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Veener Dorfgespräche

Was Dörfer lebenswert macht

„Wahnsinn, Liebe und Glückseligkeit“: Das sind die Versprechen für die Bürger der Festival-Stadt Parookaville. Was das Spektakel den realen Nachbarorten am Niederrhein bringt, war eines der Themen bei den Veener Dorfgesprächen.

Einmal im Jahr kommt zu den Orten am Niederrhein eine Großstadt: Parookaville. 70 000 Besucher bevölkern drei Tage lang die Festival-Stadt auf dem Flughafen in Weeze.

Eine tolle Party für Weeze: Die wollten Bernd Dicks und zwei Freunde vor acht Jahren auf die Beine stellen. 5000 kamen zur Strand-Party vor dem Rathaus. Heute organisieren der 36-Jährige und seine Kompagnons auf dem Weezer Flughafen das Festival „Parookaville“. Im Juli diesen Jahres feierten 70 000 Gäste an drei Tagen in Folge. „Unser Umsatz ist mittlerweile größer als der Haushalt von Weeze“, scherzte Dicks jetzt bei den Veener Dorfgesprächen. Dicks und vier weitere Gäste plauderten auf dem Spargelhof Schippers vor über 200 Gästen darüber, was Dörfer lebendig hält und was sie lebenswert macht.

Was die fünf Gäste auf dem Podium verband: Sie alle sind Dorfkinder. Genauso wie die Organisatoren der Dorfgespräche. Irmgard Höpfner, Dr. Michael van Beek und Sascha van Beek leben in dem 1800-Einwohner-Ort Veen, der zu Alpen im Kreis Wesel gehört. Im vergangenen Jahr haben sie die Dorfgespräche aus der Taufe gehoben, um den Machern in den Dörfern Mut zu machen.

Traditionen erklären

„Eine funktionierende Nachbarschaft ist im Dorf das A und O“, sagt Birgit Ingenlath. Mit ihrer Familie betreibt sie in Sonsbeck den Kerstgenshof. Aus dem Bauernhof ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Campingpark geworden. „Wenn wir bauen, laden wir als Erste unsere Nachbarn ein und stellen ihnen vor, was wir vorhaben.“ Die Alteingesessenen in den Dörfern müssten offen für neue Nachbarn sein. Dazu gehöre es auch immer wieder, Traditionen und Notwendigkeiten zu erklären, betonte Tim Hartmann. In seinem Blog schreibt er darüber, warum er das Dorf der Stadt vorzieht. Im direkten Gespräch lasse sich erklären, warum während der Ernte schonmal in der Nacht Mähdrescher durch den Ort fahren und warum beim Schützenfest die Blaskapelle morgens um fünf durchs Dorf marschiert.

Mario Hecker ist Bürgermeister der Gemeinde Kalletal in Lippe. Er versucht, Treffpunkte für neue und alteingesessene Einwohner zu schaffen und Kindern Erlebnisse zu ermöglichen, die sie positiv mit ihrem Heimatort verbinden. Auch deshalb gibt es eine „Dorfhochschule“. Zum Programm gehören Tanzstunden, Strickkurse oder auch Handwerker-Tipps unter dem Titel „Übe, sprach der Dübel“.

Auf dem Podium plauderten (v.l.) Festivalerfinder Bernd Dicks, Camping-Bäuerin Birgit Ingenlath, Blogger Tim Hartmann, Kalletals Bürgermeister Mario Hecker, Weihbischof Rolf Lohmann und Moderator Sascha van Beek.

Mit Mut in die Zukunft

„Wir wollen, dass die Kirche im Dorf bleibt und auch Orte der Begegnung unterhält, wie zum Beispiel die Pfarrheime“, erklärte Rolf Lohmann, Weihbischof des Bistums Münster für die Region Niederrhein. Ein Zurück zum Zustand vergangener Zeiten, das funktioniere in keinem Dorf, in keinem Verein und auch nicht in der Kirche.

„Mut ist ganz wichtig“, sagt Festivalmacher Bernd Dicks. Ohne den würde es Parookaville heute nicht geben. „Wir waren einfach überzeugt von ihrer Idee.“ Auflagen und finanzielles Risiko schreckten sie nicht ab. Mittlerweile stemmt ein Team von 30 Festangestellten die Organisation, unterstützt durch viele regionale Firmen. Am Festival-Wochenende sind über 6000 Mitarbeiter im Einsatz.

www.dorfgespraeche.org

Ein Interview mit den Organisatoren lesen Sie in der Ausgabe 46/2019 des Wochenblatts.