Ran an die Farbrollen

Mit Farben Räume gestalten

Sie möchten in Ihrem Haus etwas ändern? Wie wäre es mit einem frischen Anstrich? Malermeisterin Annette Kremann-Feidiker hat Tipps für Einsteiger und für alle, die es farbig lieben.

Mit Farbe Räume gestalten – das ist die Herzensangelegenheit von Annette Kremann-Feidiker. Vor mittlerweile 17 Jahren hat sich die Malermeisterin auf dem Hof der Familie in Warendorf selbstständig gemacht. Seitdem hat sie zahlreichen Familien und Unternehmen auf dem Land und in der Stadt dabei geholfen, ihre Wände und Decken zu ­gestalten. Die Kunden zu beraten, mit ihnen gemeinsam zu überlegen, wie sich ein Raum oder ein ganzes Haus besonders gut in ­Szene setzten lässt – das ist es, was ihr an ihrer Arbeit besonders viel Freude bereitet.

Decken höher wirken lassen

Mit Farben lässt sich dabei das Raumgefühl positiv beeinflussen. Bei niedrigen Decken kann ein Anstrich, der heller ist als die Wandfarbe, dafür sorgen, dass der Raum höher wirkt. Den oberen Rand der Wände sollten Sie in einer Höhe von etwa 10 bis 15 cm ebenfalls in der Deckenfarbe streichen, rät Annette Kremann-Feidiker. Ein weiterer Tipp, der im ersten Moment überraschend klingt: Setzen Sie eine dünne Linie von etwa einem halben Zentimeter am Übergang zwischen Wand- und Deckenfarbe. „Die Linie ist eine optische Grenze. Wenn danach noch einige Zentimeter Wand folgen, wirkt der Raum optisch höher“, erläutert sie. Ist ein Raum sehr hoch, können andersherum dunkle Farben helfen, die Decke optisch ein Stück niedriger wirken zu lassen.

Vor allem Typsache

Das Prinzip lässt sich theoretisch auch auf die Wände übertragen: Soll ein Raum weiter wirken, empfehlen sich helle Wände und eine dunkle Decke. Dunkle Wände wiederum können dazu beitragen, ­einen Raum schmaler wirken zu lassen. An der Kopfseite eines langen Flures können sie ihn optisch verkürzen. Auch wenn das Grundprinzip stimmt – mit pauschalen Aussagen dazu, welche Farben für welchen Raumzuschnitt am besten geeignet sind, ist die Malermeisterin zurückhaltend. „Bei der Farbauswahl spielen viele Faktoren ­eine Rolle. Es geht nicht allein um die Wände. Auch die Frage, ob die Türzargen hell oder dunkel sind und was sich für ein Bodenbelag in einem Raum befindet, spielen eine Rolle“, nennt sie zwei Beispiele.

Und: „Am Ende ist die Entschei­dung Typsache.“ Der eine mag es, wenn alle Wände schlicht gehalten sind, der andere ist etwas mutiger, was die Gestaltung der ­eigenen vier Wände angeht.

Tipps für Einsteiger

Für alle, die es dezent mögen, hat die Malermeisterin folgende Tipps:

  • Erste Experimente: Ein guter Raum zum Experimentieren ist nach Erfah­rung von Annette Kremann-­Feidiker der Flur. „Denn da muss aufgrund der intensiven Nutzung ohnehin häufig ein neuer Anstrich her.“ Außerdem schauen Sie dort nur im Vorbeigehen an die Wand und können sich so langsam an Farbe in Ihrem Haus gewöhnen.
  • Verschiedene Weißtöne: Wer möglichst dezente Veränderung haben möchte, kann auch auf Weiß in verschiedenen Nuancen setzen, beispielsweise grau oder cremefarben getönt. „Diese Farben sind sehr dezent und machen gleichzeitig viel her.“ Damit sie zur Geltung kommen, sollten sie in ein- und demselben Raum zum Einsatz kommen. „Beispielsweise indem die Decke und die obersten 15 bis 20 cm der Wand reinweiß und der übrige Wandbereich cremeweiß gestrichen werden“ , nennt Annette Kremann-Feidiker ein Beispiel.
  • Einfach loslegen: Auch wenn Sie bei der Planung noch Zweifel daran haben sollten, ob es am Ende tatsächlich gut aussehen wird: Fangen Sie einfach an! „Notfalls lässt sich ein Anstrich auch wieder überstreichen.“
  • Erst einmal abwarten: Sie sind vom Ergebnis Ihres Farbexperiments nicht hundertprozentig überzeugt? Dann greifen Sie trotzdem nicht sofort wieder zu Rolle und Pinsel, um alles rückgängig zu machen. „Lassen Sie die neue Farbe drei, vier Wochen auf sich wirken“, rät Annette Kremann-Feidiker.

