Agrarstudium im Praxischeck

Praxis im Studium, Anerkennung von beruflichen Kompetenzen, Ausbildung von Agrarlehrern – Bei der Agrar-Hochschultagung in Berlin führten Hochschulvertreter und Praktiker rege Diskussionen.

Zu wenig Praxisbezug, zu wenig Kooperation mit der Wirtschaft – nicht erst seit Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge gibt es diese Beschwerden von Studenten- sowie Unternehmensseite. Dass das auch für den Agrar-Bereich gilt, wurde auf der diesjährigen Agrar-Hochschultagung „Agrarwissenschaftliches Studium im Praxischeck“ im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin deutlich.

Studium plus Betrieb im dualen Studiengang

Kopplung von Studium und betrieblicher Praxis wird in dualen Studiengängen groß geschrieben. Drei Varianten wurden vorgestellt:

  • der Bachelor-Studiengang „Agrarmanagement “ an der Berufsakademie (BA) Sachsen, Dresden,
  • der Bachelor-Studiengang „Agrarwirtschaft “ an der Hochschule Neubrandenburg, der die Ausbildung zum Landwirt plus Studium koppelt,
  • der Bachelor-Studiengang „Weinbau und Oenologie “ der Hochschulen Ludwigshafen, Bingen, Kaiserslautern und dem Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz am Weincampus Neustadt, der ebenfalls Ausbildung (zum Winzer) und Studium koppelt.

Agrar-Lehrer werden

Ein Tagungspunkt drehte sich auch um die Lehrerausbildung im Agrarbereich. Dazu stellten zwei Hochschulen ihr Konzept vor:
an der Gärtnerisch-Landwirtschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin gibt es einen Lehramtsstudiengang, in dem Land- und Gartenbauwissenschaften das Hauptfach, ein allgemeinbildendes Studienfach das Zweitfach darstellen,

der Lehramtsstudiengang an der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn kombiniert die große berufliche Fachrichtung Agrarwissenschaften mit einer kleinen Fachrichtung, entweder Pflanzenbau, Tierhaltung oder Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus.

Weitere Diskussionspunkte:

„Wildwuchs“ bereinigen: Markus W. Ebel-Waldmann, Präsident des Berufsverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. (VDL), machte deutlich, dass fast alle Studiengänge im Agrar-, Ernährungs- und Forstbereich auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt seien. Dabei machte er auch auf den „Wildwuchs“ in diesem Bereich aufmerksam, mit mittlerweile über 300 Bachelor- und Master-Studiengängen und forderte mehr kritische Überprüfung. Die Vielzahl erschwere es Jugendlichen ihren Studiengang zu wählen. Zudem sei es kaum möglich, Arbeitgebern klarzumachen, wo die Kompetenzen des Absolventen liegen.

Konkurrenz der Bildungswege: Durch die Präsentationen der dualen Studiengänge kam die Frage auf, ob diese in Konkurrenz zu den Agrar-Fachschulen träten. In der Diskussion wurde deutlich, dass Jugendliche für sich entscheiden müssen, welche Ausbildungsmodelle und -inhalte sie möchten. Werner Schwarz, Vorsitzender des Fachausschusses für Berufsbildung und Bildungspolitik des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und selbst Agrarbetriebswirt, stellte fest, dass auch die Anforderungen und die Fachlichkeit an den Fachschulen steigen. Er warf dahingehend die Frage auf, ob landwirtschaftliche Betriebsleiter in Zukunft alle eine akademische Ausbildung brauchen. Er präferiere eher einen „Mittelweg“.

Soft skills überbewertet? „Soft skills“ – weiche Kompetenzen, wie Kommunikationsfähigkeit, Fremdsprachen oder Teamfähigkeit – sind heutzutage auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Hans-Georg Hassenpflug vom Verband der Landwirtschaftskammern provozierte jedoch mit der Aussage, dass die „hard skills“, also fachliches Wissen, bei den Absolventen teilweise fehlen. Einen Grund sieht er in der reduzierten Studiensemesterzahl im Bachelor. Einige Hochschulvertreter hingegen bemerken, dass insbesondere im Bachelor oft die Zeit für Außerfachliches fehlt, das Studium sehr „voll“ sei. In der Regel sei viel Eigeninitiative der Studenten gefragt, um darüber hinaus „soft skills“ zu erwerben. Einzelne Hochschulen tendierten sogar dazu, die Semesterzahl hochzusetzen.

Anrechnen von Kompetenzen: Der Deutsche Qualifizierungsrahmen (DQR) soll unser hiesiges Qualifizierungssystem transparenter und Qualifikationen vergleichbarer machen. Dabei zählt das Ergebnis, nicht der Weg dorthin, erklärte Prof. Dr. Harald Grygo von der Hochschule Osnabrück. Entsprechend können auch beruflich bzw. durch Aus- und Fortbildung erworbene Kompetenzen im Studium anerkannt werden – beim Zugang zur Hochschule, aber auch wenn es um ihre Anrechnung als Studienleistung einzelner Module geht. Doch darin sehen einige Tagungsteilnehmer Probleme. Denn es seien oft genau zu prüfende und schwierige Einzelfallentscheidungen. Beispielsweise führe eine landwirtschaftliche Ausbildung zu einem ganz anderen Umgang mit Fachthemen wie ein Studium. Gee

Die Tagungs-Gastgeber waren: der Deutsche Bauernverband (DBV), der VDL-Bundesverband – Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V., der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL), der Bundesverband Landwirtschaftlicher Fachbildung e.V. (vlf) sowie der Verband der Landwirtschaftskammern e.V. (VLK).

Mehr zur Tagung lest ihr in Wochenblatt-Folge 45/2013 in eurer Rubrik STARTklar.


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