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Wetterbericht einmal anders

Die Ausstellung „Wetterbericht – über Wetterkultur und Klimawissenschaft“ in der Bundeskunsthalle in Bonn ist sehenswert, auch wenn sie einige Lücken offenlässt.

Ist Xavier, der erste Herbststurm dieses Jahres, ein Zeichen für den Klimawandel? „Erst aus 30 Jahren Wettergeschehen lässt sich ein Klimazustand ablesen“, heißt es dazu nüchtern in der Ausstellung „Wetterbericht – über Wetterkultur und Klimawissenschaft“, die am Wochenende in der Bundeskunsthalle in Bonn eröffnet worden ist. Die Ausstellung warnt vor voreiligen Schlüssen, will aber doch den Blick schärfen für Wetter, Witterung und Klima. Sie lenkt den Blick auch auf die Kulturgeschichte des Wetters und fragt: Wie haben Künstler das atmosphärische Geschehen betrachtet und wiedergegeben?

Rund 400 Ausstellungsstücke aus Kunst, Kultur und Naturwissenschaft wurden zusammengetragen. Vertreten sind Künstler wie Rembrandt oder Goethe, William Turner, Gustave Courbet oder Otto Modersohn. Der aus Soest stammende Maler Modersohn hat einen Großteil seines Lebens im norddeutschen Künstlerdorf Worpswede verbracht und war, wie einige seiner Gemälde in Bonn zeigen, ein großartiger Beobachter und Maler des Wettergeschehens.

Hier geht’s lang
Die Ausstellung „Wetterbericht – über Wetterkultur und Klimawissenschaft“ ist bis zum 4. März 2018 in der Bundeskunsthalle in Bonn, Friedrich- Ebert-Allee 4, zu sehen.
Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs von 10 bis 21 Uhr, donnerstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr.
Eintritt: 10 €, ermäßigt 6,50 €, Familien 16 €.
Katalog: Das Begleitbuch zur Ausstellung, erschienen im Kettler-Verlag Dortmund/Bönen, kostet 35 €.
Weitere Informationen:  Tel. (02  28) 9171242, www.bundeskunsthalle.de.

Weitere Höhepunkte der Schau:

  • Die ie original erhaltenen Magdeburger Halbkugeln und die Vakuumpumpe. Deren Erfinder, der Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke hat damit vor gut 350 Jahren die Kraft des Luftdrucks unter Beweis gestellt.
  • Die Fußballschuhe des Nationalspielers Fritz Walter, die er beim Fußball-WM-Endspiel 1954 in Bern getragen hat, erzählen vom Segen und von den Tücken des Dauerregens, des sprichwörtlichen „Fritz-Walter-Wetters“.
  • Die „Wolkenbilder“ des englischen Apothekers und Naturforschers Luke Howard (1772–1864), der als Erster die Wolken wissenschaftlich erkundet hat und damit einen Grundstein der meteorologischen Forschung gelegt hat.

Eine klare „Ansage“ fehlt

Die Ausstellung teilt sich in zwölf Räume, die jeweils einem Wetterphänomen gewidmet sind: Sonne, Luft, Nebel, Wind, Sturm, Eis und so weiter. Der aus den Fernsehnachrichten bekannte Meteorologen Karsten Schwanke gewährt auch einen Blick hinter die Kulissen seines TV-Wetterstudios.

Erstaunlicherweise wird in der Ausstellung das Thema Klimawandel nur angedeutet. Vom TV-Meteorologen und von den Ausstellungsmachern hätte man sich dazu eine klare, analytisch- faktengesättigte „Ansage“ gewünscht. Im Begleitkatalog immerhin findet sich ein lesenswertes Interview Schwankes mit dem Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Aber ob das reicht und die „Klimaleugner“ unserer Tage erreicht?

Text: Gisbert Strotdrees
Foto: Museum

 

Ein ausführlicher Bericht zur Ausstellung findet sich im aktuellen Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, Folge 41, vom 12. Oktober 2017.

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