Wissen – Erinnern – Gedenken

Jüdisches Landleben in Westfalen

Eine Themenseite des Wochenblattes zum Fest- und Erinnerungsjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland"

Vielerorts im ländlichen Westfalen, in den kleinsten Dörfern und Bauerschaften, lebten jüdische Familien, oftmals seit Jahrhunderten. Sie handelten mit Vieh und Fleisch, mit Getreide, Textilien und Gemischtwaren aller Art. Arme Habenichtse waren ebenso unter ihnen wie wohlhabende Bürgerfamilien, zu ihnen zählten Ärzte und Tierärzte, Schuster, Schneider und andere ländliche Kleinhandwerker – und, ja, sogar auch Landwirte. Sie lebten mit ihren Familien sowohl im Nebenerwerb, wie wir heute sagen würden, als auch im Haupterwerb.

An das in der NS-Zeit vernichtete jüdische Landleben in Westfalen, an seine Tradition und Geschichte, an die Vielfalt und Besonderheiten zwischen Rhein und Weser erinnert dieser digitale Schwerpunkt mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Landwirtschaft.

Die Themenseite ist Teil des offiziellen Fest- und Gedenkjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Es wurde im Februar in Köln offiziell eröffnet und erinnert an den ältesten Nachweis jüdischen Lebens in Mitteleuropa, als der römische Kaiser Konstantin im Jahr 321 Kölner Juden Bürgerrechte und die Ausübung öffentlicher Ämter zugestand. An den Veranstaltungen beteiligen sich bundesweit Synagogen-Gemeinden, Kultureinrichtungen des Bundes, Landes und der Kommunen, Schulen, Heimatvereine und private Initiativen.

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DIE BEITRÄGE ZUM THEMENSCHWERPUNKT:

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Jüdisches Landleben: Zur Vorgeschichte

C. W. Dohm aus Lemgo: Der Mann, der Türen aufstieß

vor von Gisbert Strotdrees

Jahrhundertelang war es Juden verboten, Landwirtschaft zu betreiben. Das änderte sich, als ein Staatsmann aus Lemgo für die Juden „vollkommen gleiche Rechte mit allen übrigen Untertanen“...

Jüdisches Landleben: Landwirtschaft

„Einen erheblichen Teil des Gutes als Weideland benutzt“

vor von Gisbert Strotdrees

Jüdische Bauern waren in Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert eine Minderheit in der Minderheit. Aber ihre Spuren sind vielerorts zu finden.

Jüdisches Landleben: Engagement und Integration

Levi Lilienthal: Der Landwirt auf dem Paradieshof

vor von Gisbert Strotdrees

1837 wurde der halbstaatliche Landwirtschaftliche Kreisverein Höxter gegründet. Unter den Beteiligten war der jüdische Landwirt Levi Lilienthal (1810-1880) aus Steinheim.

Jüdisches Landleben: Landwirtschaft im Nebenerwerb

Kleinbauern, Viehhändler und eine besondere Ökonomie

vor von Gisbert Strotdrees

Ein Garten oder ein Streifen Land zur Selbstversorgung, eine Wiese oder einen Acker – das war bis weit ins 20. Jahrhundert für viele Familien auf dem Land üblich, auch für Landjuden in Westfalen.

Jüdisches Landleben: Bildung, Besitz und Organisation

„Zur Erlernung und Betreibung nützlicher Handwerke aufmuntern"

vor von Gisbert Strotdrees

Jugendliche sollten "nützliche Handwerke“ erlernen: Eine der wohl wirkmächtigsten Bildungseinrichtungen Westfalens ging auf den Anstoß des jüdischen Gutsbesitzers und Kaufmanns Elias Marks...

Jüdisches Landleben: Vorurteile und Ausgrenzung

Eine Bedrohung der Landwirtschaft?

vor von Gisbert Strotdrees

Jüdische Landwirte und Landeigentümer stießen im 19. Jahrhundert auf starke Ablehnung des preußischen Staates und seines obersten Repräsentanten in Westfalen. Auch der Bauernverein schloss sie...