Tipps für Farbliebhaber

  • Eindrittel-Zweidrittel: Sie wollen sich an kräftigere Farben herantasten? Wie wäre es, wenn Sie nicht eine ganze Wand, sondern nur ­einen Sockel farbig streichen? Gefällig wirkt eine Aufteilung in ­Dritteln. Im unteren Bereich sollte dabei der dunklere Farbton zum Einsatz kommen, oben der hellere.
  • Dunkel: Auf einer einzelnen Wand aufgetragen, lässt sich mit einer dunklen Wandfarbe im Raum ein Akzent setzen. Derzeit angesagt ist es auch, alle Wände dunkel zu streichen und das durchaus Ton in Ton mit den Möbelstücken. „Dazu würde ich jedoch nur in großen Räumen raten. Sonst fühlt man sich wie in einem Schuhkarton“, rät die Malermeisterin.
  • Tapete statt Farbe: Annette Kremann-Feidiker persönlich mag gemusterte Tapeten gerne, um Farbe ins Spiel zu bringen. Ihr persönlicher Tipp: „Gestalten Sie in einem Raum die Decke mit einer gemusterten Tapete. Ziehen Sie die Tapete dabei nicht ganz bis zum Rand.“ Durch einen einfarbigen Streifen drumherum wirkt die Tapete wie ein großes Gemälde.

Probeanstrich auf Papier

Egal, ob Sie mit einem dunklen Grau oder einem dezenten Cremeton liebäugeln: Die Wandfarbe sollte Ihnen nicht nur als solche gefallen, sondern auch mit den festen Elementen des Raums wie Boden­belag, Möbel und Gardinen harmonieren. Sie haben anhand ­einer Farbkarte einen Favoriten im Blick? Dann versuchen Sie, ein kleines Töpfchen für einen Probeanstrich zu bekommen. Der Tipp der Malermeisterin: Tragen Sie die Farbe dafür nicht direkt auf der Wand, sondern auf einem großen Blatt Papier oder dünnem, weißen Tonkarton auf. Ideal sind zwei Anstriche, damit die Farbe gut deckt. Diese Farbprobe können Sie zu verschiedenen Tageszeiten an unterschiedlichen Stellen im Raum aufhängen. Denn auch der Lichteinfall spielt eine große Rolle. „Gerade durch das kühle Licht mancher LED-Lampe kommen Farbpigmente ganz anders zur Geltung als bei Tageslicht.“

Richtig abkleben

Haben Sie sich für einen Farbton entschieden? Für ein überzeugendes Ergebnis ist es wichtig, die Ränder gut abzukleben. Das gilt besonders dann, wenn Sie mit verschiedenen Farben auf einer Wand arbeiten. „Klassisches Kreppband ist wenig geeignet“, sagt Annette Kremann-Feidiker. Denn durch die Riffelung kann die Farbe leicht darunter laufen. In ihrem Betrieb setzt sie auf glattes Klebeband, wie es im Bastelbereich als „Washi-­Tape“ bekannt ist. Es schließt vollständig ab und lässt sich gleichzeitig restlos wieder entfernen. Im Fachhandel ist es beispielsweise als „Tesa gold“ erhältlich. Je nach Untergrund können auch andere Varianten davon infrage kommen. „Am besten lassen Sie sich beraten“, gibt Annette Kremann-Feidiker einen Tipp.

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