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Mediation – sinnvoll in der Landwirtschaft?

Vertrag kommt von vertragen. Wenn das nicht klappt, hilft vielleicht ein Mediator. Foto: Alexander Klaus/pixelio

09.08.2017 . Ein Streit kostet Zeit, Nerven und, wenn er vor Gericht landet, viel Geld. Konflikte lassen sich anders lösen. Steuerberater Dr. Cord Prigge erklärt, warum eine Mediation für landwirtschaftliche Unternehmen und Familien der bessere Weg ist.

Konflikte gibt es überall, wo Menschen zusammenkommen. In allen Unternehmen und Familien kracht es mal zwischen Mitgliedern, Partnern, Chefs und Mitarbeitern. Problematisch wird es, wenn der Konflikt die Beteiligten fest im Griff hat, und sie keinen Schritt mehr aufeinander zugehen. Es folgen Vorwürfe, Emotionen und Schuldzuweisungen, und der Streit eskaliert.

Ein Streit vernichtet Beziehungen

„Es werden nicht nur materielle Werte vernichtet, sondern auch langjährige Geschäfts- und familiäre Beziehungen“, weiß Dr.  Cord Prigge aus Lengerich, Kreis Steinfurt. Der Steuerberater ist Fachberater für Wirtschaftsmediation. Er erklärt das Verfahren.

Was ist Mediation?


Wirtschaftsmediation ist ein außergerichtliches Verfahren, um einen Streit professionell beizulegen. Seit 2012 ist es sogar gesetzlich verankert. Im Vordergrund stehen Kommunikationsprobleme zwischen den Parteien. Immer mehr Unternehmer, Landwirte und ihre Familien sowie Privatleute nutzen diesen Weg, habe der Steuerberater in seiner Tätigkeit beobachtet.

Wann bietet sich eine Mediation an?

Eine Mediation bietet sich zum Beispiel hier an:

  • Konflikte bei der Unternehmensnachfolge,
  • Streit in der Familie oder zwischen Gesellschaftern, Geschäftsführern und leitenden Ange­stellten,
  • Meinungsverschiedenheiten zwischen Mitarbeitern oder Kunden und Lieferanten.

Warum eine Mediation?

Ein Streit ist für alle belastend. Zwar taucht der emotionale Druck nicht als Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung auf, aber er wirkt sich wirtschaftlich aus, warnt der Steuerberater.

  • Ein Streit verursacht „endlose Diskussionen“ während der Arbeitszeit und Krankheitsausfälle,
  • befeuert die Gerüchteküche,
  • führt dazu, dass Informationen nicht weitergeleitet werden, Arbeitsabläufe sich verzögern und Fehler passieren,
  • blockiert wichtige strategische Entscheidungen,
  • verursacht Gerichtskosten.

Wie läuft eine Mediation ab?

Eine Mediation kann helfen, die Konfliktparteien von der Konfrontation zur Kooperation zu bewegen. Das setzt voraus, dass alle Beteiligten der Mediation zustimmen und die „Chemie“ zu dem Mediator stimmt. Wenn das gegeben ist, setzen sich die Parteien und der Mediator zusammen.

Gemeinsam legen sie ein Arbeitsbündnis fest (Was ist das Problem? Was wollen wir regeln?). Der Mediator hinterfragt immer wieder, warum jemand etwas will oder eben nicht macht. Durch diese Fragetechnik dringen die Konfliktparteien zum Kern der Sache vor. „Und plötzlich bricht das Eis“, berichtet Cord Prigge. Es kommt Bewegung in den Konflikt, es ergeben sich Lösungen. Die Ergebnisse und Vereinbarungen protokolliert der Mediator.

Am Ende des Verfahrens finden die Konfliktparteien selbst den Weg aus der Krise. „Oft gelingt das in zwei oder drei Sitzungen“, sagt Cord Prigge. Der Mediator berät nicht, er stellt an entsprechenden Stellen die Weichen. rk

Welche Vorteile eine Mediation gegenüber einem gerichtlichen Verfahren hat, lesen Sie in Wochenblatt-Folge 28/2017, Seite 71.

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