Besuch im Lachszentrum

Wieder (be-)leben im Rhein

Mitte des vergangenen Jahrhunderts starb der Lachs im Rhein aus. Seit 22 Jahren züchtet der Verein Lachszentrum Hasper Talsperre die Fische. Der Lachs soll wieder in Deutschland heimisch werden.

Drei Meter breite, mit Wasser gefüllte Becken reihen sich aneinander. Die Futtersäcke und Kescher, die danebenstehen, lassen vermuten, dass es hier von Leben wimmelt: Tausende heranwachsende Lachse schwimmen in vier Hallen direkt an der Has­per Talsperre in Ennepetal. „Wir arbeiten daran, den Urzustand der Fließ­gewässer wiederherzustellen,“ erzählt Rainer Hagemeyer, Vorsitzender des Vereins Lachszentrum Hasper Talsperre. Mit „wir“ meint er das Arbeitsteam seines Vereins, die beiden 450-€-Kräfte und den beratenden Betriebsleiter des Lachszentrums sowie die zahlreichen Freiwilligen, die dem Verein zu Stoßzeiten zur Seite stehen.

Fischlose Gewässer

Doch warum braucht es überhaupt ein Lachszentrum?

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren Lachse in den heimischen Gewässern wie dem Rhein zu Hause. „Die rücksichtslose Industrialisierung hat dazu geführt, dass unsere Fließgewässer zerstört wurden“, erklärt Hagemeyer. Das bedeutet: Viele Unternehmen leiteten giftige Abfälle in Flüsse und Bäche. Die Wasserqualitäten verschlechterten sich stark. Zeitweise lebten nahezu keine Fische mehr in den Gewässern. „Als die Menschen in den 1960er-Jahren endlich verstanden, wie wichtig Fließge­wässer sind, wurden Kläranlagen gebaut. Die Wasserqualität verbesserte sich deutlich“, so ­Hagemeyer.

Für den Lachs war es zu spät. Er war im Rheinsystem ausgestorben.

Einige Fischarten überlebten diese schwierige Zeit. „Für den Lachs war es zu spät. Er war im Rheinsystem ausgestorben“, erinnert sich Hagemeyer. Das wollte der gestandene Fischliebhaber ändern. Und so begann er vor 22 Jahren, einen Plan zu schmieden, die Lachse erneut im Rhein heimisch werden zu lassen.

Vom Ei zum Lachs

Zunächst war die Auswahl der neuen Lachsstammart entscheidend. „Wir brauchten einen Stamm, der mit den Laichbedingungen im Rhein gut zurechtkommen würde“, erklärt Hagemeyer. Entscheidend ist dafür bei Lachsen die Wassertemperatur und das Aufkommen von Futter in Form von Plankton beim Schlupf der Larven aus den Eiern. Nach vielen Überlegungen fiel die Wahl auf ­einen Stamm, der im westschwedischen Ätran zu Hause ist.

Nach dem abstreifen werden die Eier in spezielle Erbrütungsbecken gelegt. Sie simulieren die natürlichen Kiesflächengraben. (Bildquelle: Dr. Bernd Stemmer)

In der „Elterntier-Halle“ riecht es deutlich nach Fisch. „ Hier ist unser kostbarstes Gut“, sagt Rainer Hagemeyer stolz und deutet auf ­eine Reihe von grünen Becken, die mit Netzen bedeckt sind. Das kostbare Gut sind die Laichfische und Laichfischanwärter. „Zwei- bis dreimal pro Lebenszyklus können wir die Lachse streifen“, erklärt der 75-Jährige. Dabei werden die Eier vorsichtig aus den Kloaken der Fische abgestrichen und gesammelt. Dann befruchten die Helfer die Eier – von Hand. Sie geben mit einer befüllten Spritze Sper­mien auf die Eier und legen sie in spezielle Erbrütungsbecken. Diese simulieren die in der Natur vorkommenden Kiesflächen.

Aus Süß mach Salz

Ist diese aufwendige Arbeit geschafft, heißt es für die Mitarbeiter: Eierpflege. Und zwar so lange, bis die Larven schlüpfen. Dann gilt es sie zu Junglachsen, den sogenannten Smolts, heranzuziehen, die nach einem Jahr im Einzugsgebiet des Rheins ausgesetzt werden. In diesem Alter findet bei den Smolts ein hormoneller Umschwung statt, der sie dazu antreibt, ihr Süßwasser zu verlassen und ins salzige Meer zu ziehen. Um sich satt zu fressen, schwimmen die jungen Wander­fische bis nach Grönland. „Dann können wir nur noch hoffen, dass die Lachse ihre Reise in den Norden gut überstehen und zum Laichen zurück kommen“, sagt Hagemeyer.

In den Hallen des Lachszentrums schwimmen die Smolts in so genannte Rundstrombecken permanent gegen einen künstlich angelegten Strom an. (Bildquelle: Maria Ackmann)

Ich bin sicher, dass die Einsicht kommen wird, sodass unsere Fließgewässer frei fließen und die Lachse wieder im Rhein beheimatet sein werden.

Auf Basis der Nachkommen will der Verein weiterzüchten. Bislang kommen allerdings nur sehr wenige Tiere zurück. Das liegt nach Einschätzung des Vorsitzenden an dem hohen Aufkommen von Kormoranen und den vielen Wasserkraftanlagen, in denen die abwandernden Smolts verenden. „Es ist noch ein weiter Weg. Was wir Menschen in drei bis vier Generationen zerstört haben, braucht seine Zeit, um wieder zu heilen“, sagt Hagemeyer bestimmt „Aber ich bin sicher, dass die Einsicht kommen wird, sodass unsere Fließgewässer frei fließen und die Lachse wieder im Rhein beheimatet sein werden.“

Rainer Hagemeyer, Vorsitzender des Vereins Lachszentrum Hasper Talsperre (Bildquelle: Schulze Wehninck)

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