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Aktion der AgrarScouts

Agrarstudenten klären auf

Studenten der Hochschule Osnabrück stellten sich als frisch ausgebildete AgrarScouts der Fakultät Agrarwissenschaften den Fragen ihrer Kommilitonen aus anderen Studiengängen. Ihr Ziel: Die Landwirtschaft transparenter machen.

Wie lange bleiben Ferkel im Aufzuchtstall? Wie viele Wochen werden sie gemästet? Bekommen sie spezielles Futter? Diese und weitere Fragen stellten Studenten der Hochschule Osnabrück einem Landwirt über das Smartphone, während dieser neben Antworten Livebilder aus seinem Schweinestall lieferte. Vergangene Woche sorgten rund 20 frisch ausgebildete AgrarScouts der Fakultät Agrarwissenschaften vor der Mensa am Westerberg dafür, dass Studenten aus anderen Studiengängen der Hochschule Antworten auf ihre Fragen zur Schweinehaltung erhielten. Mithilfe der Liveübertragung und eines Modells von einem Flatdeckstall kamen sie ins Gespräch und tauschten ihre Meinungen zur modernen Tierhaltung aus.

Fragen zu Beginn eines Gesprächs

Für einige der AgrarScouts kosteten die ersten Gespräche mit ihren Kommilitonen Überwindung. Denn bei jedem Kontakt mussten sie erneut herausfinden, mit wem sie es zu tun hatten. Dies war auch für Dorothee Krechtmann eine Herausforderung. Sie stammt von einem Milchviehbetrieb in Lüdinghausen im Kreis Coesfeld und studiert Wirtschaftsingenieurwesen im Agri- und Hortibusiness im fünften Semester. „Ich weiß, dass wir zu Hause gute Arbeit machen. Schwierig ist, das der Öffentlichkeit zu vermitteln“, sagt die Studentin. Sie rät Landwirten, sich zu Beginn eines jeden Gesprächs zu fragen: Mit wem spricht man? Was könnte das Gegenüber wissen? Was muss man erklären?

Die eigene Strategie finden

Kritische Nachfragen bekamen die AgrarScouts unter anderem zu Themen wie Platzmangel in Ställen, Ferkelkastration und Klimawandel. Markus Hoffmann, Agrar­Scout von einem Schweinemastbetrieb am Niederrhein, rät, geäußerte Kritik nicht persönlich zu nehmen. Im Umgang mit kritischen Gesprächspartnern hat er seine eigene Kommunikationsstrategie entwickelt. „Zuerst höre ich mir an, was die Verbraucher zu sagen haben. Dann frage ich, ob sie selbst schon einmal in einem Schweinestall waren“, sagt der Student. So findet er einen leichten Gesprächseinstieg und kann beschreiben, wie es bei ihm auf dem Betrieb aussieht. Dies bietet ihm gleichzeitig die Möglichkeit zu erklären, an welche Richtlinien sich Landwirte halten müssen und wie dadurch zum Beispiel ein möglicher Platzmangel im Stall zustande kommen kann.

Nach den Gesprächen an der Hochschule haben die AgrarScouts ein Fazit gezogen: Mit ihrer Aktion konnten sie vor allem die Studenten erreichen, die sich bereits mit dem Thema Landwirtschaft auseinandersetzen. Verbraucher, die nur wenig über Tierhaltung und Ackerbau wissen, sind nur schwer anzusprechen. Es bleibt eine He­rausforderung, genau diese Zielgruppe aufzuklären.

Schulung zum AgrarScout
AgrarScouts ermöglichen durch Führungen und Gespräche Einblicke in ihren Hofalltag. Denn viele Landwirte scheuen sich davor, aktiv auf Verbraucher zuzugehen. „Ihnen fehlt die Selbstsicherheit“, sagt Ines Ruschmeyer, Gründerin der Kommunikationsberatung „HofConnect“. Auf Nachfrage des Vereins „Tierhaltung modern und transparent“ der Hochschule Osnabrück hat sie die eintägige Schulung im Namen des Forums Moderne Landwirtschaft für interessierte Studenten angeboten. Rund eine Woche vor der Aktion am Westerberg lernten die Teilnehmer, ohne Fachbegriffe zu kommunizieren und Konflikte mit Verbrauchern zu regeln. Mittlerweile sind rund 430 AgrarScouts in einer Facebook-Gruppe miteinander vernetzt und organisieren so landwirtschaftliche Veranstaltungen.