Gäste aus Uganda

Austauschprogramm Schorlemer Stiftung

Sechs junge Farmer aus dem ostafrikanischen Land leben zurzeit auf Betrieben im Kreis Warendorf und Gütersloh. Sie sammeln Erfahrungen auf den Höfen und möchten Ideen mit nach Hause nehmen.

Sie heißen Paul, Henry, Rita, Joseph, Gadafi und Paul. Diese sechs jungen Landwirte aus Uganda wohnen für drei Monate auf Betrieben in Westfalen. Sie helfen im Stall, fahren Schlepper und nehmen am Familienleben teil. Das Austauschprojekt läuft über die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes. Insgesamt 15 junge Afrikaner arbeiten und leben noch bis Mitte Januar auf Höfen in Deutschland.

Auf dem Milchviehbetrieb Budde in Sendenhorst im Kreis Warendorf schilderten die afrikanischen Landwirte ihre Eindrücke und sprachen über die Landwirtschaft in ihrer Heimat. Dort sind die Betriebe viel kleinteiliger und deutlich geringer technisiert. Meist sind es Mischbetrieb, die ein paar Schweine, Kühe und Ziegen halten. Dazu bauen die Farmer verschiedene Feldfrüchte wie Maniok, Mais und Süßkartoffen an und ernten Früchte wie Mangos.

Ausbildung und Strukturen fehlen in Uganda

Viele Einwohner Ugandas wachsen zwar in der Landwirtschaft auf, haben aber keine landwirtschaftliche Ausbildung wie in Deutschland, berichtete Joseph Wandera. Der Farmer engagiert sich vor Ort für eine Organisation für Junglandwirte. „Berufsständische Organisationen haben in vielen afrikanischen Ländern kaum eine Tradition und so eine Struktur wie bei uns der Bauernverband“, sagte Matthias Quas, Geschäftsführer des WLV in Warendorf. Es fehlt an einem flächendeckenden Beratungsangebot und einer gemeinsamen Stimme gegenüber der Regierung.

Hinzukommt die Korruption und hohe Lagerverluste, die das Leben der Bauern vor Ort erschweren. „In Uganda können sie in vielen Regionen zweimal pro Jahr ernten. Die natürlichen Voraussetzungen sind an sich gut“, betonte Andreas Westermann aus Ennigerloh. Seine Praktikantin Ritha Lutaaya zeigt auf ihrem Betrieb in Uganda jungen Farmern, wie sie Schweine und Kühe halten sowie Kaffee anbauen können. Inspiriert vom Betrieb Westermann möchte sie nach ihrer Rückkehr einen neuen Schweinestall bauen. Den Kontakt und fachlichen Austausch möchte sie gerne mit ihrer Gastfamilie aufrecht erhalten.

Ihr Gastgeber Andreas Westermann nahm die junge Afrikanerin mit auf eine der vergangenen Treckerdemos. Sie zeigte sich überrascht, wie friedlich der Protest in Deutschland war. In Uganda wäre es von Seiten der Polizei und von Seiten der Demonstranten vermutlich aggressiver gewesen.

Gäste saugen das Wissen regelrecht auf

Fasziniert zeigten sich die jungen Menschen aus Uganda auch von den Biogasanlagen auf den deutschen Betrieben. Zwar kommen auch in Uganda Biogasanlagen zum Einsatz, aber in einem deutlich kleineren Maßstab und nur für den Hausgebrauch. Daher lassen sich die eine oder andere Idee mitnehmen.

Bauvorhaben lassen sich aber im Vergleich Deutschland und Uganda nicht eins zu eins umsetzen. „Früher hat man den Afrikanern ungefragt große Maschinen hingesetzt, jetzt fragt man sie, was könnt ihr wirklich vor Ort gebrauchen“, beschrieb Landwirt Matthias Hoffmeier den Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit. Zu diesem Dialog trägt auch der Austausch bei. „Ich bin fasziniert, wie wissbegierig die Praktikanten sind, wie viele Fragen sie stellen und wie viel sie aufsaugen“, sagte Gabi Kessmann aus Warendorf. Dabei sind oft die Englischkenntnisse der ganzen Familie gefragt.

Zwei der Praktikanten und ihre Gastfamilien stellen wir in einen der nächsten Wochenblatt-Ausgaben vor.


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