Kleidung selbst nähen

Brauche ich eine Overlock-Maschine?

Eine Overlock verfügt über vier Garnspulen und kleine Schneidemesser. Mit einer solchen Maschine zu arbeiten, ist jedoch kein Hexenwerk, sagt Katharina Rottkemper vom Modelabel "KaRo Design".

Wochenblatt: „Sag mal, hast du eine Overlock?“ Diese Frage fällt so manches Mal, wenn es um das Thema Nähen geht. Ist die Anschaffung einer solchen Maschine im Hobbybereich sinnvoll?

Katharina Rottkemper: Wenn Sie gerne nähen und mehr machen als reine Ausbesserungsarbeiten, lautet die Antwort für mich ganz klar: Ja! Mit einer Overlock lassen sich beispielsweise Innen­nähte von Kleidungsstücken schneller und professioneller nähen als mit einer Haushaltsnäh­maschine. Das Ergebnis sieht nicht nur sauberer aus, sondern die Nähte halten auch besser. Eine solche Naht finden Sie beispielsweise an der Innenseite jeder Jeans.

Worin unterscheidet sich die Naht einer Overlock von der einer Haushaltsnähmaschine?

Die Haushaltsnähmaschine arbeitet mit zwei Fäden: dem Ober- und dem Unterfaden. Eine klassische Overlock-Naht dagegen besteht aus vier Fäden: die zwei Oberfäden nähen eine Art Zwillingsnaht, also wenige Millimeter voneinander entfernt einen Geradstich. Dadurch ist die Naht besonders stabil. Mit zwei weiteren Fäden wird der Stoff rund um die Kante mit Schlaufen eingefasst. Das bedeutet: eine Overlock näht und versäubert in einem Schritt. Bei einer Haushaltsnähmaschine benötigen Sie dafür zwei Arbeitsschritte: erst mit einem Zickzackstich versäubern, dann zusammennähen.

Overlock-Maschinen verfügen über zwei kleine Messer neben dem Nähfuß. Wozu dienen sie?

Die Messer schneiden die Kante des Stoffs sauber zu, bevor er mit dem Overlock-Stich eingefasst wird. Anfänger haben oft die ­Sorge, sich zu vernähen und dabei zu viel Stoff ab­zuschneiden. Dadurch ziehen sie zu sehr ­daran und die Naht wird wellig. Achten Sie darauf, den Stoff stattdessen durch die Maschine gleiten zu lassen. Wer zum ersten Mal an einer Overlock sitzt, sollte daher zunächst üben, gerade Nähte und Kurven zu nähen. Bei einigen Modellen ist es möglich, das Messer auszuschalten. Auch das kann anfangs hilfreich sein.

Benötige ich meine klassische Nähmaschine noch, wenn ich mir eine Overlock kaufe?

Definitiv ja. Denn mit einer Overlock können Sie nur am Rand ­nähen. Unter anderem zum Applizieren, Aufnähen von Taschen oder Nähen von Knopflöchern ist sie nicht geeignet.

Ist es kompliziert, die vier ­Fäden einzufädeln?

Bei den beiden Oberfäden funktioniert es ähnlich wie bei einer Haushaltsnähmaschine. Bei den Unterfäden kommt es auf das Modell an. Bei einfachen Geräten erfordert es ­einige Übung und Geduld bis es klappt. Hilfreich ist es, wenn die Einfädelwege farbig markiert sind. Schon ein kleiner Fehler kann dazu führen, dass die Maschine nicht läuft. Hochpreisigere Overlocks verfügen über ein Luftdrucksystem, mit dessen Hilfe die Fäden durch ein Kanalsystem geschossen werden. Ein Tipp: Wollen Sie das Garn wechseln, funktioniert es bei einigen Modellen, das neue Garn an das alte zu knoten. Dann können Sie sich das erneute Einfädeln der Unterfäden sparen.

Was kostet eine Overlock-­Maschine? Gibt es Modelle, die Sie empfehlen können?

Beim Discounter gibt es immer mal wieder Angebote für rund 150 €. Taucht bei diesen Geräten ein Problem auf, ist es häufig schwierig herauszufinden, wo der Fehler liegt. Das ist zumindest die Erfahrung, die ich mit Geräten meiner Kursteilnehmer gemacht habe. Einsteigern empfehle ich Geräte des Herstellers W6. Sie sind einfach, aber robust. Der Preis liegt bei etwa 250 €. Ich selbst arbeite mit einer „Babylock Eclipse“. Das Nachfolgemodell heißt „Enspire“ und kostet etwa 950 €. Die Nähte sind besonders akkurat und die Handhabung, unter anderem aufgrund des Luftsystems zum Einfädeln, sehr komfortabel. Das ist ein stolzer Preis. Eine solche Maschine hält aber auch viele Jahre.

Was kann ich tun, damit meine Overlock lange gut läuft?

Dadurch, dass die Maschine den Stoff auch schneidet, entsteht beim Nähen besonders viel Staub. Nach etwa acht Nähstunden sollten Sie die Maschine daher mit ­einem Staubsauger reinigen. Es empfiehlt sich, die Maschine einmal im Jahr warten zu lassen. Das kostet etwa 50 €. Der Fachmann reinigt dabei auch das Innenleben.

Benötige ich für eine Overlock besonderes Garn?

Es gibt zwar spezielles Overlock-­Garn. Doch das ist von minderer Qualität und reißt dadurch schnell. Ich verwende klassisches Nähgarn. Eine Overlock-Naht muss übrigens nicht immer verdeckt ein. Sie lässt sich auch bewusst als eine Art Ziernaht einsetzen. Ich fasse damit beispielsweise Spucktücher für Babys ein und nehme dazu drei unterschiedliche Farben: Jeweils eine für die Oberfäden und eine für die Unterfäden. Das macht gleich etwas her.


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