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Den Weg in den Beruf ebnen

Die Initiative "Kein Abschluss ohne Anschluss" soll Schülern den Übergang von der Schule in der Beruf erleichtern. Daniela Peters von der Landwirtschaftskammer NRW erklärt, was dahinter steckt.

Auch in die Grünen Berufe können die Schüler hineinschnuppern. Foto: Leichhauer



Wochenblatt: Seit ein paar Jahren geistert das Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) durch die Schullandschaft in NRW. Was steckt dahinter?

Peters: „KAoA“ wurde 2011/12 von der Landesregierung eingeführt, um den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Das Ziel ist eine systematische Studien- und Berufsorientierung während der Schulzeit. Die duale Ausbildung soll dabei besonders hervorgehoben werden. Das Übergangssystem wendet sich an alle Schulformen – von der Förderschule bis zum Gymnasium. Bis zum Schuljahr 2018/19 soll es flächendeckend in NRW umgesetzt sein.

Wochenblatt: Warum braucht man überhaupt die Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“? Wo lag vorher das Problem?

Peters: Es hängt mit der Orientierungslosigkeit vieler Schüler zusammen. Ich selbst stelle oft auf Ausbildungsmessen fest, dass viele Jugendliche keine Ahnung haben, wie es nach der Schule weitergehen soll. Sie landen nach der zehnten Klasse in Anschlussmaßnahmen schulischer Art, die nicht direkt zu einem Abschluss führen und damit für die Jugendlichen oft eine Art Warteschleife sind. Durch „KAoA“ versucht man, die berufliche Zukunft früher ins Bewusstsein der Schüler zu holen.

Wochenblatt: Aus welchen Bausteinen besteht „Kein Abschluss ohne Anschluss“?

Peters: Der erste Baustein ist die Potenzialanalyse zu Beginn der achten Klasse. Außerschulische Experten – meist Psychologen – ermitteln die Stärken und Interessen der Schüler. In der Klasse führen die Schüler unterschiedliche Aufgaben durch, um zum Beispiel ihre Teamfähigkeit zu zeigen. Im zweiten Halbjahr der achten Klasse sollen die Schüler drei Berufsfelder durch Tagespraktika erkunden.

Wochenblatt: Wie finden die Schüler die Tagespraktika für die Berufsfelderkundungen?

Peters: Mittlerweile gibt es in den meisten Kreisen und kreisfreien Städten Koordinierungsstellen, die ein Online-Portal anbieten. Die Betriebe stellen dort ihr Angebot für Tagespraktika ein. Die Schüler können dann gezielt suchen. Der Lehrer hat auch einen Zugang. Denn er muss das Tagespraktikum verbindlich buchen.

„KAoA“ in Kürze

Potenziale erkennen: Im ersten Halbjahr der Klasse acht ermitteln außerschulische Träger die Interessen und Stärken der Schüler.

Berufsfelder kennenlernen: Im zweiten Halbjahr der Klasse acht lernen die Schüler drei Berufsfelder durch Tagespraktika kennen.

Praxis erproben: In Klasse neun belegen die Schüler ein zwei- bis dreiwöchiges Praktikum.

Übergänge gestalten: Gemeinsam mit dem Schüler ziehen Lehrer, Berufsberater und Eltern eine Bilanz und geben eine Empfehlung für die Zukunft.

Wochenblatt: Was würden Sie einem landwirtschaftlichen Betrieb empfehlen, der eine Berufsfelderkundung anbietet?

Peters: Man sollte den Schülern einen typischen Tag auf dem Hof ­zeigen. Der Landwirt kann sie mit in den Stall und auf den Acker nehmen. Die Schüler sollten auch kleinere Arbeiten machen, zum Beispiel das Futter abwiegen. Gewollt sind auch immer die Gespräche mit den Auszubildenden. Wichtig ist, dass die Betriebe sich online in das Portal eintragen. Zurzeit sind die Auszubildenenzahlen in der Landwirtschaft gut. Doch aufgrund des demografischen Wandels wird sich das in Zukunft ändern. Deswegen sollten die Betriebe die Chance nutzen, für den Beruf zu werben.

Wochenblatt: Woraus besteht „Kein Abschluss ohne Anschluss“ noch?

Peters: Nach den Berufsfelderkundungen folgt dann das Praktikum in Klasse neun. Meist fußt es auf den Erfahrungen der Berufsfelderkundungen. Danach formulieren Lehrer, Berufsberater und Eltern gemeinsam mit dem Kind eine Anschlussperspektive. So wird für jeden Schüler ermittelt, was für ihn der richtige Schritt sein könnte. Ist es eher die duale Ausbildung oder soll er weiter zur Schule gehen, um die Fachhochschul- oder Hochschulreife zu bekommen.

Wochenblatt: Wie schätzen Sie den Erfolg des Landesvorhabens ein?

Peters: Ich halte es für einen guten Ansatz, wenn alle Bausteine ineinandergreifen. Ob das Ziel erreicht wird, durch gezieltere Vorbereitung die Abbrecherquote deutlich zu senken, lässt sich erst in einigen Jahren feststellen. Auch für die Betriebe sehe ich Chancen. Sie können Kontakte zu Praktikanten und Auszubildenden knüpfen. pat

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