Hauswirtschafter/innen sind gefragt

Ausbildung in der Hauswirtschaft: Küche, Catering, Computer und vieles mehr

Für viele Personen kochen, Räume dekorieren, Veranstaltungen managen – das gehört zur Ausbildung in der Hauswirtschaft. Im Mittelpunkt steht aber immer, die Betreuung und Versorgung von Menschen. Der Beruf im Blick.

Küche, Catering und Computer gehören zum Alltag von Eva-Maria Thies aus Holtwick im Kreis Coesfeld. Die 19-Jährige macht eine hauswirtschaftliche Ausbildung in der Großküche des Seniorenheims zu den Heiligen Fabian und Sebastian in Rosendahl-Osterwick. Sie steht kurz vor ihrer Abschlussprüfung.

"Computer?", wird sich mancher fragen, der ein altes Bild von der Arbeit in der Großküche hat. Dort dreht sich schon lange nicht mehr alles nur ums Kochen, Backen und Putzen. "Die Speisepläne machen wir am PC ebenso die Bestellungen. Außerdem bekommen wir E-Mails mit Aufträgen und Rechnungen", erklärt Eva-Maria.

Die Arbeit einer Hauswirtschafterin ist vielseitig. Täglich kochen Eva-Maria und ihre zehn Kolleginnen etwa 160 Essen für die Bewohner und für "Essen-­auf-Rädern". Manchmal hilft die Auszubildende den beiden Mitarbeiterinnen in der Wäschepflege oder sie packt in der Cafeteria des Hauses mit an. Dort essen Gäste aus dem Betreuten Wohnen. Putzen muss sie außerhalb der Küche nicht. Das übernimmt eine Firma. So manches Mal kommen Sonderaufgaben hinzu: Eva-Maria besorgt zum Beispiel Speisen und Getränke, wenn ein Bewohner Geburtstag feiert.

Im ersten und zweiten Ausbildungsjahr gehen die Azubis im Wechsel ein oder zwei Tage pro Woche zur Berufsschule. Im dritten Lehrjahr ist einmal pro Woche Unterricht.

Praktikum beim Floristen

Um die Ausbildung abzurunden, kommen einige Praktika hinzu. Viel Spaß haben Eva-Maria die zwei Wochen beim ­Floristen gemacht. Außerdem hat sie den Alltag in einer Tagesbetreuung für Senioren, in einer Reinigung und einer Wäscherei erlebt. Auch dort finden Hauswirtschafter/innen einen Arbeitsplatz.

Am Computer macht Eva-Maria Thies Speisepläne. Auch lässt sich mit Hilfe von Programmen der Nährstoffgehalt von Menüs berechnen. (Bildquelle: Pröbsting)

Für wen ist eine Ausbildung in der Hauswirtschaft interessant?

Wochenblatt: Frau Seggewiß, Sie sind Lehrerin für Hauswirtschaft am Berufskolleg Lise Meitner in Ahaus im Kreis Borken. Für wen ist eine Ausbildung in der Hauswirtschaft etwas?

Ingrid Seggewiß: Wer gerne kocht, backt und organisiert, kann sich in der hauswirtschaftlichen Ausbildung verwirklichen. Natürlich muss man sich für Nährstoffe in Lebensmitteln interessieren und für Gesundheitsthemen wie das Vorbeugen von ernährungsbedingten Krankheiten. Eine Prise Begeisterung für die Technik der Hausgeräte ist nützlich sowie für Zahlen – zum Beispiel wenn ein Menü zu einem bestimmten Preis gekocht werden soll. Die Freude am Umgang mit Menschen ist ein zentraler Punkt für Auszubildende. Das ist für die Zusammenarbeit mit Arbeitskollegen wichtig, aber vor allem im Umgang mit Gästen und Klienten, die man versorgt.

Gute Berufsaussichten für Hauswirtschafter/innen

Ingrid Seggewiß ist Lehrerin für Hauswirtschaft am Berufskolleg Lise Meitner in Ahaus. (Bildquelle: Pröbsting)

Wochenblatt: Welche Berufschancen sehen Sie für Schulabgänger, die eine hauswirtschaftliche Ausbildung machen möchten?

Seggewiß: Auf dem Arbeitsmarkt werden hauswirtschaftliche Fachkräfte gesucht. Bei uns rufen sogar Arbeitgeber an und bieten Arbeitsplätze. Die Tätigkeitsbereiche von Hauswirtschafter/innen sind vielfältig. Bekannt sind Großküchen aller Art und Privathaushalte. Inzwischen finden Hauswirtschafter/innen Tätigkeitsfelder in Küchen von Kitas und Ganztagsschulen oder in Senioren-WGs. In Tagungshäusern oder Kureinrichtungen organisieren Hauswirtschafter/innen, dass im Hintergrund alles läuft. Auch auf Bauernhöfen mit Ferienwohnungen, Cafes oder Hofläden gibt es Arbeitsplätze.

Wochenblatt: Die Ausbildung wird zum 1. August 2020 modernisiert. Was gibt es Neues?

Seggewiß: Die Auszubildenden dürfen einen beruflichen Schwerpunkt wählen. Sie entscheiden, ob sie in einer Großküche tätig sein möchten, ob sie überwiegend Personen betreuen wollen wie in der Senioren-Tagespflege oder ob sie auf Bauernhöfen ihren Arbeitsplatz sehen. Außerdem werden der Umweltschutz und die Herkunft der Lebensmittel stärker in den Blick genommen. Computer, Datenschutz und Qualitätssicherung sind auch Themen.

Hauswirtschafter/innen haben das Wohl von Gästen und Klienten im Blick

Wochenblatt: Warum war dieses "Update" notwendig?

Seggewiß: Die Aufgaben von Hauswirtschafter/innen haben sich in den vergangenen Jahren den Anforderungen der Gesellschaft angepasst. Neben dem Zubereiten von Nahrung, Wäsche waschen und dem Reinigen von Räumen kümmern sich Hauswirtschafter/innen immer mehr um das Wohl ihrer Gäste, Kunden oder Bewohner in den Häusern, in denen sie arbeiten. Beispielsweise gestalten sie in Senioren-WGs den Alltag gemeinsam mit den älteren Menschen, in der Schulmensa bereiten sie mit Schülern Frühstück zu oder sie organisieren Kindergeburtstage auf dem Bauernhof. Die Betreuung zieht sich nun wie ein roter Faden durch die gesamte Ausbildung.
Der verstärkte Blick auf Betriebswirtschaft und die Kosten, beispielsweise für ein Menü oder hauswirtschaftliche Dienstleistungen, machen den Azubis den Wert ihrer Arbeit bewusst.

Hier gibt es Infos:

Weitere Informationen zur Ausbildung gibt es bei der Ausbildungsberatung Hauswirtschaft der Landwirtschaftskammer NRW und zwar hier

An diesen Schulen findet Berufsschulunterricht statt.

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