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Andreas Hermes Akademie im Interview

Das A und O für die Stellensuche und Bewerbung

Das Auftreten und die Persönlichkeit ist meist wichtiger als Noten und Abschlüsse. Das meint Matthias Mehner, Geschäftsleiter der Andreas Hermes Akademie. Auf der Agritechnica gab er Berufsstartern Tipps zur Stellensuche und Bewerbung.

Mit einem sicheren, aber nicht zu forschen Auftreten lässt sich beim Vorstellungsgespräch punkten.

Herr Mehner, über was sollte sich ein Berufseinsteiger im Klaren sein, bevor er sich auf die Stellensuche macht?

Er sollte in sich hineinhorchen, wo er hinwill und was für ein Typ er ist. Sieht er sich eher als Praktiker oder machen ihm konzeptionelle, administrative Aufgaben Spaß? Auch über seine Stärken und Schwächen sollte er sich Gedanken machen.

Was raten Sie jungen Studierenden im Agrarbereich? Was sollten sie während des Studiums sammeln, um später bei der Jobsuche zu punkten?

Sie sollten auch Erfahrungen außerhalb der Fakultät und dem Fachlichen suchen. Der Blick über den Tellerrand ist ganz wichtig. So lernen sie, interdisziplinär zu denken. Dieses Denken zeichnet die moderne Arbeitswelt mittlerweile aus. Außerdem sollten sie im Ausland Erfahrungen sammeln. Nicht nur um eine weitere Sprache zu lernen, sondern vor allem, um Eigenständigkeit zu beweisen.

Selbst ein Zickzacklebenslauf kann Vorteile haben. Er zeigt, dass der Bewerber auch Rückschläge überstanden und im besten Fall aus ihnen gelernt hat. Wichtig ist, im Vorstellungsgespräch authentisch zu sein und Lücken und Umwege in der Biografie erklären zu können.

Wenn Sie entscheiden müssten: Was ist wichtiger, fachliche Kompetenz oder die Persönlichkeit?

Ganz klar: Haltung schlägt Kompetenz. Vor allem heute, wo ständig neues Wissen hinzukommt und der Bewerber nicht mehr nur auf das einmal Erlernte setzen kann. Daher wird Persönlichkeit und Haltung eines Bewerbers immer wichtiger. Wie offen zeigt er sich zum Beispiel gegenüber neuen Herausforderungen? Wie passt er in das Team? Natürlich müssen auch fachliche Grundkompetenzen vorhanden sein. Doch Noten und Abschluss zeigen oft nicht, was für eine ­Persönlichkeit hinter dem Bewerber steht.

Haltung schlägt Kompetenz.

Was raten Sie konkret für das Bewerbungsgespräch?

Der Bewerber sollte sich seiner Stärken und Schwächen bewusst sein und wissen, wo es hingehen soll. Im Gespräch sollte er fachlich breit aufgestellt sein und auch über gesellschaftliche Themen reden und sie einordnen können. Über den Gehaltsrahmen sollte er sich vorher informiert haben und ihn auch ruhig ansprechen.

Durch das Bewerbungsgespräch merkt der zukünftige Arbeitgeber oft, ob der Bewerber zu einem passt. Manche Unternehmen gehen sogar nach der umgekehrten Devise: Finde den richtigen Mitarbeiter und suche für ihn dann die passende Aufgabe.

Wie hat sich das Bewerberfeld geändert?

Viele junge Absolventen sind hochmotiviert, achten dennoch mehr auf ihre Work-Life-Balance. Viele wollen flexibler arbeiten und sehen in Beruf und Karriere nicht mehr unbedingt die einzige Erfüllung. Außerdem ist die Unternehmenszugehörigkeit heute nicht mehr so ausgeprägt. Manche wollen nur ein, zwei Jahre bei einem Unternehmen arbeiten und dann weiterziehen.

Viele Bewerber können gegenwärtig aus mehreren Jobangeboten auswählen. Worauf sollten sie achten? Dürfen sie heute offensiver im Gespräch auftreten?

Wichtig ist, was einen fachlich, aber vor allem auch persönlich weiterbringt. Darf man selbst Verantwortung tragen? Was für Weiterbildungsangebote gibt es? Dabei dürfen die Bewerber ruhig selbstbewusst auftreten, aber immer im Hinterkopf behalten, dass vermutlich der neue Chef oder Vorgesetzte vor einem sitzt. Vor ­allem Berufsanfänger sollten nicht zu forsch auftreten.

Matthias Mehner ist Geschäftsleiter der Andreas Hermes Akademie.