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Aktiv in Rente

Ruhestand – Da geht noch was!

Ruhestand: Bei den einen überwiegt die Freude. Endlich in Rente! Bei den anderen machen sich Wehmut und Unsicherheit breit. Wie geht es nach dem Arbeitsleben weiter? Wir haben Wochenblatt-Leser gefragt.

Eberhard Splete (75) macht alte Landtechnik mobil. Ihn und weitere Leser stellen wir in Folge 24/2018 vor.

Aus dem Fenster gucken, am Gartenzaun mit dem Nachbarn quatschen, eine Runde mit dem Hund gehen, Zeitung lesen – das können nicht die Highlights in der Rente sein. Wer sich von dem aktiven Arbeitsleben in den Ruhestand verabschiedet, sollte wissen, auf was er sich einlässt und vor allem, wie er die nötige Unruhe in den Ruhestand bringt. Wir fragten Leser, worauf sie sich im Ruhestand freuten, aber auch, welche Bedenken sie hatten.

Fulltime-Job im Museum

Einer von ihnen ist Eberhard Splete (75) aus Bad Essen in Niedersachsen. Der Landwirt ist seit 2006 in Rente. 1990 stellte er seinen Betrieb auf Nebenerwerb um und arbeitete bis Ende 2005 in der Industrie. Das ist seine Geschichte: Hier eine Schraube festziehen, dort einen Zinken in die Harke setzen oder Staub aus der Ausstellungshalle fegen. Eine Drillmaschine oder einen Traktor von anno dazumal flottmachen oder Brause, Kaffee und Kuchen für den nächsten Schautag organisieren: Ein Traktoren-Museum ist ein wahrer Vollzeitjob und für Eberhard Splete genau das Richtige. Denn das wusste der 75-Jährige, bevor er in Rente ging: Er wollte nicht zu denen gehören, die nach vier Wochen wieder im Betrieb stehen, weil ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. Er brauchte „den gewissen Kick“, wie er sagt.

Der Normag-Schlepper ist einer von 250 Maschinen, die Eberhard Splete restauriert.
Jeden Tag ist der Rentner auf der Anlage des Traktorenmuseums, mal allein, mal mit Kollegen. Das liegt auch daran, dass der 75-jährige Landwirt erster Vorsitzender des Vereins Traktoren und historische Landmaschinen Grönegau-­Buer mit 1000 Mitgliedern ist. Mit dem Ehrenamt hat er 2011 eine Menge Verantwortung und Organisation übernommen. Jeden ersten Sonntag im Monat ist hier Tag der offenen Tür. Einmal in der Woche sind Schüler aus Buer im Museum und schrauben mit Eberhard Splete an den alten Dieselrössern. Sein Ehrenamt macht Arbeit und manchmal schafft der 75-Jährige nicht alles, was er sich vorgenommen hat. „Dann verschiebe ich es auf den nächsten Tag“, sagt er und startet den Normag-Schlepper.

Persönliche Geschichten

Natürlich sind Geschichten wie diese keine Musterlösungen, sondern persönliche Geschichten, die zeigen, was „andere so machen“. Es sind Geschichten von Menschen, die ihren Ruhestand selbstbestimmt in die Hand nehmen. Was wir allerdings nicht zeigen, sind die Geschichten von Altenteilern, die nicht mehr selbstbestimmt das tun und lassen können, was sie wollen. Denn der Ruhestand hat nicht nur schöne Seiten. So gibt es das Beispiel von der einen Landfrau, die 40 Jahre an der Seite ihres Mannes für den Betrieb ackerte, die Kinder großzog und die Schwiegereltern pflegte, ehrenamtlich tätig war und nebenbei außerlandwirtschaftlich arbeitet. Die freut sich auf Rente. Doch bevor der Rentenbescheid auf dem Tisch liegt, zeigte ihr das Schicksal, wie fies es sein kann. Nicht etwa, dass die Hofübergabe platzt. Nein, der Mann, der ein Leben lang für den Hof gearbeitet hat, erkrankt, Diagnose: Krebs. Oder das Beispiel von den frisch gebackenen Altenteilern, die sich auf ihren ersten gemeinsamen Urlaub freuen – als sie mit 66 bei einem Unfall stirbt. Auch diese Geschichten gibt es, und sie gehören dazu. Sind sie es nicht, die zeigen, dass die beste Zeit im Leben jetzt ist?

In Wochenblatt-Folge 24/2018 stellen wir ab Seite 76 die Hobbys, Ehrenämter und Tätigkeiten einiger weiterer Leser vor.

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