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Ein Landwirt und seine Alpakas

Alpakas sind robuste Tiere und eine Alternative Einkommensquelle. Die Zucht und der Verkauf der Wolle ist finanziell interessant. Foto: Kopf

19.05.2017 . Alpakas sehen ungewöhnlich aus: Ihr langer Hals, der Kopf mit dem Puschel, die großen runden Augen, die langen Beine und dann das dicke Fell. Dabei sind die Tiere nicht größer als Rehe und erinnern doch an Kamele. Bei Rainer Fortmann, Milchviehhalter aus Ganderkesesee, Landkreis Oldenburg in Niedersachsen, stehen neben den 60 schwarz-bunten Milchkühen 65 Alpakas auf den Weiden.

„Wen die Alpakas erst einmal umgarnt haben, den lassen sie nicht wieder los“, schwärmt Rainer Fortmann. Der 65-jährige Landwirt selbst hat ein großes Herz für diese kleinen Kamele. Seit 2005 züchtet die Familie Alpakas. Die Zucht unter dem Namen „Wittekind“ ist über ihre Grenzen hinaus bekannt.

Und die Milchkühe?

Für Schwarz-Bunte hat Rainer Fortmann auch ein Herz. Auf dem 60-ha-großen Betrieb mit angeschlossener Milchtankstelle und Melkhus stehen seit knapp zwei Jahren wieder 60 Milchkühe plus Nachzucht. Doch für den Milchzweig ist ausschließlich Sohn Henning zuständig. Der Senior selbst hatte die Kühe 2007 im Zuge der Milchkrise abgeschafft. „Allerdings wollte  Henning nach seiner Ausbildung wieder in die Milchwirtschaft einstigen“, erklärt Rainer Fortmann, warum seit 2015 wieder Kühe auf der Weide laufen und sich sein Junior um die Herde kümmert. „Ich habe lieber mit denen hier zu tun“, schmunzelt der Landwirt.

Was 2005 mit 18 Stuten und einem Fohlen anfing, hat sich in zwölf Jahren zu einer Herde von 65 Tieren, darunter wertvolle Deckhengste und Einsteller aus anderen Alpakahaltungen in Deutschland, entwickelt.

Die Zuchtziele

Rainer Fortmann verfolgt zwei Zuchtziele. Neben der hochwertigen Wolle zählt für ihn die Veredelung. „Als die Spanier in Südamerika waren, wurde die Tiere schlechter, weil sie Lamas und Alpakas kreuzten“, erzählt der Züchter von der Geschichte der sogenannten Neuweltkamele. Er will zurück zu reinen Linien ohne Lamablut.

So wird Geld verdient

Für den Betrieb ist die Zucht mehr als Liebhaberei, sondern ein solides Standbein. Der Verkauf von Deckungen und Zuchttieren rechnet sich. Fortmann bekommt für einen Zuchthengst mindestens 3000 €, sogar mehr. Wenn das Tier prämiert ist, kann es auch 20000 € kosten. „Ein Fohlen aus guter Zucht kann so viel bringen wie die Mutter“, betont der Landwirt.

Und auch die Faserprodukte rentieren sich. „Die Alpakafaser heißt auch Vlies der Götter“, berichtet der Züchter. Seine Wittekind-Linie züchtet er auf ein weiches, feines und dichtes Vlies mit einer hohen Curvature. Darunter versteht der Fachmann den Kräuselungsgrad. Je höher die Curvature ist, umso elastischer sind die Fasern und umso höher ist die Ausbeute des Garns.Ein Tier liefert im Schnitt 2,5 kg Wolle. Ein Kilo Faser wird in Deutschland zwischen 10 und 100 € gehandelt.

Frisch geschnitten

Im Moment ist von der flauschigen Wolle nicht viel bei den Alpakas zu sehen. Vor zwei Wochen rückte Fortmanns Tochter Madeleine den Wolllieferanten mit der Schermaschine zu Leibe. Die Bonner Agrarstudentin betreibt auf dem elterlichen Hof selbst eine prämierte Alpakazucht. „Das Scheren hat Madeleine in Chile gelernt“, berichtet Vater Rainer. "Heute gibt sie selbst europaweit Kurse“, fügt er hinzu.

Grau ist züchterisch interessant

Die Wolle lassen Fortmanns in Dänemark zu Garn spinnen. Ein Teil verkaufen sie im Hofladen ein anderer geht ins Erzgebirge, um hochwertige Bettdecken zu produzieren.
Darüber hinaus ist für den Züchter die Farbe entscheidend. „Es gibt 22 natürliche Farben, mit 60 verschiedenen Schattierungen“, erklärt Fortmann. Da kommt der graumelierte Bellissimo mit dem feinen Vlies ins Spiel. „Besonders interessant sind Grautöne, weil sie sich im Laden sehr gut verkaufen lassen, aber züchterisch schwierig sind", berichtet der Tierhalten und streichelt Bellissimo die Ohren.

Unter´m Strich ist die Alpakazucht für den Betrieb eine rentable Alternative, mit der sich die Täler der Milchkrise gut überbrücken lassen. rk

Vergangene Woche besuchte eine Reisegruppe vom Seniorenkreis der Landwirte Soest die Zucht. Hier ein paar Bider.

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