Jüdisches Landleben: Legenden, Lügen, Vorurteile

Enniger 1873: Pogromstimmung im Dorf

vor von Gisbert Strotdrees

1873 kam es in Enniger zu "Crawallen" gegen die jüdische Gemeinde, die am Ende das Dorf verließ. Als letztes ging der zu Unrecht eines Mordes verdächtigte Händler, der einen berühmten Namen trug.

Jüdisches Landleben: Antisemitismus

Schorlemer-Alst, die Landjuden und die "Verrohung des Tones"

vor von Gisbert Strotdrees

Der „Westfälische Bauernkönig“ und Zentrumspolitiker Burghard von Schorlemer-Alst teilte viele antijüdische Ressentiments. 1893 aber warnte er vor dem damals neuen, radikalen...

Jüdisches Landleben: Blüte und gewaltsames Ende

Die Synagoge in Petershagen: Das Bethaus aus Backstein

vor von Gisbert Strotdrees

In Petershagen an der Weser erinnert ein einzigartiges Bauensemble aus Synagoge, Schule und rituellem Bad an Blütezeiten jüdischen Landlebens – und an die Zerstörung dieser Lebenswelt (1933-1945)

Jüdisches Landleben: Entrechtung und Enteignung

Vom "Reichserbhofgesetz" zur "Arisierung": Wie den Landjuden ihr Land genommen wurde

vor von Gisbert Strotdrees

Jüdinnen und Juden verloren im NS-Regime 1933-1942/45 schrittweise alle Rechte auf Eigentum, Leib und Leben. Was genau bedeutete das für die kleinen Landeigentümer und die Landwirte unter ihnen?

Jüdisches Landleben: Selbstorganisation, Widerstand, Emigration

Fluchtpunkt Landwirtschaft: Ein Bauernhof als rettende Insel

vor von Gisbert Strotdrees

Auf einem Bauernhof im Münsterland konnten jüdische Jugendliche noch bis 1938 Landwirtschaft erlernen. Dieser "Kibbuz Westerbeck", das einzige Hachschara-Lehrgut in Westfalen, diente der...

Jüdisches Landleben: Vernichtung und Massenmord

Der Name in der Schützenkette: Wer war Paula Adelsheimer?

vor von Gisbert Strotdrees

Paula Adelsheimer, Tochter eines jüdischen Viehhändlers, wurde 1929 als Schützenkönigin in Schermbeck gefeiert. Nur zehn Jahre später musste sie den Ort verlassen, 1943 wurde sie in Auschwitz...

Bauern im Münsterland versteckten unter Gefahr für ihr eigenes Leben die Familie des jüdischen Viehhändlers Menne Spiegel aus Ahlen. Marga Spiegel hat ihre Erinnerungen dem Wochenblatt erzählt.

Jüdisches Landleben: Gedenken und Erinnern

Haus Uhlmann, Humberghaus und Landsynagogen: Die Nachbarn nicht vergessen

vor von Gisbert Strotdrees

An die zerstörte Welt jüdischen Landlebens wird in Westfalen im "Haus Uhlmann" des Freilichtmuseums in Detmold erinnert, außerdem in Höxter und Dingden sowie in mehreren ehemaligen Landsynagogen.

Jüdisches Landleben: Quellen und Literatur

Woher stammen die Informationen?

vor von Gisbert Strotdrees

Möchten Sie mehr erfahren über das jüdische Landleben in Westfalen? Oder selbst weiter recherchieren? Hier finden Sie Hinweise zu den verwendeten Quellen, Forschungsliteratur und weitere Linktipps.

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Für Hinweise auf Dokumente und Bilder sowie
für die Durchsicht der Textbeiträge g
edankt sei an dieser Stelle

DR. IRIS NÖLLE-HORNKAMP, Nordwalde, und

DR. HEINRICH STIEWE, Blomberg/Freilichtmuseum Detmold.

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