Engagement auf dem Land

Werl-Holtum: Mehr Licht und Leben in der Dorfkirche

Zwei Messfeiern im Monat, hin und wieder eine Trauung: Ansonsten stand die Kirche in Werl-Holtum leer. Das hat sich geändert, seit sie im September 2019 „Meditationskirche“ wurde: mit Licht, Musik und gesprochenem Wort.

Agatha strahlt in tiefem Rot. Wenige Schritte neben der Heiligenfigur leuchten die Säulen des Chorraums in Regenbogenfarben. Sonniges Gelb wechselt zu frischem Grün und in tiefdunkles Lilablau. Orgelmusik erklingt, dann auch Gesang: „Wir sagen Euch an den lieben Advent …“

Wenig später steht der Chorraum der St.-Agatha-Dorfkirche von Werl-Holtum in klarweißem Licht. Ein Posaunenchor hebt an zum kraftvollen „Macht hoch die Tür“.

Ein Verein als Eigentümer

Wie von Geisterhand wechseln die Farben, Töne und Lieder. „Es sind die Besucher selbst, die hier Regie führen können“, sagt Klaus Halekotte. Der Holtumer hat die im Sauerland kursierende Idee der „Lichterkirche“ (siehe Kasten) eher durch Zufall entdeckt. Gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern hat er dafür gesorgt, dass die Anlage in Holtum installiert worden ist. „Wir wollten, dass Menschen gerne in unsere Kirche kommen und anschließend erzählen: ,Der Besuch war ein Erlebnis!‘“

„Meditationskirche“ nennt sich seit Kurzem die St.-Agatha-Kirche in Holtum. Sie steht mitten im 1100 Einwohner zählenden Hellwegdorf auf einem Hügel, von alten Linden umgeben. Doch auch wenn es so aussieht: Die Dorfkirche bildete nie das Zentrum einer Pfarrgemeinde. Vielmehr ist sie offiziell – eine Kapelle. Und noch eine Besonderheit: Sie befindet sich nicht etwa im Eigentum einer Pfarre, sondern gehört dem Holtumer „St.-Josefsverein“. Auch für die Instandhaltung und den Betrieb des Gebäudes ist der Verein zuständig, dem heute ­etwa 100 Mitglieder angehören.

Ein Dorf baut sich eine Kirche

All diese Besonderheiten sind nur beim Blick in die Vergangenheit zu verstehen. Über Jahrhunderte war Holtum kaum mehr als eine lockere Siedlung bäuerlicher Hofstätten am Hellweg. Kirchlich gehörte es zur Pfarre im Nachbardorf Büderich. Immerhin gab es lange eine Fachwerkkapelle in Holtum, gestiftet 1746 von einem Landwirt. Gut anderthalb Jahrhunderte später war sie baufällig. Es sei eine „Notsache“, in Holtum eine neue Kapelle zu bauen, meinte damals der Büdericher Pfarrer. Die Holtumer machten rasch Nägel mit Köpfen – oder besser: Sie bauten sich eine neue Kapelle. Doch sie sollte wie eine „echte“ Kirche aussehen – so, wie es sie längst in den Nachbardörfern gab: mit Turm, ­einem großzügigen Kirchenraum mit 160 Sitzplätzen, einer Sakristei, vier Glocken, einer Turmuhr – und was sonst noch alles zu einer...



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