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Archäologie-Ausstellung

Schätze aus dem Boden

„Bewegte Zeiten“: Eine große Ausstellung in Berlin präsentiert die glanzvollsten und interessantesten Bodenfunde der letzten Jahre aus Deutschland. Westfalen ist dabei gut vertreten.

Archäologen auf einer Grabung in Westfalen.

An und in der Blätterhöhle in Hagen haben Menschen seit Jahrtausenden ihre Spuren hinterlassen. Dort wurde vor einigen Jahren auch der älteste bislang bekannte Schädel eines Menschen aus Westfalen entdeckt. Er oder sie hat dort vor unvorstellbaren elf Jahrtausenden gelebt. Der Schädel ist in Kürze in Berlin in der großen Sonderausstellung „Bewegte Zeiten“ zu sehen. Die Schau präsentiert aus Anlass des Europäischen Kulturerbejahres die bundesweit interessantesten und glanzvollsten archäologischen Bodenfunde der zurück­liegenden zwei Jahrzehnte.

Die „Himmelsscheibe von Ne­bra“, vor rund 3600 Jahren aus Bronze und Gold gefertigt, gilt als weltweit älteste Darstellung der Sternenwelt.

Goldfund im Ackerboden

Zu den besonders spektakulären Funden zählen

  • die „Himmelsscheibe von Nebra“ aus Sachsen-Anhalt: Sie gilt als weltweit älteste Darstellung der Sternenwelt und des Kosmos.
  • der Goldfund von Gessel: In diesem Dorf bei Syke im Landkreis Diepholz wurden beim Bau einer Erdgasleitung 2011 im Acker 82 Schmuckspiralen aus Gold gefunden. Mit einem Gesamtgewicht von 1,7 kg zählt er zu den umfangreichsten geschlossenen Goldfunden in Europa.
  • der „Berliner Goldhut“: Das etwa 75 cm große, spitz zulaufende Stück aus Goldblech, gefertigt irgendwann in der Bronzezeit, tauchte in den 1990er-Jahren im Kunsthandel auf und ist offenbar bei einer Raubgrabung von Unbekannten entdeckt worden.
  • eine Spundwand aus dem Hafen der Römerzeit in Köln: Die mächtigen Überreste einer 3,5 m hohen Wand bestehen aus fast 2000 Jahre alten Eichenbohlen.

Aus dem Goldfund von Gessel bei Syke/Niedersachsen: Rund 3300 Jahre alt sind diese goldenen Armreifen.

Die Ausstellung mit dem Titel „Bewegte Zeiten“ ist nicht chronologisch angelegt, sondern dreht sich um vier Grundthemen des Menschen: Mobilität, Austausch, Konflikt und Innovation. Der Rundgang auf 1000 m2 soll damit immer auch einen Bogen in die Gegenwart schlagen.

Pflugschare, Bienenwachs - Funde aus Westfalen

Unter den insgesamt 1000 Ausstellungsstücken ist Westfalen gut vertreten. So sind in Berlin, neben dem eingangs erwähnten Schädel aus dem Sauerland, unter anderem folgende Stücke zu sehen:

  • Pflugscharen, Sensen, Beile und andere Werkzeuge aus der Landwirtschaft wurden an und in Wallburgen im Kreis Olpe entdeckt. Die Stücke aus der Eisenzeit, also einige Jahrhunderte vor Christus gefertigt, wurden dort offenbar bewusst deponiert, vielleicht zu Kult­zwecken, wie Forscher vermuten. Manche der Werkzeuge sind verziert und tragen beispielsweise einen Pferdekopf.
  • Die Speerspitze aus Knochen der Altsteinzeit wurde bereits vor Jahrzehnten bei Bergkamen-Ober­aden (Kreis Unna) ausgegraben. Erst jetzt aber wurden an dem 13 000 Jahre alten Stück Spuren von Bienenwachs gefunden. Experten sehen darin einen der weltweit ältesten Belege für Bienenwachs als Klebstoff, aber auch für die Europäische Honigbiene, die sich offenbar 2000 Jahre früher als bislang angenommen hierzulande ausgebreitet hat.
  • Eine Bronze-Urne, hergestellt vor rund 2700 Jahren, wurde in Gevelinghausen (Hochsauerlandkreis) entdeckt. Die Abbildungen auf der Urne geben bis heute Rätsel auf und können einen Sonnenkalender darstellen.
  • Ein Luxus-Kamm aus Elfenbein aus dem 12. Jahrhundert mit einer eingravierten Jagdszene kam bei Ausgrabungen an der Holsterburg bei Warburg (Kreis Höxter) ans Tageslicht.

Diese Goldscheibe mit Edelsteinbesatz wurde im Rheinland entdeckt und ist 1400 Jahre alt.

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Die Ausstellung im Gropius-Bau, Niederkirchner Straße 7, in Berlin ist vom 21. September bis 6. Januar kommenden Jahres zu sehen. Sie ist täglich außer dienstags (!) von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 12 €, ermäßigt 6 €.

Weitere Informationen unter Tel. (030) 2  66  42  42  42.

www.bewegte-zeiten-berlin.de