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175 Jahre Wochenblatt

Picknick mit der Frauenbank

Hallo, Frau Nachbarin: Gute Nachbarschaften entstehen nicht von allein. In Erwitte-Eikeloh brauchte es eine Bank, einige dynamische Frauen und eine gute Idee, damit Einheimische und Zugezogene über Generationen hinweg zusammenwachsen.

Zur Frauenbank in Erwitte-Eikeloh gehören Frauen ganz unterschiedlichen ­Alters. Gerade das macht die Treffen so interessant.

In der Schultenstraße in Erwitte- Eikeloh im Kreis Soest geht es eher beschaulich zu. Zwei Höfe, einige Einfamilienhäuser – viel los ist hier nicht. Doch jeden ersten Freitagabend im Monat kommt Leben in die Straße. Nach und nach kommen die Frauen aus den Häusern. Ihr Ziel: die Frauenbank auf dem Hof Schrop. Sie wissen: Jetzt kann ich für ein, zwei Stunden Spaß haben und den Alltag Alltag sein lassen.

Wir haben die Frauenbank im Rahmen unserer Jubiläumsaktion besucht.

Eine Bank als Treffpunkt

Erwitte-Eikeloh ist ein Örtchen mit etwa 500 Einwohnern. Eigentlich sollte man meinen, dass hier jeder jeden kennt. Doch so war es lange Zeit nicht. Oft gingen die Frauen aus der Schultenstraße aneinander vorbei und es reichte nur für ein kurzes „Hallo“. Ein Straßenfest oder ähnliche gemeinsame Aktivitäten gab es hier nie.

Die Frauenbank

Die Frauenbank ist ein Treffpunkt für die Frauen der Schultenstraße in Erwitte-Eikeloh. An jedem ersten Freitag im Monat treffen sich die Frauen um 19 Uhr an der Bank auf dem Hof Schrop, um sich über Aktuelles oder Vergangenes auszutauschen. Im Winter und bei schlechtem Wetter werden die Treffen in die Werkstatt verlegt. Derzeit sind 15 Frauen zwischen 13 und 88 Jahren regelmäßig dabei.

„Irgendwie hat was gefehlt“, bringt es Melanie Rieke auf den Punkt. Sie ist nicht in Eikeloh geboren und hatte wenig Kontakt zu den anderen Frauen. Das wollte die 47-Jährige ändern. Die passende Idee hatte Martina Bunse. Im Sommer 2017 fiel ihr eine Bank ins Auge, die auf dem Hof Schrop steht. Da es in Eikeloh bereits eine Männerbank gibt, kam sie auf den Gedanken: „Was die Männer können, das können wir auch.“

Marion Schrop und Melanie Rieke waren sofort begeistert. Kurzerhand ließen sie ein Schild mit der Aufschrift „Frauenbank“ anfertigen und befestigten es an der Holzbank. Sie fanden, hier sei ein guter Platz, um sich im Sommer abends ein Stündchen zwischen Jung und Alt auszutauschen.

Das lockere Treffen war von Anfang an ein Angebot an alle Frauen aus dem nördlichen Teil der Schultenstraße. Die Initiatoren gingen von Haus zu Haus und luden die Frauen zu dem Treffen ein. Ein fester Termin war schnell gefunden: Am ersten Freitag im Monat ist seitdem „Frauenbank“.

Bunt gemischte Truppe

Die Akteure sind bunt gemischt. An der Bank treffen sich junge Mädchen, Mütter und Seniorinnen, geborene Eikeloherinnen ebenso wie Zugezogene. Nicht alle sind der Einladung gefolgt. Einige waren auch nur ein- oder zweimal dabei und sind dann nicht mehr gekommen. Aber das macht nichts. Denn die Frauenbank ist ein Angebot zum Austausch, zum Klönen und zum Kennenlernen, ohne Zwang oder Verpflichtungen.

Für das leibliche Wohl ist bei den Treffen gesorgt. Fast immer hat irgendjemand eine kleine Leckerei dabei. Das kann ein Dip sein, leckere Brötchen, eine neue Marmelade oder auch mal ein Likör. Die Rezepte werden natürlich ausgetauscht.

Den anderen kennenlernen

Das Wichtigste ist aber das Klönen. Und das ist gerade deshalb so interessant, weil hier Jung und Alt zusammenkommen. „Es ist schön zu hören, was die jungen Leute alles so machen“, sagt die 82-jährige Waltraud Schmeing.

Für Melanie Rieke, die 2005 nach Eikeloh gezogen ist, sind die Treffen an der Frauenbank eine gute Gelegenheit, mehr über den Ort und die Leute zu erfahren. Das geht am besten, wenn die älteren Frauen von früher erzählen „Die haben damals viel mehr über die Stränge geschlagen als wir heute“, stellt Magdalena Risse lachend fest.

Neben Klatsch und Tratsch geht es in den Gesprächen aber auch um praktische Themen. „Hier habe ich zum Beispiel gute Ideen bekommen, was ich aus Waldmeister machen kann“, sagt Melanie Rieke.

Für solche Gespräche fehlte vorher ein geeigneter Ort. In Eikeloh gibt es keinen Laden, keinen Bäcker, keine Schule und lediglich eine sogenannte Wechselwirtschaft, also eine Kneipe, die nur sporadisch geöffnet ist. Das finden nicht nur die Erwachsenen schade, sondern auch die jungen Leute. Eine Jugendgruppe gibt es nur für die älteren Jugendlichen. Für die unter 16-Jährigen gibt es in Eikeloh nichts. Deshalb fragte Emma Schrop ihre Mutter, ob sie mit zur Frauenbank kommen dürfte. Die 15-Jährige und die 13-jährige Martha Rieke sind jetzt die Jüngsten in der Gruppe.

Spaß steht im Vordergrund

Nach inzwischen zwei Jahren ist die Frauenbank zu einer festen Institution geworden. Neben den regelmäßigen Treffen hat es auch schon gemeinsame Aktionen gegeben, wie eine Fahrradtour, ein Picknick, ein Sommerfest oder einen Grillabend mit Männern und Kindern. Es kommt auch vor, dass die Frauen gemeinsam kochen.

Einig sind sie sich aber darin, dass die Treffen an der Frauenbank nicht ausarten sollen. Länger als zwei Stunden dauern sie selten. Und noch etwas zeichnet die Treffen aus: Es wird nicht über die Arbeit gesprochen. Frauenbank – das bedeutet Abschalten, nette Gespräche führen und Spaß haben.

Abseits der regelmäßigen Treffen hat sich durch die Frauenbank der Alltag in der Schultenstraße schon ein klein wenig verändert. Anstelle eines knappen Grußes gibt es jetzt zum Beispiel einen Plausch am Gartenzaun. Die Frauen fühlen sich auch mehr als bisher füreinander verantwortlich. „Ich melde mich jetzt immer bei Waltraud ab, wenn ich in den Urlaub fahre“, sagt Martina Bunse.

So ist durch eine einfache Idee ­eine neue Gemeinschaft entstanden. Melanie Rieke findet: „Das ist Dorf­leben!“

Noch eine Geschichte über eine tolle Picknick-Aktion ist hier: