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Hunderasse hat Jubiläum

100 Jahre Großer Münsterländer

Im Jahr 1919 gründete sich ein eigener Zuchtverband für den Großen Münsterländer. Otger Buß, Schweinezüchter aus Stadtlohn, hat auch ein Händchen für die Zucht der schwarz-weißen Jagdhunde.

Dusty ist die ältere Zuchthündin von Otger Buß. Ganz dunkle Augen sind eines der Markenzeichen der Rasse.

Munter springen Dusty und Xilla an der Gittertür ihres Auslaufs hoch. „Wenn ich Grünzeug anhabe, denken sie, dass es losgeht“, erklärt Otger Buß lachend. „Wenn ich im Overall über den Hof gehe, machen sie keinen Mucks.“ Er öffnet die Tür, streift beiden eine Lederleine über und stiefelt mit dem tierischen Doppelpack Richtung Feld.

Otger Buß ist als Landwirt auf die Zucht von Ebern der Rasse Piétrain spezialisiert. Auf seinem Hof in Stadtlohn im Kreis Borken hält er 80 Sauen. Die besten Jungeber gehen in die Zucht. Die übrigen Ferkel werden selbst gemästet. Größte Leidenschaft des 64-Jährigen sind aber die Großen Münsterländer. Seit rund 40 Jahren züchtet er die Rasse, bildet ab und an auch selbst einen Hund aus und hat auf Jagden immer einen dabei.

Otger Buß mit der Hündin Xilla: Jede Zuchtstätte wandert mit den Namen ihrer Würfe durch das Alphabet. Der Zwinger vom Bußhof kommt nächstes Jahr zum zweiten Mal bei Z an. Das gelingt sehr selten.

Hunde mit Nachnamen

Dusty und Xilla sind hellwach, als der Rand eines Feldes erreicht ist, auf dem der Senf blüht. Irgendeine Spur haben sie immer in der Nase. Otger Buß sagt energisch: „Platz“. Dusty legt sich ins nasse Gras. Die Hündin ist inzwischen vier Jahre alt. Mit vollem Namen heißt sie „Dusty von Benteler“. Nachname ist immer die Zuchtstätte, in der ein Hund zur Welt gekommen ist. „Zwinger“ heißt das in der Fachsprache.

Otger Buß hat seinen Zwinger vor knapp 40 Jahren „vom Bußhof“ genannt. Mit Mitte 20 hatte er den Jagdschein gemacht. Kurz darauf begab er sich auf die Suche nach einem passenden Hund für die Jagd und für die Zucht. „Hier waren mehrere Große Münsterländer und die gefielen mir auch charaktermäßig.“ Er telefonierte mit Vertretern aus dem Verband, erkundigte sich, wo eine passende Hündin für ihn sein könnte, und landete schließlich in Baden-Württemberg. „Ara vom Schloßrain“ aus der Zucht der Grafen von ­Zeppelin war Tochter eines Langhaar-Rüden. Für den Verband versprach das eine willkommene Blutauffrischung. Otger Buß zahlte 800 DM für die acht Wochen alte Hündin. Zu Hause in Stadtlohn wurde aus Ara eine sorgsam ausgebildete Jagdhündin – und die Stammmutter seines Zwingers.

Immer der Nase nach: Dusty und Xilla nehmen bei einem Gang mit Otger Buß schnell Spur auf.

Hunde von A bis Z

1983 brachte sie ihren ersten Wurf zur Welt. Die Welpen bekamen Vornamen mit A, wie es bei allen ersten Würfen üblich ist. Danach geht es weiter durchs Alphabet. „A-Züchter gibt es viele“, sagt Otger Buß. Doch die ersten acht Wochen mit den Welpen sind anstrengend, sobald die Rangkämpfe beginnen auch laut. Wenn sich dann nur schwer Käufer für die jungen Hunde finden, stellen viele die Zucht wieder ein. Otger Buß blieb dran. Im kommenden Jahr hat er das Alphabet zum zweiten Mal durch.

„Man muss ein Händchen für die Zucht haben“, sagt er. Intensiv setzt er sich mit Ahnentafeln, optischen und charakterlichen Eigenschaften der Zuchttiere auseinander. Daran hatte er schon als Jugendlicher Freude. Damals züchtete er Dalmatiner. Manchmal wirbelte gleich ein Dutzend der schwarz getupften Tiere über die Tenne. Bei den Großen Münsterländern setzt er vor allem auf Charakter. Die Verträglichkeit ist für ihn das A und O. „Auf Jagd gehen die Tiere nur einige Tage im Jahr. Die Besitzer haben sie aber das ganze Jahr zu Hause.“

Enkeltochter Karla Giebing versteht sich bestens mit Hündin Onja vom Bußhof.

Als Richter im Einsatz

Auge und Ahnung des jungen Züchters blieben nicht verborgen. Schnell wurde er gefragt, ob er nicht Richter werden wollte. Er sagte Ja und machte sich auf den Weg. „Als Anwärter geht man mit auf Prüfungen und muss dann immer als Erster urteilen“, berichtet er. Dazu kommen zahlreiche Seminare. Denn die Bewertungskataloge in den Prüfungen sind lang. Sie reichen von Farbe, Körperbau und Gebiss bis zu Dutzenden jagdlicher Disziplinen. Die Großen Münsterländer gelten als sehr gelehrig.

Otger Buß selbst gibt die Ausbildung der Tiere, die er behält, mittlerweile aus Zeitgründen in fremde Hände. „Man muss täglich intensiv mit den Tieren arbeiten.“ Anfangs verfolgen die Welpen die nur wenige Meter lange Spur einer Wurstscheibe. Nach und nach werden die „Schleppen“ immer länger. Das braucht Zeit, Erfahrung und Geduld. „Mit einem Betrieb ist das schwer zu vereinbaren.“

Auf dem Betrieb sind der 64-Jährige und seine Ehefrau Agnes immer noch voll eingespannt. Die älteste der drei Töchter wohnt mit ihrer Familie auf dem Hof und arbeitet in Ahaus als Lehrerin. Ihr Ehemann hat mit Anfang 30 auf Landwirt umgesattelt und bewirtschaftet den Betrieb jetzt gemeinsam mit den Schwiegereltern.

Welpen nach Finnland

Viele Tage im Jahr ist Otger Buß als Richter oder als Hauptzuchtwart des Verbandes unterwegs. Dieses Amt, das er seit 2006 bekleidet, ist manchmal auch ungemütlich. Wenn eine Hündin oder ein Rüde wiederholt Würfe mit gesundheitlichen Problemen produziert, muss er Zuchtsperren aussprechen. „Das kommt aber selten vor.“

Immer häufiger bei Familie Buß sind Anfragen von Hundeliebhabern aus dem Ausland. Zuletzt gingen Tiere nach Finnland, Japan und in die USA. Jäger sind beim Verkauf der Welpen erste Wahl. Der Verband sieht als Standardpreis 1000 € vor.

Zum Jubiläum veranstaltete der Verband in diesem Jahr viele große Schauen und Prüfungen. Otger Buß selbst musste sich dabei häufig aus der Richterkommission zurückziehen. Der Grund: Zuchthündin Dusty hatte pünktlich zum Jubiläum des Verbandes einen „Jahrhundertwurf“ zur Welt gebracht. Aus Dustys 2018er-Wurf liefen gleich sieben Nachkommen bei zahlreichen Prüfungen und Schauen ganz vorn mit.