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Grüne Woche 2019

Grüne Gentechnik: Chance, aber kein Allheilmittel

Grüne Gentechnik scheidet die Geister. Auf dem Junglandwirtekongress führten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung eine sachliche Debatte zu dem emotionalen Thema. Ein Urteil erregte die Gemüter.

Prof. Matin Qaim (von links), Ralph Lenkert, Ludger Schulze Pals, Frank Terhorst und Albert Stegemann diskutierten über Gentechnik.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es gentechnische Verfahren in der Pflanzenzüchtung, die sogenannte Grüne Gentechnik. In 25 Ländern, auf etwa 15 % der globalen Ackerfläche, wachsen gentechnisch veränderte Pflanzen. In der Europäischen Union sind sie aber verboten. Ein weiteren Grund zur Diskussion gibt das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), Mitte 2018, zu denen mit dem sogenannten CRISPR/Cas-Verfahren gezüchteten Pflanzen.

Daher standen die Chancen und Risiken der Grünen Gentechnik auf dem Junglandwirtekongresse am Montag auf der Grünen Woche im Fokus. Der Bund der deutschen Landjugend hatte Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zur Diskussion eingeladen.

Kein Allheilmittel, aber...

Zum Einstieg in das Thema sprach Prof. Matin Qaim von der Universität Göttingen. Laut dem Agrarökonom wird das Thema in der Öffentlichkeit nicht sachlich diskutiert. „Der Mensch hat auch vor der Gentechnik in das Erbgut von Pflanzen eingegriffen“, sagt er. Für ihn ist die Gentechnik ein weiteres Werkzeug im Werkzeugkoffer der Pflanzenzüchtung. Seit 30 Jahren würden Erfahrungen gesammelt und es seien keine Risiken aufgetreten. „Nicht gefährlich, heißt aber noch lange nicht nützlich“, betont der Forscher.

Erträge konnten zwar vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern gesteigert werden, doch zum Beispiel beim Anbau von herbizidtolerantem Soja in Brasilien und Argentinien stieg auf Dauer der Herbizideinsatz aufgrund von Resistenzen und einer nicht nachhaltigen Ausweitung des Anbaus. „Gentechnik darf nicht die gute fachliche Praxis ersetzen“, sagt der Hochschullehrer.

Hingegen brachte der Anbau von insektenresistenter Baumwolle in Indien Kleinbauern ein höheres Einkommen. „Gentechnik kann, richtig eingesetzt, zur Armutsreduzierung führen“, unterstrich der Agrarökonom. Für ihn ist die Gentechnik kein Allheilmittel, aber eine Technologie mit großem Potenzial, um Herausforderungen wie der Ernährungssicherheit einer wachsenden Weltbevölkerung, der Ressourcenknappheit und dem Klimawandel entgegenzutreten.

Für ihn ist die Gentechnik kein Allheilmittel, aber eine Technologie mit großem Potential, um Herausforderung wie die Ernährungssicherheit einer wachsenden Weltbevölkerung, die Ressourcenknappheit und dem Klimawandel entgegenzutreten. „Eine pauschale Ablehnung erschwert eine vernünftige Handhabung“, meint er.

Unmut über Urteil

In der anschließenden Diskussion entlud sich aus dem Publikum der Unmut, dass Pflanzen, die mit der CRISPR/Cas-Methode bearbeitet wurden, in der EU als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) eingestuft werden. Ralph Lenkert, im Bundestag für Die Linke, lehnt die CRISPR/Cas-Methode nicht ab, solang sie nicht artübergreifend ist. Ähnlich wie bei Waffen fordert er eine Art Befähigungsschein für dieses relativ kostengünstige Verfahren.

Für Prof. Matin Qaim lässt sich das EuGH-Urteil zwar nicht mehr kippen, er sieht aber die Möglichkeit den Begriff GVO neu zu definieren. Die Definition ist fast 20 Jahre alt. „Ich hoffe die Politik hat ein ausreichend großen Willen, das zu ändern“, sagt Prof. Matin Qaim.

Zu diesen Willen bohrte Moderator Luder Schulze Pals, Chefredakteur von top agrar, bei Albert Stegemann nach. Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion versprach mit Blick auf die Europawahl, dass die Union die Definition im Bezug auf CRISPR/Cas anpassen möchte. Er sieht eine große Chance für die Pflanzenzüchtung im CRISPR/Cas-Verfahren. „Innerhalb der Art ist das für mich keine Genmanipulation. Da werden Ängste geschürt“, meint er.

Die Teilnehmer auf dem Podium lehnten die Grüne Gentechnik nicht pauschal ab. Für Ralph Lenkert ist die grüne Gentechnik Fluch und Segen zu gleich. Er warnt vor blindem Optimismus und unterstreicht, wie bedeutend die Erforschung möglicher Risiken und die Transparenz dabei sei.

Frank Terhorst, verantwortlich bei Bayer für den Pflanzenschutz, sieht es praktisch: „Für uns ist es ein wichtiges Tool, aber nicht das einzige.“ In Zukunft werde ein Zusammenspiel aus Digitalisierung, Saatgut und Pflanzenschutz immer wichtiger werden. Einig waren sich alle Beteiligten, dass die gute fachliche Praxis auf dem Acker dabei nie aus dem Auge gelassen werden darf.