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Sinsteden: Der Hof der Überraschungen

Wie passt das zusammen? Alte Landmaschinen und Traktoren, Rassegeflügel und dazwischen weißgetünchte Hallen, in denen Steinskulpturen stehen? In Sinsteden im Kreis Neuss befindet sich ein ungewöhnliches Kulturzentrum.

Im „Kulturzentrum Sinsteden“ treffen Welten aufeinander – und das Erstaunliche ist: Sie passen zusammen und bescheren dem Haus einen steten Besucherstrom. „Wir haben jährlich etwa 20 000 Gäste“, freut sich die Museumsleiterin Kathrin Wappenschmied.

Das Kulturzentrum Sinsteden liegt im gleichnamigen Ortsteil der Stadt Rommerskirchen, Kreis Neuss. Es ist im Gebäude und auf dem Gelände eines ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes untergebracht.

Fotokunst im Kuhstall

Von der Straße aus wirkt der Hof unspektakulär. Dunkelrote Backsteine prägen das zweigeschossige Wohnhaus. Der Besucher trippelt über Kopfsteinpflaster, blickt auf ein kleines Restaurant in einer umgebauten Scheune – und auf den ehemaligen Kuhstall an der rechten Seite. Er ist für Sonderausstellungen reserviert. Derzeit sind dort Naturfotografien des schwedischen Foto-Künstlers Edvard Koinberg zu sehen.

So ist man schon ein wenig eingestimmt auf den Dreiklang von Natur, Kunst und Technik, der die Hauptattraktionen des Kulturzentrums bestimmt. Eine Art Durchfahrtscheune führt den Besucher ins Offene, quer durch einen Park und einen Obstgarten. Er wird begrenzt von einem nüchternen Hallenbau, der fast abweisend wirkt.

Technikfreunde, die die Tür öffnen, kommen aus der Halle so schnell nicht wieder heraus. Denn hier ist auf 3000 m2 Landtechnik aus anderthalb Jahrhunderten ausgestellt. In der Halle findet sich alles, was einmal Rang und Namen hatte – bzw. heute noch hat: ein Saatgutreiniger der Firma Röbers-Petkus, eine frühe Drillmaschine der Marke „Amazone“, ein Düngerstreuer der Bielefelder Firma Kuxmann oder auch ein früher, noch schleppergezogener Mähbinder der Firma Claas aus Harsewinkel, um nur einige Namen zu nennen.

Drillen, Dampf und Diesel

Kartoffelwagen und Rübenköpfer, Kippkarren und sogar ein echtes Dampflokomobil „made in England“ sind hier ausgestellt, von den Pferdekutschen jeder Größe und Ausstattung ganz zu schweigen. Erläuterungstafeln und Monitorfilme zeigen, wie all diese Geräte funktioniert haben und in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.

Mitten in der Halle ist, wie eine Art rotes Band der Landtechnik, die nahezu komplette Modellreihe der Firma Case IH, vormals McCormick, aufgestellt. Die Traktoren mit ihrer markanten roten Farbe erinnern an ein wichtiges Kapitel zur Industriegeschichte der nahen Kreisstadt Neuss. In deren Hafen unterhielt Case IH bis 1997 ein großes Fertigungswerk.

... und Skulpturen von heute

Wer dann doch irgendwann die Halle verlässt, der blickt auf zwei weitere Nutzbauten: Kühl, sachlich, weißer Kalkstein, silbrige Stahlträger. Das alles wirkt auch nicht unbedingt einladend – und doch pilgern Kunstfreunde aus aller Welt gerade hierhin. Denn die beiden großen Hallen, nach Plänen des Künstlers Ulrich Rückriem erbaut, beherbergen eine Vielzahl seiner Werke: Steinskulpturen aus Granit, Dolomitstein oder graugrünem Anröchter Stein.

Rückriem, der gebürtige Düsseldorfer, war in den 1990er-Jahren auf der Suche nach einem passenden Ort für seine Steinskulpturen. In Sinsteden wurde er fündig – und so entstanden nach seinen Plänen hinter dem Bauernhof die beiden Hallen. In ihnen stehen die für Rückriem so typischen Werke: tonnenschwere Platten, Würfel und Stelen, die an der Oberfläche mal behauen, mal beschnitten, mal gebohrt oder auch einfach „naturbelassen“ sind. 

Ulrich Rückriem, der "Minimalist des Steins"

Wer nach Hinweisen, Erklärungen oder auch nur nach Titeln der Kunstwerke sucht, der sucht vergeblich. „Rückriem will das so“, sagt die Museumsleitern Kathrin Wappenschmidt. Er ist ein „Minimalist des Steins“, erklärt sie – und weiß dann doch vom Künstler und seinem Werk zu erzählen, der auch im Park zwischen den Hallen seine Spuren hinterlassen hat.


Wege führen auf symmetrische Außenskulpturen zu, Heckenstreifen teilen die Rasenflächen. Selbst die Obstbäume sind nach einem vorgegebenen Muster gepflanzt. So fügt sich am Ende doch alles zu einem einheitlichen Bild – zwischen Natur, Kunst und (Land-)Technik. 



Tipps für Besucher

Das „Kulturzentrum Sinsteden“ des Rhein-Kreises Neuss. Grevenbroicher Straße 29 in Rommerskirchen-Sinsteden ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4 €, für Familien 7 €, für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren 1,50 €. Weitere Informationen unter Tel. (0 21 83) 70 45 oder www.rhein-kreis-neuss.de (Eintrag unter „Kultur + Freizeit“).

 

Text und Foto: Gisbert Strotdrees

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