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Gespräch mit Dorfblogger Tim Hartmann

Dorfleben ist einfach cool

DorfstattStadt – so heißt der Online-Auftritt von Tim Hartmann. Das bekennende Dorfkind gibt dem Landleben ein modernes Bild im Internet und rückt Klischees über das Dorf mit passenden Sprüchen zurecht.

Tim ist sich sicher: Leben auf dem Dorf macht Spaß.

„DorfstattStadt“ heißt dein Internetauftritt, mit dem du seit 2015 online bist. Warum heißt er nicht „StadtstattDorf“?

Tim Hartmann: Lustigerweise gab es den Auftritt auch mal. Vor über drei Jahren habe ich meine Ausbildung zum Mediengestalter beendet. Im Anschluss hatte ich mich in Hamburg auf einen Job beworben und wollte parallel als Dorfkind einen Blog aus der Großstadt schreiben. Relativ schnell habe ich aber den Job geschmissen und bin zurück in mein Heimatdorf gezogen. Dort habe ich mir gedacht, warum erzählst du den Leuten nicht, warum es cool ist, hier auf dem Land zu bleiben.

Du bist 24 Jahre und stammst aus Mittelrode, einem 300-Einwohner-Ort bei Hannover. Was macht für dich das Dorfleben so lebenswert?

Jeder kennt sich, jeder kümmert sich um den anderen. Alles ist sehr persönlich. In unserem Ort gab es zum Beispiel einen Kastanienbaum. Früher haben wir auf der Mauer unter ihm gespielt und Kastanien gesammelt. Als er letztens gefällt wurde, war ich richtig traurig. Denn ich verbinde mit meinem Heimatort so viele – meist sehr persönliche – Geschichten. Die Stadt kommt mir meist eher praktisch und anonym vor.

Dieses Gefühl kennen viele, die in einem Dorf aufgewachsen sind. Aber wie bist du auf die Idee gekommen, dies in den sozialen Medien zu zeigen?

Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich empfinde, dass vor allem in der jüngeren Generation viele meinen, dass Dorf verlassen zu müssen, weil sie dort nichts erleben können. Oft herrscht das Klischee vor, dass auf dem Dorf alles altmodisch und uncool sei. Ich möchte ihnen zeigen, dass es auch auf dem Land viele Möglichkeiten gibt und es dort viel cooler ist, als viele meinen. Ich möchte mit einigen Klischees über das Dorf aufräumen.

Welche sozialen Kanäle „fütterst“ du? Woher stammt die Inspiration für deine Sprüche?

Neben meiner Homepage bin ich bei Facebook und Instagram aktiv. Auf Youtube veröffentliche ich auch eigene Videos. Die Kanäle bespiele ich hauptsächlich allein. Am Tag versuche ich mindestens einmal etwas zu teilen. Ich verbinde jeden Spruch auch mit einem passenden Foto. Oft kommen die Bilder aus meinen eigenen Beständen. Viele der Sprüche stammen aus meiner eigenen Erfahrung. Sie kommen mir zum Beispiel beim Joggen. Mittlerweile beobachte ich auch viel genauer das Geschehen im Dorf. Manche Sprüche werden mir aber auch zugeschickt.

Gibt es einen Lieblingsspruch? Welcher Spruch ging auf deiner Facebook-Seite mit mittlerweile fast 21 000 Fans durch die Decke?

„Leben auf dem Dorf ist, wenn du beim Public Viewing an eine Scheune und Bierzeltgarnitur denkst.“ Den mag ich am liebsten, weil er mich immer wieder an den Weltmeister-Sommer 2014 bei uns im Dorf erinnert. „Engelbert Strauss ist das Prada der Dorfkinder“ oder „Wenn du Wege kennst, die nicht mal Google Maps kennt“ haben bis zu eine Million Menschen erreicht. Mittlerweile sind es über 700 Sprüche.

Mehr im aktuellen Wochenblatt 3/2018 auf Seite 94.