Zum Inhalt springen
3 °C Münster (Westfalen)

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Ausbildung Forstwirt

Eine junge Frau auf dem Weg zur Forstwirtin

Marina Graf wird Forstwirtin. Der Borkenkäfer bestimmt ihre Ausbildung. Gemeinsam mit den Kollegen von der Stadt Arnsberg fällt sie kranke Fichten. Die Anstrengung meistert sie durch Ehrgeiz und Schichten im Fitnessstudio.

Forstwirtschaftsmeister Markus Karthaus zeichnet die Fichte an, die die angehende Forstwirtin Marina Graf fällen soll.

Marina Graf schleppt eine Kettensäge den Hang hoch. An ihrem Gürtel baumeln Kluppe, Bandmaß und Spraydosen. Trotz des Schattens im Wald zeigt das Thermometer noch über 30 °C. Marina bleibt an einer Fichte mit einem lila Kreuz stehen. Dieser Baum ist vom Borkenkäfer befallen, auch wenn der Laie es auf Anhieb noch nicht sieht.

Sie sägt einen Fallkerb in die Richtung, in die der Baum fallen soll. Von der anderen Seite beginnt sie mit dem Fällschnitt und treibt Alukeile mit dem Spalthammer ins Holz. Die junge Frau ruft „Baum fällt!“, bevor sich die Fichte krachend zu Boden senkt.

„Das macht sie schon sehr sauber“, sagt ihr Ausbilder Markus Karthaus. Die 20-Jährige aus Arnsberg ist im dritten Lehrjahr zur Forstwirtin bei den technischen Diensten der Stadt Arnsberg. Das Fällen von Fichten macht zurzeit den Hauptteil der Arbeit aus.

Marina Graf schlägt den Alukeil ins Holz.

Außergewöhnliche Jahre für die Ausbildung zum Forstwirt

Ihre bisherige Ausbildung fällt in extreme Jahre im Arnsberger Stadtforst, zu dessen zwei Revieren 2200 ha Wald gehören. Er besteht zu 70 % aus Laubbäumen und zu 30 % aus Nadelbäumen. Das Sturmtief Friederike im Januar 2018 und die Dürre im vergangenen Sommer haben ideale Bedingungen für den Borkenkäfer geschaffen.

Marina und ihre Kollegen müssen deshalb außergewöhnlich viele Fichten fällen. Seit Friederike wurden im Arnsberger Stadtwald schon 30  000 fm Fichte geschlagen. Im Vergleich dazu sind es sonst nur 4500 fm pro Jahr. Zwar übernimmt den größten Teil der Fichtenernte der Harvester, doch die Forstwirte zeichnen die Bäume an, fällen Fichten an schwierigen Stellen und arbeiten das Holz auf – und das überwiegend in den Sommermonaten.

In normalen Jahren wäre im Sommer die Zeit, um die heranwachsenden Bestände mit dem Spacer, einem pendelnden Freischneider, zu pflegen, Waldwege auszubessern und Gatter zu reparieren. Doch dazu haben die Forstwirte im Moment keine Zeit. Der Borkenkäfer sorgt für solch einen Druck, dass Marina und ihre Kollegen sich um die befallenen Bestände kümmern müssen.

Schon seit dem ersten Tag der Lehre fällt die 20-Jährige Bäume. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich im Laufe der Ausbildung. Denn ein Forstwirt ist weit mehr als ein reiner Holzfäller. „Fichten fällen kann vielleicht noch jeder ohne Ausbildung“, meint Markus Karthaus.

Zur Ausbildung zum Forstwirt gehört das Fällen dazu,

Doch die Ernte von Laubbäumen ist deutlich schwieriger. In den Wintermonaten fällt Marina hauptsächlich Laubholz wie Buche, Eiche und Ahorn. Wenn der Baum liegt, arbeitet Marina ihn auf und teilt das Holz in verschiedene Verkaufssortimente ein. Ein ausgebildeter Forstwirt unterstützt den Revierförster und sieht die Zusammenhänge im Wald – egal ob bei der Holzvermarktung, dem Naturschutz oder dem Forstschutz.

Körperlich anstrengende Arbeit im Forst

Forstwirtschaftsmeister Markus Karthaus bildet seit zwei Jahrzehnten Forstwirte aus. Marina ist seine erste Auszubildende. Er hat es zu schätzen gelernt, mit einer Frau zusammenzuarbeiten. Sie arbeitet gewissenhafter und vorsichtiger als mancher männliche Azubi. Denn Sicherheit wird großgeschrieben in dem Beruf. Er birgt mögliche Gefahren wie scharfe Ketten, umfallende Bäume oder herabstürzende Äste. Marina trägt nicht grundlos Helm und Schnittschutzhose.

Am Anfang war Markus Karthaus skeptisch, ob die junge Frau den körperlichen Anforderungen gewachsen ist. Denn der Beruf ist immer noch einer der anstrengendsten. „Es gibt kaum erholsame Arbeiten. Auf Dauer geht alles auf die Knochen“, sagt der Forstwirt.

Marina hat vorher Tennis auf Leistungssportniveau gespielt. Das hieß, fast sieben Tage die Woche den Schläger zu schwingen. „Das war eine gute Vorbereitung auf den Job“, sagt sie und ergänzt: „Klar gab es Momente, an denen ich aufgeben wollte.“ Aber sie kannte dieses Gefühl vom Tennisplatz: weitermachen, auch wenn man schon an der Leistungsgrenze ist.

Ihrem Ausbilder imponiert ihr Ehrgeiz. Nur weil sie eine Frau ist, lässt er sie nicht leichtere Aufgaben machen. „Ich trage ihr nicht die Werkzeuge bis zum Baum“, sagt er. Beiläufig erwähnt die Sauerländerin, dass sie regelmäßig ins Fitnessstudio geht. Das klingt extrem, macht aber Sinn. Im Alltag belastet sie einseitig immer wieder die gleichen Muskeln. Im Studio trainiert Marina andere Muskelpartien und schafft so einen Ausgleich.

Im Anschluss Forstwirtschaft studieren

Doch wie kam Marina auf diese eher ungewöhnliche Berufswahl für eine junge Frauen? Für sich schloss die Sauerländerin einen reinen Bürojob aus. Sie war schon immer gerne im Wald – vor allem mit ihrem Großvater. Beim Girls’ Day in der zehnten Klasse schnupperte sie in den Beruf des Forstwirtes rein. Kurz vor dem Abi war ihr klar, dass sie eine Ausbildung machen möchte.

Nach der Ausbildung möchte Marina das gerne vertiefen und ein Studium der Forstwirtschaft beginnen. Sie will Revierförsterin werden. Dabei hilft ihr die Ausbildung. Sie weiß dann später als Vorgesetzte, wie die praktische Arbeit im Alltag aussieht. Auch Markus Karthaus findet es gut, wenn die Vorgesetzten die Arbeit im Forst aus der Praxis kennen.