Haubarge auf der Halbinsel Eiderstedt

Die Riesen unter den Bauernhäusern

Auf der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein stehen Häuser, die unter hohem Dach von der Landwirtschaft vergangener Jahrhunderte erzählen. Der Haubarg ist das „Bauernhaus des Jahres“.

Ein bisschen sehen sie aus wie Pyramiden. Auf vier Ständern recken sich die riesigen Dächer der Haubarge auf der Halbinsel Eiderstedt gen Himmel, die größten sind 18 m hoch. Unmengen Reet decken ihre Dächer, die nicht selten 1000 m2 und mehr messen.

Die Erbauer wollten mit möglichst wenig Holz möglichst viel Platz schaffen. Denn den brauchten die Bauern auf dem fruchtbaren Marschland, um ungedroschenes Getreide und Heu zu lagern bzw. zu „bergen“, daher auch der Name der Häuser, die manche für die größten Bauernhäuser der Welt halten.

Unterm Dach ist reichlich Platz: Auf diesem Bild vom Blumenhof in Tating bei St. Peter-Ording sind zwei der vier großen Ständer zu sehen. (Bildquelle: Dewanger)

Die Interessengemeinschaft Bauernhaus – eine Art Selbsthilfegruppe für die Besitzer alter Häuser – hat den Haubarg zum „Bauernhaus des Jahres“ gekürt. Von den einst 400 Gebäuden dieses Typs sind heute noch etwa 70 erhalten.

Landmarken in der Marsch

In der flachen Landschaft der Halbinsel Eiderstedt sind die Haubarge weit sichtbar. Inzwischen sind die meisten der alten Bauernhäuser von Bäumen als Wetterschutz umstellt. In der einst kahlen Landschaft waren sie noch markanter. Zumal nahezu alle erhöht auf sogenannten Warften stehen.

Die Halbinsel Eiderstedt entstand durch große Naturgewalten und menschliche Anstrengungen. Ursprünglich bestand die Region aus einer Halbinsel und zwei Inseln. Ab etwa 1200 wurden immer wieder Flächen eingedeicht und sogenannte Köge geschaffen. Trotz großer Sturmfluten entwickelte sich so nach und nach das heutige Eider­stedt. Die 30 km lange und 15 km breite Halbinsel gehört zum Landkreis Nordfriesland. Die größten Orte sind St. Peter-Ording, Tönning und Friedrichstadt.

Viel Dach auf wenig Holz

Die besondere Form der Haubarge ist eine Abwandlung der an der Nordseeküste weit verbreiteten Gulfhäuser. Auf vier Ständern ruht das riesige Dach. Rund um den Vierkant, den sogenannten Gulf, gruppieren sich auf 600 m2 und mehr die Wohn- und Wirtschaftsräume. Der Wohntrakt nimmt rund ein Drittel der Fläche ein, den Rest füllen Stallungen, die als „Loo“ bezeichnete Dreschtenne und große Lagerflächen.

Aus dem Jahr 1950 stammt dieses Bild vom Mat­thiesen-Hof in Wittendün. (Bildquelle: Imago / Arkivi)

Holländische Handwerker errichteten die ersten Haubarge im 17. Jahrhundert. Das Bauholz musste mühsam aus Skandinavien oder Süddeutschland herangeschafft werden. Auftraggeber waren häufig die Landesherren, also die Herzöge von Schleswig, oder Investoren, die Landgewinnung betrieben. Auf dem frisch eingedeichten Marschland errichteten sie Haubarge und verpachteten diese dann inklusive der umliegenden Flächen. Aber auch Bauernfamilien und Kirchengemeinden bauten Haubarge, wie Ludwig Fischer im „Holznagel“, der Zeitschrift der IG Bauernhaus, skizziert.

Von der Weidewirtschaft überholt

Rund 200 Jahre lang passten die Haubarge perfekt zur Landwirtschaft auf Eiderstedt. Dann, im 19. Jahrhundert, veränderte sich die Wirtschaftsweise der Bauern gravierend. Viele stellten von Ackerbau auf Weidehaltung um. Zeitweise exportierten die Eiderstedter Bauern pro Jahr 50.000 Ochsen und 60.000 Schafe nach England, um dort den Fleischhunger der wachsenden Stadtbevölkerung zu stillen. Im Frühjahr trieben sie die Tiere auf die fetten Weiden, im Herbst verschifften sie die Tiere über die Nordsee. „Zu dieser Zeit war die Form des Haubargs schon überholt“, sagt Halke Lorenzen, der seine Kindheit auf Eiderstedt verbrachte und heute in Lippe lebt.

Für Selbstversorger: Der Gemüsegarten des Haubargs Iversbüll in Poppenbüll erinnert daran, dass hier einst gut ein Dutzend Menschen ernährt werden wollte. (Bildquelle: Lorenzen)

Wohnen unter Reet

Halke Lorenzen besitzt inzwischen selbst einen Haubarg und schätzt, dass noch zehn dieser historischen Gebäude landwirtschaftlich genutzt werden. Eine ganze Reihe wurde zu Ferienwohnungen umgebaut, andere sind im Besitz von Liebhabern, die sich einen Haubarg als Wohnhaus hergerichtet haben. Das ist aufwendig und auch teuer. Denn alle 30 bis 40 Jahre muss das Reetdach erneuert werden – und das kann schnell mehr als 100  000 € kosten.

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