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Natur kennt keinen Stillstand

„Vom Kommen und Gehen – Westfälische Artenvielfalt im Wandel“: So lautet der Titel der neu gestalteten Dauerausstellung im Naturkundemuseum in Münster.

Hoch oben an der Wand hängt der letzte Stör Westfalens – oder zumindest das, was von ihm übrig geblieben ist: Gut 2 m lang ist das Präparat des Fisches, der sich einmal in hiesigen Gewässern getummelt hat, ehe er 1840 in der Stever bei Olfen gefangen worden ist.

Das Präparat, das ein wenig an ein Krokodil erinnert, findet sich in der neuen Dauerausstellung, die sich das Westfälische Naturkundemuseum in Münster zu seinem 125. Geburtstag spendiert hat. Seit 1892 existiert das Museum, das damit zu den ältesten Kultureinrichtungen Westfalens und des heutigen Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gehört.

Der Mensch als Motor

Wie kein zweites haben die Mitarbeiter des Museums den Wandel der Natur und der Landschaft in Westfalen beobachtet und analysiert. Etwa 2 Mio. Fundstücke aus der hiesigen Flora und Fauna befinden sich in der Sammlung des Hauses. Sie bildet den Grundstock für die neue Dauerausstellung, die am Wochenende eröffnet worden ist. Der Titel der Dauerausstellung sagt alles: „Vom Kommen und Gehen – Westfälische Artenvielfalt im Wandel“.

Mit 900 Exponaten auf 320 m2 ist die Ausstellung überschaubar. Doch sie schlägt einen Bogen über unvorstellbare Zeiträume, von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart. Von einem „Reisetagebuch der Jahrtausende“ sprach der LWL-Landesdirektor Matthias Löb auf der Eröffnungs-Pressekonferenz.

Wie die Natur sich ständig verändert hat und weiter verändert, zeigen Dioramen, also nachgestellte Landschaften mit Pflanzen- und Tierpräparaten, sowie Karten, Fotografien, Kurzfilme und digitale Animationen. Per Steuerrad und Computersimulation können Besucher beispielsweise durch die Jahrtausende rauschen und die Änderungen der Natur im Detail verfolgen.

Der Wandel vom Wald zur offenen, agrarisch genutzten Kulturlandschaft steht am Beginn der Ausstellung. Natürliche Klimaänderungen haben das ihre beigetragen. Aber: „Motor des Wandels war und ist der Mensch“, betonen die Biologinnen Lisa Klepfer und Laura 
Prodöhl, die gemeinsam mit dem Museumsleiter Jan Ole Kriegs die Schau erarbeitet haben. Im 19. Jahrhundert sei die Vielfalt in Flora und Fauna am größten gewesen. Seither haben sich viele Arten zurückgezogen oder sind vollkommen aus der Landschaft Westfalens verschwunden.

Die Ausstellungsmacherinnen weisen auf ein Bündel an Faktoren zwischen Landwirtschaft, Bodenversiegelung, Industrie, Verkehr und Konsumverhalten. Die viel diskutierten Problemthemen der modernen Landwirtschaft wie Bodenerosion, Gülledüngung oder Chemie-Einsatz werden in der Ausstellung ebenso thematisiert wie etwa das Projekt der Landwirtschaftskammer NRW zur Rettung von Kiebitz-Populationen. „Wir wollen nicht einseitig anklagen, sondern biologisches Wissen vermitteln und die Besucher zum Nachdenken bringen, vor allem auch über ihr eigenes Verhältnis zur Natur“, erläutert Laura Prodöhl beim Presserundgang.

Ein- und Auszug der Tiere

Im Mittelpunkt der Schau steht eine etwa 15 m lange Karawane mit 60 Tierpräparaten. Wasserbüffel,  Mammut und Bär laufen, so scheint es dem Besucher, aus der Ausstellung heraus – diese Arten haben einmal in Westfalen gelebt und sind längst verschwunden.

Andere Tiere hingegen laufen in die Ausstellung hinein: Schwarzstorch, Fischotter, Biber, Waschbär oder auch der Flamingo sind die „Newcomer“ in unserer Kulturlandschaft. Seit 1994, so erfährt der Besucher, lebt eine Brutkolonie von Chileflamingos im Zwillbrocker Venn bei Vreden.

Tipps für Besucher

Die Ausstellung „Vom Kommen und Gehen – Westfälische Artenvielfalt im Wandel“ ist im Westfälischen Naturkundemuseum in Münster, Sentruper Straße 285, zu sehen. Das Museum ist täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 6,50 €, für Kinder 4 €, für Familien 14 €.

Weitere Informationen unter Tel. (02  51) 5  91  05, www.naturkundemuseum-muenster.de


Text: Gisbert Strotdrees

Foto: Steinweg/ LWL. – Diese Karawane der Tiere, zusammengestellt aus rund 60 Präparaten, zeigt in der neuen Dauerausstellung das Kommen und Gehen in der Tierwelt Westfalens.

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