Cochlea-Implantat (CI)

Der Knopf am Kopf gehört zum Cochlea-Implantat

In Deutschland leben knapp 16 Mio. schwerhörige und ertaubte Menschen. Joachim Bless kam mit einem an Taubheit grenzenden Hörverlust zur Welt. Dass er heute trotzdem hören kann, verdankt er einem Cochlea-Implantat (CI).

Eine Art runder Knopf am Kopf mit Schlauch, der zu ­einem Sprachprozessor mit Mikrofon hinter dem Ohr führt, verrät Joachim Bless’ Hörbehinderung. Und die will der 51-Jährige auch gar nicht verheimlichen. „Ist ein Hörsystem äußerlich für jeden sichtbar, muss ich mich auch nicht erklären“, sagt er. Der Knopf am Kopf ist eine Sendespule und gehört zu seinem Cochlea-Implantat (CI), einer Innenohrprothese, die ihm den Zugang zur Welt des Hörens ermöglicht.

Bei Taubheit kann Cochlea-Implantat hören helfen

Geboren wurde Joachim Bless mit einem an Taubheit grenzenden Hörvermögen. Damals habe man die Behinderung nicht gleich erkannt. Erst mit vier Jahren sei er mit einem Kastenhörgerät versorgt worden. Damit seien dann erste Höreindrücke möglich gewesen. Im Laufe seines Lebens trägt er verschiedene Hörsysteme. Was Hörgeschädigte bei der Auswahl von Hörgeräten beachten sollten, dazu geben Hörakustiker (wir berichteten) Auskunft.

Schulisch nimmt er den klassischen Weg durch Förderschulen für Hörgeschädigte und bedauert dies keineswegs: „Dort habe ich erlebt, dass ich mit meinem Hörproblem nicht allein dastehe und dadurch an Selbstbewusstsein gewonnen.“ Joachim Bless macht Abitur und studiert.

Sein hochgradiges Hördefizit und die damit verbundenen Einschränkungen indes belasten ihn zunehmend. Sein Innenohr ist so weit geschädigt, dass die vom Hörgerät verstärkten Impulse nicht mehr genügend gut verarbeitet werden können und nur noch wenig Sprachverstehen möglich ist. Er hört nicht nur leiser, sondern auch unvollständig und verzerrt.

Hören mit Cochlea-Implantat erst lernen

2013 lässt er sich am linken Ohr ein CI implantieren. 2016 folgt ein weiteres für das rechte Ohr. „Es hat etwa drei Jahre gedauert, bis ich damit Sprache gut wahrnehmen konnte“, sagt der dreifache Familienvater aus Selm. Das Gehirn habe erst lernen müssen, aus den unterschiedlichen Tönen ein einheitliches Signal zu entwickeln, das er dann als Sprache verstehen konnte.

Für Hörgeschädigte wie ihn, aber auch für hochgradig schwerhörig oder gehörlos geborene Kinder sowie für nach dem Sprach­erwerb ertaubte Menschen ist die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) bislang die einzige Chance, ihre Hörsituation zu verbessern.

„Bei betroffenen Kindern wird der Eingriff bereits im ersten Lebensjahr vorgenommen, damit sich die Hörbahn und die frühkindliche Sprachentwicklung optimal entwickeln können“, informiert Joachim Bless. Das Implantat habe eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren. Der Prozessor müsse nach etwa sechs bis sieben Jahren gewechselt werden, so der CI-Träger.

Hören mit Cochlea-Implantat (CI)
Das Cochlea-Implantat besteht aus mehreren Komponenten. Ein kleines Mikrofon hinter dem Ohr nimmt Schallwellen auf, die von einem Soundprozessor in digital kodierte Signale umgewandelt und an eine Sendespule (Knopf am Kopf) übertragen werden. Über diese werden die Signale an ein unter der Haut liegendes Implantat gesendet. Das Implantat wandelt die kodierten Signale in elektrische Impulse um und leitet sie an operativ in die Hörschnecke eingeführte „Elektroden“ weiter. Diese Elektroden stimulieren die Hörnerven in der Cochlea und im Gehirn entsteht ein Höreindruck.

Klinik für Cochlea-Implantat-Eingriff bewusst aussuchen

Der Eingriff kann deutschlandweit an etwa 80 Kliniken durchgeführt werden. „Wichtig sind die Erfahrung des Operateurs und die Organisation der Nachsorge“, sagt Joachim Bless. Manche Kliniken operierten nur.

Für die Nachsorge und Anpassung müsse dann ein speziell dafür ausgebildeter Akustiker aufgesucht werden. Die Entscheidung für ein CI sollte gut überlegt werden, nicht bei jedem Patienten führt der Eingriff zum erhofften Erfolg. Grundvoraussetzung ist zum Beispiel ein funktionstüchtiger Hörnerv.

Den Beitrag können Sie nachlesen im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben vom 03. September 2020 Folge 36.

Folgende Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:

Hörgeschädigte Menschen sind irgendwann auf Technik angewiesen. Was bei der Auswahl von Hörgeräten bei Schwerhörigkeit zu beachten ist, dazu befragten wir Hörakustikmeister, Päd- und...

Moderne Hörgeräte gleichen nicht nur Hörminderungen aus. Neueste Funktechnologie per Bluetooth ermöglicht ein drahtloses Telefonieren und Musikhören. Ewald Hohenkirch verhilft diese Technologie...



Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen