Fleischatlas: Junge Menschen essen weniger Fleisch

Immer mehr junge Menschen verzichten auf Fleisch und andere tierische Produkte. Besonders die 15- bis 29-Jährigen ernähren sich deutlich häufiger vegan oder vegetarisch als der Rest der Bevölkerung.

Fleischverzicht ist unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen etwa doppelt so verbreitet wie in der Gesamtbevölkerung. Das geht aus einer repräsentativen Onlineumfrage hervor, die der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Heinrich-Böll-Stiftung am Mittwoch dieser Woche (7. Januar 2021) mit der aktuellen Ausgabe des „Fleischatlas“ vorgestellt haben. Demnach ernähren sich in der Altersgruppe von 15 bis 29 Jahren 10,4 % der Befragten vegetarisch und 2,3 % vegan; von der Gesamtbevölkerung verzichten nach verschiedenen Studien etwa 6 % auf Fleisch. Der Anteil der Flexitarier bei den jungen Menschen beläuft sich der Erhebung zufolge auf 25 %; von allen befragten Fleischkonsumenten wollen 44 % künftig ihren Verzehr einschränken.

Fleischkonsum mit politischer Einstellung verknüpft

Nur geringe Unterschiede hat die Umfrage bei soziodemografischen Merkmalen ergeben. Fleischkonsum sei keine Stadt-Land-Frage und auch kein Ost-West- oder Nord-Süd-Thema, heißt es dazu im Fleischatlas. Auffallend sei stattdessen, wie stark der Fleischkonsum mit der politischen Einstellung verknüpft sei. Wer wenig Fleisch konsumiere, sei umwelt- und insbesondere ernährungs- und tierschutzbewusster. Große Unterschiede traten hinsichtlich der Zukunft der Tierhaltung zu Tage. Von den Anhängern einer veganen Ernährung wollten 96 % der Befragten die Nutztierhaltung nach Möglichkeit abschaffen; 49 % der Vegetarier teilten dieses Ziel. Unter den Flexitariern waren es indes nur 15 % und unter den übrigen Teilnehmern lediglich 4 %.

BUND und Böll-Stiftung: Fleischproduktion umbauen

BUND und Heinrich-Böll-Stiftung erneuerten ihre Forderung nach einem grundlegenden Umbau der Fleischproduktion und forderten gezielte Strategien für einen Verbrauchsrückgang um mindestens die Hälfte. „Die industrielle Fleischproduktion ist nicht nur für prekäre Arbeitsbedingungen verantwortlich, sondern vertreibt Menschen von ihrem Land, befeuert Waldrodungen, Pflanzenschutzmitteleinsätze und Biodiversitätsverluste - und ist einer der wesentlichen Treiber der Klimakrise“, so Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig. Nach ihren Angaben emittieren die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt mit 578 Mio t so viel Treibhausgase wie der größte Mineralölkonzern Exxon und erheblich mehr als Frankreich oder Großbritannien.

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt erklärte, die Politik müsse dem gesellschaftlichen Wunsch nach dem Umbau der Tierhaltung Rechnung tragen. Das erfordere eine weitreichende politische Neuausrichtung der Agrarpolitik, die von einer Ernährungswende unterstützt werden müsse. Niedrige Preise machten es den Landwirten schwer, auf die gestiegenen Anforderungen nach mehr Umweltschutz und mehr Tierwohl zu reagieren. „Daher sind die derzeitigen Proteste gegen die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels vollkommen richtig“, betonte Bandt. Auch deshalb müsse Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ihre Verantwortung wahrnehmen und die Ergebnisse der Borchert-Kommission umsetzen.

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