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Direktvermarktung

Plastikfrei einkaufen im Hofladen

Einkaufen ohne Plastik-Verpackungen – das geht im neuen Hofladen der Familie Austermann in Warendorf. In der „Unverpackt-Ecke“ können Kunden ihre Wunschprodukte in mitgebrachte Gläser und Dosen füllen.

Johanna Austermann (li). betriebt in Warendorf einen Hofladen für plastikfreies Einkaufen.

Dass das Frühstücksmüsli Johanna Austermann die Idee für die „Unverpackt-Ecke“ in ihrem neuen Hofladen lieferte, erzählt sie gerne. „Ich mixe mir mein Müsli immer aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Da man die Zutaten nach dem Einkauf meist sowieso in eigene Gefäße umfüllt, dachte ich, das könnte man ja auch direkt im Laden machen“, erzählt die junge Unternehmerin. Und so bringen die Kunden heute ihre eigenen Gläser, Flaschen oder Dosen mit, wiegen diese eigenständig vor dem Befüllen ab und befüllen sie dann.

Getrocknete Pflaumen oder Rosinen lagern in Plexi­glas-Kästen und werden mit einer Schippe entnommen.

Leergewicht wird abgezogen

„Die Kunden müssen das Gewicht der Gefäße nicht notieren. Die Waage spuckt ein Etikett aus, auf dem das Gewicht vermerkt ist. Nach dem Befüllen wird das Leergewicht des Behältnisses einfach abgezogen“, erklärt Johanna Austermann. Haben die Kunden ihr Gefäß vergessen oder besuchen sie zum ersten Mal den Hofladen, können sie auch Flaschen, Gläser, Dosen in verschiedenen Größen erwerben. Die Liste für die unverpackten Produkte ist lang. Nudeln, Müsli, Linsen, Reis, Mehl, Trockenfrüchte, Tee, Öl, Essig und vieles mehr gibt es heute unverpackt im Laden zu kaufen.

Neuer Hofladen bereits eröffnet

„Endlich haben wir Platz für all unsere Ideen“, freut sich Johanna Austermann, die gemeinsam mit ihrer Mutter Ursula den neuen Laden betreibt. Der ehemalige Hofladen direkt nebenan war deutlich kleiner und merklich dunkler. Das Gebäude wird künftig umgenutzt. Erst seit Anfang Juni dieses Jahres hat die neue 140 m2 große Verkaufsstätte mit gläserner Produktion geöffnet. Ein Café mit 20 Innen- und 50 Außenplätzen lädt zum Verweilen ein. Ein Schweinestall wurde für das Projekt abgerissen. Noch stehen nicht alle Produkte im neu errichteten Hofladen an ihrem endgültigen Platz und auch ein paar Regale müssen noch eingeräumt werden. Eigentlich war die Eröffnung erst für Mitte Juni geplant. Doch weil eine Kühlung den Geist aufgab, wurde die Eröffnung spontan vorgezogen. So können die Kunden in Warendorf schon jetzt plastikfrei einkaufen.

Eine Mitarbeiterin füllt die Plexiglas-Schütten mit Ware auf. 12,5 kg passen in die Gefäße.

Nachhaltig und aus der Region

Außer Nudeln können die Kunden keines der Produkte aus der Unverpackt-Ecke als verpackte Variante im Laden kaufen. „Mir ist es wichtig, dass die Produkte, die wir für unsere verpackungsfreie Ecke zukaufen, aus der Region kommen“, so die junge Frau. Vieles kauft sie beim Naturkosthandel Davert im nahe gelegenen Ascheberg, der Kaffee kommt aus Warendorf. Die meisten Produkte im Hofladen Austermann stammen aber aus eigenem Anbau und eigener Produktion. Auch hier achtet die Chefin auf nachhal­tige Verpackungen.

Papiertüten, Stoffnetze und Gläser

Für die eingelegten Gurken, die Fertiggerichte, Backmischungen, Senfsoßen usw., verwenden die Austermanns Weckgläser. Das Pfand dafür ist bereits im Verkaufspreis enthalten. Einige Kunden behalten die Weckgläser, andere bringen sie zurück und erhalten das Pfand zurück. Für das Obst und Gemüse vom eigenen Betrieb eignen sich Stoffbeutel oder Baumwollnetze, die die Kunden für 1,50 € kaufen können. Auch Papiertüten stehen zur Verfügung. „Viele Verbraucher denken, Salate und Erdbeeren müssten in Plastik transportiert werden, aber dafür eignen sich auch Stoffbeutel, die man ganz einfach waschen kann“, so Johanna Austermann. Problematisch wird es allerdings bei geschältem Spargel, der sehr feucht ist. Diesen geben die Mitarbeiter immer noch in Plastiktüten aus. „Wir stellen bald auf Papiertüten mit einer speziellen Beschichtung um, aber zum nachhaltigen Gedanken gehört ja auch, den Bestand noch aufzubrauchen und nicht einfach wegzuschmeißen“, ist die Direktvermarkterin überzeugt.

Extra-Dose für Fleisch

Das bisher noch vakuumierte Fleisch und der Aufschnitt von den eigenen Tieren soll bald in einer Frischetheke liegen. Auch hier können die Kunden die eigenen Gefäße mitbringen. Die Mitarbeiterin wiegt das Fleisch oder den Aufschnitt und legt es dann mit einer Zange in das Behältnis des Kunden, welches oben auf der Theke steht. „Wichtig ist, dass unsere Mitarbeiterin das Gefäß nicht berührt. Das sind die Vorschriften“, so Johanna Austermann.
Die junge Frau ist gespannt, wie das neue Konzept bei den Kunden ankommt. „Viele Leute, die auf dem Land einkaufen, haben schon ein großes Nachhaltigkeitsbewusstsein. Ich denke, unsere Kunden sind offen für Neues.“

Die offizielle Eröffnung des neuen Hofladens findet am 20. Juni statt. Der Hofladen ist von Montag bis Samstag von 9 bis 18 Uhr geöffnet und sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr.