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Landtechnik

Was ist ein hydraulischer Widder?

So etwas sieht man nicht mehr alle Tage: einen hydraulischen Widder. Was ist das überhaupt ­­– ein Tier oder eine Maschine? Im Bergischen Land haben wir eines dieser mittlerweile seltenen Exemplare in Aktion gesehen.

Das Ventil ist das Herzstück dieser Pumpe. Hier entsteht das Geräusch, wenn das Wasser anrauscht.

Klonk. Pause. Klonk. Pause.Klonk. Noch ist das Geräusch schwach und dumpf. Doch mit jedem Meter, den man näher an den alten Holzschuppen auf der Wiese kommt, wird es lauter. Klonk macht es gleichmäßig im Zwei-Sekunden-Takt. „Das permanente Klopfen ist der Nachteil an der Pumpe“, sagt Dr. Hermann Platzen. Aber wen stört es hier? Niemanden. Der Schuppen steht Mitten im Grünen, ringsum nur Bäume, hohes Gras und Teiche, in denen Frösche quaken. Idyllisch ist es in Liefenroth, einem Ortsteil der Stadt Gummersbach im Oberbergischen Kreis. Was da im Schuppen klopft ist ein hydraulischer Widder. Eine alte Technik, die heute noch funktioniert – wie hier im Bergischen, im Sauerland oder im Allgäu zu sehen ist.

Funktionsweise des Widders

So arbeitet der Stoßheber (Widder): Wasser aus dem Strombach fließt in einen Teich und wird durch ein Rohr erst in ein Vorbassin und weiter zum Widder geführt. Der Widder steht 1,5 m tiefer als der Teich. Durch das Gefälle fließt das Wasser automatisch in die Pumpe. Das schnell ankommende Wasser wird in der Anlage durch ein Ventil gestoppt. Der Stoß erzeugt ein Geräusch: Klonk. Dann öffnet ein zweites Ventil und Wasser strömt in einen Windkessel. Das zweite Ventil schließt sich. Im Windkessel steigt das Wasser und wird in eine Triebleitung gedrückt. Mittlerweile ist das erste Ventil wieder geöffnet. Neues Wasser rauscht an. Wieder stoppt das Ventil den Wasserfluss. Klonk. Der gesamte Vorgang wiederholt sich stetig im Zwei-Sekunden-Takt. Stoß für Stoß wird das Wasser in die Triebleitung und weiter durch eine PVC-Leitung über 400 m Länge zu den Tränken auf der Wiese gedrückt: 1000 l Wasser pumpt die Anlage in 24 Stunden und das ohne Strom nur mit Wasserkraft. Das macht für Hermann Platzen den Wert dieser alten Technik aus. „Keine Fremdenergie, keine laufenden Kosten, wartungsarm und langlebig“, zählt er die Vorteile auf. Der einzige Nachteil – neben dem Klopfen – ist die Kälteanfälligkeit. Deswegen muss Platzen die Anlage im Winter komplett abbauen. Die Installation im Frühjahr vor Beginn der Weidesaison ist auch jedes Mal aufs Neue ein kleiner Akt. Aber ab dann ist der Widder unermüdlich im Einsatz und leistet stur seine Arbeit.

Woher der komische Name?

Die Sturheit verpasste der Pumpe allerdings nicht den Namen „Widder“. Die Bezeichnung geht auf Joseph Michel Montgolfier zurück. Der Franzose entwickelte diese Pumpe bereits 1796 und nannte sie angeblich Widder, weil beim Schließen des Ventils eine Kraft „wie der Stoß eines Widders“ entsteht. Heute bietet beispielsweise das Unternehmen WAMA in Bayern die Pumpen an. Hermann Platzen hat hier einen Ersatzwidder gekauft. Ob und wann er ihn braucht, weiß er nicht. Der alte arbeitet verlässlich, stur und monoton. Klonk. Pause. Klonk. Pause. Klonk. Solange er klopft, ist alles gut.