Deutscher Landfrauenverband

Petra Bentkämper: Es müssen Taten folgen Plus

Die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, Petra Bentkämper, über zu wenige Frauen in Politik und Berufsstand sowie die Rolle der Landfrauen als Mittlerinnen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.

Agra-Europe: Der Bundesfinanzminister will die Gemeinnützigkeit davon abhängig machen, dass Vereine sowohl Männer als auch Frauen als Mitglieder zulassen. Wann können Männer einen Mitgliedsantrag beim Landfrauenverein stellen?

Petra Bentkämper: In den meisten Ortsvereinen des Deutschen Landfrauenverbandes (dlv) können sie das jetzt schon. Sie werden dann in der Regel als förderndes Mitglied aufgenommen.

Sie fürchten nicht um die Gemeinnützigkeit?

Nein. Zunächst einmal ist ja nicht jeder Verein automatisch gemeinnützig, auch der dlv nicht. Zum anderen sind reine „Frauen- oder Männervereine“ rechtlich auch in Ordnung, wenn sie der Förderung der Allgemeinheit dienen. Für Landfrauenvereine, die sich ja für die Gleichstellung ­einsetzen, sehe ich deshalb keine Gefahr.

Deutsche Agrarpolitik wird ­inzwischen zu einem großen Teil von Frauen verantwortet. Das gilt für den Bund, aber auch für wichtige Agrarländer wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Was bedeutet das für den Politikstil?

Das stimmt nur in Teilen. Eine Frau an der Spitze bedeutet nicht automatisch, dass die Agrarpolitik in Frauenhand liegt. Noch immer sind Frauen im Agrarbereich klar unterrepräsentiert. Frauen haben aber eine andere Herangehensweise an Probleme als Männer. Vieles läuft sachlicher, ergebnisorientierter und damit schneller ab.

Woran machen Sie das fest? Liegt es nur an den Männern?

Wenn Männer in Gremien sitzen, dann sagt der Erste etwas und der Dritte das Gleiche noch mal, und der Siebte wiederholt das, was die beiden vorher gesagt haben, weil er es ja noch einmal betonen muss. Für viele Frauen ist das reine Zeitverschwendung. Die wollen schneller zu Ergebnissen kommen. Das gilt nach meinen Erfahrungen sowohl für die staatliche Politik als auch die Verbandsarbeit.

Haben die gegenwärtigen Verstimmungen zwischen Politik und Berufsstand auch etwas damit zu tun, dass auf der einen Seite Frauen und auf der anderen überwiegend Männer sitzen?

Mit Sicherheit. Mehr Frauen in poli­tischer Verantwortung täten dem Berufsstand gut. Da gibt es gar kein Vertun.

Verbandsarbeit noch zeitgemäß?

Ist die verbandliche Aufteilung in die Bauern und die Landfrauen dann noch zeitgemäß?

Ja. Wir sind ein selbstständiger Verband und haben ein breites Spektrum an Themen, das weit über die Landwirtschaft hinausreicht. Ich nenne nur die Stich­worte Frauen- und Gesellschaftspolitik, ländliche Entwicklung, Ernäh­rung, Erzeuger-Verbraucher-­Dialog. Bis auf drei sind alle Landesverbände eigenständig. Dafür haben wir lange gekämpft, und das wird auch so bleiben.

Die Situation auf den Be­trieben hat sich gewandelt. Wa­rum sind im Jahr 2019 noch so wenige Bäuerinnen im Bauernverband aktiv?

Ich will es mal vorsichtig for­mulieren: Es fehlt in männer­dominierten Verbänden wie dem Bauernverband eine gewisse Willkommenskultur, was die Mitarbeit von Frauen angeht.

Gibt es denn genügend ­Frauen, die bereit wären, in der ersten Reihe eines, wie Sie ­sagen, männer­dominierten Verbandes mitzuwirken?

Klar gibt es die. Wir müssen sie nur fördern und ihnen vermitteln, dass sie gebraucht werden. Wenn es Frauen gibt, die Lust auf politische Interessenvertretung haben und fachlich geeignet sind, dann erwarte ich von einem Bauernverband, dass er sagt: „Mensch, klasse, dich unterstützen wir!“ Im wahren Leben kommt das bislang allerdings noch viel zu selten vor.

Kanidatur Schulze Bockeloh

Mit Susanne Schulze Bockeloh kandidiert aber erstmals eine Frau für das Präsidentenamt des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes.

Das ist ein...

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