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175 Jahre Wochenblatt

Picknick auf der Streuobstwiese

Wenn Senioren anpacken: Sechs Rentner haben in Husen eine Streuobstwiese reaktiviert. Das Wochenblatt hat das ehrenamtliche Engagement belohnt – mit einem Picknick im Rahmen unseres Jubiläums zum 175. Geburtstag.

Diese sechs Senioren aus Lichtenau-Husen im Kreis Paderborn haben eine verwilderte Streuobstwiese auf Vordermann gebracht.

Der Heimatdichter und Ortsheimatpfleger Josef Dissen spricht von seinem „feinen Dorf im Tale, umringt von Waldeshöhen, existiert fast tausend Jahre, einst entstand, wo Wege gehen“. Doch der Blick in die Vergangenheit, das wissen die Husener nur allzu gut, darf die Menschen eines Dorfes nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen. Was kann man tun, damit ein Dorf attraktiv bleibt, die Jungen da bleiben und die Alten eine sinnvolle Beschäftigung ausüben?

Im besten Rentenalter

Sechs Senioren aus Husen haben seit Herbst 2018 ein Projekt in die Tat umgesetzt, das Lob und Anerkennung verdient. Die Truppe, alle über 65 Jahre und im besten Rentenalter, hat eine verwilderte Streuobstwiese am Ortsrand auf Vordermann gebracht und somit ein Kleinod für die Natur und Dorfbewohner geschaffen. Das Wochenblatt hat die Aktion mit einem Picknick im Rahmen seines 175-jährigen Jubiläums belohnt.

Bei herrlichem Sonnenschein wurde gegrillt, es wurden Fotos geschossen und Gedanken ausgetauscht. „Wir lieben das Landleben und sind begeisterte Wochenblatt-Leser. Über das Picknick haben wir uns sehr gefreut“, sagte Josef Dissen.

Husen hat 1100 Einwohner und gehört zur Stadt Lichtenau im Landkreis Paderborn. Sein Wahrzeichen ist der kleine Fluss Altenau, der sich durch den Ort schlängelt. Doch die Idylle trügt. Bei einem Hochwasser am 17. Juli 1965 gab es Tote und Verletzte im Altenautal. Nach der Katastrophe wurden oberhalb von Husen zwei Regenrückhaltebecken angelegt, um die Anwohner im Tal zu schützen. Das hat bis heute funktioniert.

Tipp:

Das Interesse ließ nach

1996 hatte die Stadt eine Grünlandfläche am Dorfrand von Husen „Auf dem Hungerkämpe“ der St. Sebastianus Schützenjugend, Bezirk Büren, verpachtet. 150 Jung­schützen pflanzten ab 1999 eine Hecke um das Gelände, setzten heimische Obstbäume, bauten eine Schutzhütte. „Damals gab es Gelder aus Mitteln des Landesjugendplanes“, erinnert sich der ehema­lige Schützenoberst und pensionierte Forstbeamte Bruno Wiemers.

Doch das Interesse der Jungschützen an ihrem Refugium, offiziell ein Naturlehrpfad, ließ im Laufe der Jahre immer mehr nach. Die Hecke wucherte, Obstbäume wurden nicht mehr geschnitten, Gras und Büsche wuchsen. „Ehrenamtliche vom NABU hatten bereits ein Auge auf die verwilderte Fläche geworfen“, erzählt Dissen.

Blick auf die Streuobstwiese am Dorfrand von Husen. Vorn der neu aufgetürmte Steinhaufen, der Eidechsen und Salamander Unterschlupf bietet.

Eine Gruppe von Rentnern trifft sich einmal im Monat in einer Gaststätte des Dorfes. Im Sommer 2018 entstand – auch mit Blick auf das Kreisschützenfest 2019 in Husen – die Idee, sich um die verlotterte Streuobstwiese zu kümmern. Danach fackelte die sechsköpfige Truppe, angetrieben vom ehemaligen Postboten und Nebenerwerbslandwirt Josef Dissen, 67, und Bruno Wiemers, 74, nicht lange.

Mit Plan und Augenmaß

  • Die ausufernde, hohe Hecke rund um das Gelände, etwa 2  ha, wurde fachgerecht gestutzt.
  • Die Obstbäume wurden im Herbst/Winter 2018/19 aus- und zurückgeschnitten. „Altbauer“ Anton Huschen rückte mit Radlader und Sicherheitskorb an.
  • Baum- und Heckenschnitt wurden klein gehäckselt, das Häckselgut wurde in den Laufwegen auf dem Gelände verbaut.
  • Mit viel Liebe und Fachkenntnis hat die Truppe sechs Vogelkästen selbst gebaut und auf dem Areal aufgehängt. Ein Nistkasten für den Steinkauz wurde angebracht sowie Kästen für Hummeln und Hornissen installiert.
  • Auf einer Teilfläche wurde eine insektenfreundliche Blumen- und Kräutermischung angelegt.
  • Zudem hat das Team Tische und Bänke neu gebaut und ein preisverdächtiges Insektenhotel am Rande des Geländes neu erstellt. Ein weiteres Insektenhotel der Rentner steht mitten in Husen.
  • Schließlich wurde auch noch ein Steinhaufen für Salamander und andere Eidechsen angelegt.

Weiter Pläne im Kopf

Das Picknick am 12. September war gut besucht. Vorne links Wochenblatt-Redakteurin Britta Petercord.

Laut Wiemers hat die Gruppe etwa 600 Stunden freiwillig geleistet, das Material hat 1000 € gekostet. „Die Arbeiten haben uns großen Spaß gemacht“, sagt Wiemers. „Jeder hat seine Talente und Fähigkeiten eingebracht“, ergänzt Dissen. Doch war die Streuobstwiese eine einmalige Aktion der rüstigen Rentner?

Nein, hieß es beim Picknick. Die Gruppe hat bereits weitere Pläne im Kopf. Das Obst der Streuobstwiese möchte man zu Apfelsaft pressen und lokal vermarkten (in diesem Jahr ist die Blüte komplett erfroren), neue Informationsschilder für Radfahrer und Wanderer aufstellen und sich auch noch um andere öffentliche Grundstücke im Dorf kümmern. „Wir wollen nicht mit dem Spazierstock Husen umrunden. Wir haben noch viel vor“, verspricht der Heimatdichter Josef Dissen.

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