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Debatten und Depressionen

Kreislandfrauentag zwischen Sauerland und Ruhrgebiet

300 Landfrauen aus dem Märkischen Kreis, Ennepe-Ruhr und Hagen trafen sich in Schwerte. Nachdenkliche Töne schlug nicht nur ein Gast mit Clownsnase an.

Die Debatte um die Zukunft der Landwirtschaft und die Volkskrankheit Depression: Das waren die prägenden Themen am vergangenen Samstag beim Kreislandfrauentag in der Alten Rohrmeisterei in Schwerte. Auf dem Podium bezogen Vertreter aus Politik und ländlichen Verbänden Stellung. Am Rednerpult war Willibert Pauels der Hauptakteur.

„Eiszeit für die Seele“

Der katholische Diakon aus Wipperfürth war jahrelang als „Bergische Jung“ im Karneval unterwegs. Inzwischen erzählt er häufiger von seinem Umgang mit der eigenen Depression. Die Krankheit sei eine „Eiszeit für die Seele“, die sich in seinem Fall gut behandeln lasse. „Es ist eine Krankheit, die zunächst einmal organische Ursachen hat.“ Er selbst hat nach einer akuten Krankheitsphase die Schwerpunkte in seinem Leben verschoben. Hautberuflich arbeitet er heute wieder als Diakon in Gummersbach, Gastspiele auf der Bühne sind sein Freizeitvergnügen.

Er ermunterte seine Zuhörer, das Leben nicht immer so ernst zu nehmen. In der Gesellschaft beobachtet er aktuell ein „Moraltrommelfeuer“. „Egal was du tust, es steht jemand daneben und sagt, das ist aber schlecht für deinen CO2-Abdruck.“ Gesund sei es auch einmal über den Dingen zu stehen, ohne Arroganz.

Agrarpolitik auf dem Podium

Mit ihren Gästen aus Politik und ländlichen Verbänden sprachen die Landfrauen über die Zukunft der Landwirtschaft und aktuelle agrarpolitische Diskussionen. „Das Ansehen der Landwirtschaft hat sich rapide geändert“, konstatierte die Kreisvorsitzende Bärbel Balke: „Vom angesehenen Beruf zum Buhmann der Nation.“ Der Vorsitzende der Westfälisch-Lippischen Landjugend, Stefan Schmidt, bezeichnete die zunehmende Zahl grüner Kreuze als „stille Mahnung an die Gesellschaft, weil kleine Betriebe auch still sterben“.

„Ich habe gesehen, dass man im kleinbäuerlichen Bereich schwer überleben kann.“

Inge Blask (SPD), Landtagsabgeordnete aus Hemer, berichtete von einem Praktikum auf einem Milchviehbetrieb.

Kreislandwirt Dirk Voss kritisierte, dass auf Bundesebene zurzeit schnell entschieden werden, ohne die Fachleute zu hören. Renate Große-Wietfeld aus dem Präsidium des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbandes ermunterte, sich weiter in der Verbraucherbildung zu engagieren. „In der jüngeren Generation weiß kaum noch jemand, wie sich ein Ferkel oder ein Kälbchen anfühlen.“

„Machen Sie weiter mit Ihrer Arbeit. Lassen Sie sich nicht beirren von unverschämter Kritik.“

Dimitrios Axourgos (SPD), Bürgermeister der Stadt Schwerte

1500 Mitglieder in 20 Ortsverbänden

Der Landfrauenverband Märkischer Kreis/Ennepe-Ruhr/Hagen zählt 1500 Mitglieder in 20 Ortsverbänden. Dazu gibt es in einigen Orten spezielle Gruppen für jüngere und ältere Landfrauen. Im Rahmen des Landfrauentages sammelten die Landfrauen für den Verein „Leben ohne Dich“. Er hilft Eltern, die ein Kind verloren haben. Susanne Ferlemann aus Kierspe stellte das Engagement der Initiative vor. 1300 € kamen für die Arbeit des Vereins zusammen.