisjägerschaften bieten Kurse an, die zwischen vier und sechs Monate dauern. Der Unterricht findet meist abends statt. Häufig kommen am Wochenende noch Exkursionen hinzu. Die Kosten belaufen sich auf ungefähr 1500€ für den Unterricht und Unterrichtsmaterial, plus 250€. Hinzukommen noch Kosten für das Nutzen des Schießstandes und für Munition.
Private Jagdschulen bieten fast ausschließlich zwei bis drei Wochen dauernde Vorbereitungskurse mit ganztägigen Unterricht an. Einige Jagdschule haben auch Kurse über sechs bis acht Wochenenden im Programm. Der Preis variiert je nach Jagdschule.
www.LJV-nrw.de

Selbstständig vorbereiten

In den Osterferien ging es für uns beide los: Von morgens bis abends büffeln – weit weg von zu Hause. Die meisten der 15 Mitstreiter waren zwischen 17 und 30 Jahre alt. Sie wohnten in Ferienwohnungen nahe der Jagdschule, im Hotel oder im schuleigenen Gästehaus. Wir wohnten in einer Ferienwohnung. Das bedeutete, anders als zu Hause, selbst kochen und einkaufen. Da die Zeit für aufwendige Mahlzeiten fehlte, gab es oft nur Brötchen, Knäckebrot, Salat oder Obst.

Das Lernen für das grüne Abitur, wie die Jägerprüfung auch genannt wird, war eigentlich so wie in der Schule. Aber es hat mir viel mehr Spaß gemacht, alles über Wildbiologie, Wildkrankheiten, Naturschutz, Waffenhandhabung und Wildbrethygiene zu lernen. Denn dafür interessiere ich mich.

Natürlich steht auch das große Ziel vor Augen: Endlich den Jagdschein in den Händen halten. Bis dahin muss ich mich, trotz bestandener Prüfung, noch bis zu meinem 16. Geburtstag im September gedulden. Denn erst mit 16 Jahren ist das Lösen des Jagdscheins möglich. Ab 18 darf ich eine Waffe allein führen und auch erwerben. So lange muss eine jagdlich erfahrene Person mich im Umgang mit der Waffe beaufsichtigen.

Ablauf des Intensivkurses

Mir war klar, dass ein Intensivkurs kein Spaziergang werden würde. Jeden Tag, von 8 bis 19 oder 20 Uhr war Unterricht. Dabei gab es zwei größere Pausen, die wir oft zum Lernen genutzt haben. Aber auch in den kleinen Pausen haben wir uns untereinander oft gegenseitig abgefragt.

Theorie und Waffenhandhabung waren nur ein Teil des Stundenplans. Ein Besuch im Schaurevier und das Bestimmen von Tieren anhand von Präparaten gehörten ebenso dazu. An den Osterfeiertagen gab es da keine Ausnahme. Das hört sich schlimmer an, als es war. Da an meinem Kurs viele Jüngere teilnahmen und auch unser Ausbilder immer gute Laune hatte, haben wir viel gelacht. Die zwei Wochen gingen, in meinen Augen, zu schnell rum.

Neben aller Theorie mussten wir das Schießen lernen und üben. Anfangs fiel mir vor allem das Tontaubenschießen mit der Flinte schwer. Die Keramikscheiben werden dabei von einer Maschine in die Luft geschleudert und zerspringen, wenn sie von den Schrotkörnern getroffen werden. Die Schwierigkeit hier ist, dass man nicht direkt auf das Objekt, sondern ein Stück davor zielen muss, um zu treffen.

Besser lag mir da das Schießen mit der Büchse auf die 100 m entfernte Bockscheibe. Auch der laufende Keiler, eine auf einem Gestell fahrende Scheibe in Form eines Wildschweins, erforderte viel Training. Nach einer Woche Übung und einigen blauen Flecken an der Schulter, durch den Rückschlag der Waffen, ist die Prüfung gut gelungen.

Nicht einfach abknallen

Oft werde ich gefragt, ob ich überhaupt ein Tier töten könne. Darauf kann ich nicht wirklich antworten. Bisher sind nur Tontauben und Bockscheiben von mir beschossen worden. Einige meiner Freunde setzen Jagd mit dem Töten von Tieren gleich. Nach Hege oder Naturschutz fragt niemand. Ich erkläre meinen Freunden also immer wieder, dass das Schießen nur ein minimaler Prozentsatz der Jagd ist und dass die Hege des Wildes die größte Rolle spielt.

Auch, dass Jäger nicht willkürlich irgendein dahergelaufenes Reh abknallen, ist für viele neu. ,,Die Tiere sehen doch alle gleich aus, da ist ein Unterscheiden doch unmöglich“, sagen viele. Angesichts dieser und ähnlicher Fragen erstaunt es mich schon, wie wenig manche über Wildtiere und die Zusammenhänge in der Natur wissen – obwohl sie nicht in einer Großstadt leben.

Bis jetzt habe ich noch keine totale Ablehnung wegen meines Jagdscheins erfahren, höchstens inte­ressierte Nachfragen.Bevor ich die Waffe, zusammen mit meinem Vater oder meinem Bruder, ins Revier mitnehme, werde ich noch viel lernen müssen, denn ich habe bisher nur das Grundwissen. Die eigentliche, praktische Jagdausbildung steht mir noch bevor.

Hege im Vordergrund

Natürlich möchte ich auch den ein oder anderen Fuchs oder Bock schießen. Aber dafür habe ich den Jagdschein nicht gemacht. Für mich stand im Vordergrund, das Wild zu hegen und die Natur zu schützen, sodass uns weiterhin eine große Artenvielfalt erhalten bleibt. Denn Jäger kümmern sich nicht nur um Wildtiere, die sie schießen können, sondern auch um andere Arten wie Eulen, Kibitze und Fledermäuse.

Das viele Lernen für die Prüfung, die am letzten Wochenende des Kurses stattfand, und die Aufregung davor, haben sich wirklich gelohnt. Es steht außer Frage, dass der Umfang an Wissen für das grüne Abitur sehr groß ist. Wenn man sich aber reinkniet, macht es große Freude. Ich würde es jederzeit noch einmal machen. Claire Wickensack